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Jochen Sengpiehl, Marketingchef der Marke VW Pkw (Foto: Volkswagen)
11.06.2020   News
VW: Niemand muss gehen
Der Volkswagen-Konzern will Konsequenzen aus dem Skandal um ein Werbevideo für den Golf 8 ziehen. Dazu gehört der Aufbau eines unabhängigen Gremiums mit Diversity-Experten. CMO Jochen Sengpiehl (Foto) bleibt auf seinem Posten.
Um sicherzustellen, dass im VW-Konzern künftig keine "unangemessenen Inhalte" mehr produziert und veröffentlicht werden, hat der Vorstand Folgendes beschlossen:

1. Prozessverbesserung durch Etablierung eines festen Freigabe-Checkpoints auf Unternehmens- und Agenturseite. Dafür wird ein unabhängiges Board mit Diversity-Expert*innen geschaffen, die nichts mit dem Kreativprozess zu tun haben, sondern kreative Inhalte nur auf potenziell verletzende, diskriminierende und anderweitig kritische Elemente checken und filtern.
2. Deutliche Stärkung der Schulungen im VW-Team und auf Agenturseite zum Thema Ethik und Kultur.
3. Sicherstellung von Heterogenität und mehr Diversität bei der Teamzusammensetzung.
4. Schaffung einer übergreifenden Social Media Organisation zur besseren Reaktion und Steuerung.

Zuvor hatte die Konzernrevision den Fall des Instagram-Spots "Petit Colon" untersucht und dafür nach VW-Angaben etwa 400 Dateien mit mehr als 16,5 GB Datenvolumen ausgewertet. Außerdem führte sie Gespräche mit Mitarbeitern aus den Bereichen Marketing, Beschaffung und Recht sowie mit den beteiligten externen Agenturen. Fazit: "Danach können wir sagen, dass hier keinerlei rassistische Intentionen eine Rolle gespielt haben", so Hiltrud D. Werner, Konzernvorständin für Integrität und Recht. Allerdings seien "fehlende Sensibilität und prozessuale Fehler" erkannt worden.
 
Im Vorfeld des Vorstandsbeschlusses hatte es Spekulationen gegeben, Marketingchef Sengpiehl müsse seinen Hut nehmen. So kam es nicht. In einer Stellungnahme bittet der CMO die Öffentlichkeit um Entschuldigung: "Wir haben die rassistischen Elemente dieses Videos nicht erkannt. Für diesen Fehler bitte ich, auch im Namen des Teams, um Entschuldigung." Er werde "persönlich dafür sorgen, dass die beschlossenen Konsequenzen im Tagesgeschäft umgesetzt werden".
 
In dem Clip war ein schwarzer Mann von einer weißen Hand in ein Haus geschubst worden, über dem "Petit Colon" stand. In der sukzessiven Einblendung der Buchstaben für den Schriftzug "Der neue Golf" war eine Sequenz sichtbar, die dem Betrachter eine Kombination der Buchstaben zum Wort "Neger" ermöglichte.


Tipp: Warum PR-Profis eine gespaltene Persönlichkeit haben sollten - Gedanken zu den Skandalen bei Adidas und Volkswagen.

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