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Folker Dries
01.08.2019   News
Deal mit Emotionen
Die Übernahme von Teilen von Hering Schuppener durch BCW bedeutet die Aufspaltung des Erbes des verstorbenen Gründers Ralf Hering. HS-Chef Folker Dries (Foto) über die Hintergründe.
Rund anderthalb Jahre liegt der Tod von Ralf Hering zurück. Der im Februar 2018 plötzlich verstorbene Gründer und CEO hat Hering Schuppener zu einer der erfolgreichsten und renommiertesten PR-Agenturgruppen des Landes geformt.
 
Nun kommt es zu einem für viele Mitarbeiter wohl emotionalen Schnitt: Das Erbe von Hering wird aufgespalten. Das Geschäft mit Markenkommunikation und Healthcare wird zum 1. September unter das Dach der WPP-Schwester BCW geschoben. Das betrifft rund 50 Mitarbeiter. Die Consulting- und die Public-Affairs-Sparte von Hering Schuppener mit 200 Mitarbeitern führen ihr Geschäft im Verbund mit den Partnern Finsbury und Glover Park fort. 
 
"Wir haben uns nach dem Tod von Ralf Hering überlegt, ob die historisch gewachsene Struktur von Hering Schuppener dauerhaft trägt", sagte Folker Dries, Managing Partner von Hering Schuppener. Seit der Gründung im Jahr 1995 seien  drei Unternehmen herangewachsen, die sich auf unterschiedlichen Märkten tummeln. "Wir werden draußen als die strategische Kommunikationsberatung wahrgenommen", sagt Dries. "Ralf Hering hat jedoch mit Marken- und Unternehmenskommunikation angefangen, 2001 kam Healthcare dazu."
 
Das eine habe mit dem anderen allerdings wenig zu tun, die Zielgruppen in den Unternehmen seien oft sehr unterschiedlich, Synergieeffekte kaum vorhanden, sagt Dries. Zwar könnten die beiden anderen Geschäftsfelder ebenso gut Kerngeschäft wie die Unternehmens-, Finanz- und Krisenkommunikation sowie Public Affairs sein. "Aber Sie können nicht drei Kerngeschäfte nebeneinander laufen lassen. Das funktioniert auf Dauer nicht", sagt Dries.
 
Als GCI Hering Schuppener und GCI Health unter dem Dach von BCW und GCI und damit als Teil eines globalen Netzwerks sind nach Meinung von Dries neue Synergien möglich. In dieser großen internationalen Organisation gehörten die Tätigkeitsbereiche der Teams zum Kerngeschäft. Gleichzeitig blieben sie mit ihrer unternehmerischen Philosophie eigenständig - Hering Schuppener Healthcare mit Büros in Hamburg und Düsseldorf ist bereits eine GmbH, die Unit für Marken- und Unternehmenskommunikation in Düsseldorf solle eine werden. Dries: "Ich glaube, unsere Lösung ist auch im Sinne von Ralf Hering."


BCW-CEO Lünenbürger-Reidenbach begründet die Konstellation unter anderem damit, dass seine Agenturgruppe nicht einfach unechte Konfliktmarken aufbauen wollte. "Wenn man konkurrierende Kunden bedienen möchte, hat es eine höhere Glaubwürdigkeit und größere Durchschlagskraft, wenn man reale Firmen hat", erläutert er. "Wir wollen zwei – mit Axicom drei - Agenturen, die ein wenig unterschiedlich profiliert sind, unter einem Dach haben."
 
Der Mehrwert der künftigen Konstellation erkennt der frühere Managing Director von Cohn & Wolfe Deutschland unter anderem darin, dass sowohl die Marken- und Unternehmenskommunikation als auch die Healthcare-Kommunikation vom Handwerkszeug, von der Ansprache der Kunden, vom vorgehaltenen Wissen her BCW deutlich näher seien, als dem Kerngeschäft von Hering Schuppener. "Was die Zukunft der Kommunikation und die Dienstleistungen angeht, laufen sie mit der BCW-Gruppe in die gleiche Richtung."
 
Vorteile macht er etwa aufgrund der unterschiedlichen Kundenstrukturen der Partner aus. Hering Schuppener in Düsseldorf arbeite zum Beispiel für große Mittelständler, BCW habe sehr viele globale Unternehmen als Kunden. Auf dem Sektor Healthcare liege der BCW-Fokus stärker auf content-getriebener Patientenkommunikation, Hering Schuppener Healthcare betreibe in erster Linie Fach- und Pharmakommunikation.

Nicht obwohl, sondern gerade weil die Fusion von Burson-Marsteller und Cohn &Wolfe erst ein Jahr zurückliegt, sieht Lünenbürger-Reidenbach den Zeitpunkt, die beiden Agenturen an BCW zu binden, als günstig an. "Es ist sinnvoll, es jetzt zu machen, weil wir ohnehin noch im Veränderungsprozess sind."
 
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