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News / „Manchmal muss man ins kalte Wasser springen“
Jacqueline Casini (Foto: Felix Kästle)
15.10.2026   Karriere
„Manchmal muss man ins kalte Wasser springen“
Sind junge Menschen die Verlierer der KI-Revolution? Was hätten Sie in Ihrer Karriere gerne früher gewusst? Jacqueline Casini, Kommunikationschefin von Rolls-Royce Power Systems, antwortet in unserem Karriere-Fragebogen.
Was hätten Sie in Ihrer Karriere gerne früher gewusst?
Dass es für die großen Entscheidungen im Leben selten den perfekten Zeitpunkt gibt. Gerade junge Frauen fragen mich oft, wann der richtige Zeitpunkt für Kinder sei, wenn man gleichzeitig Karriere machen möchte. Meine Antwort: Den gibt es nicht. Man kann nicht alles durchplanen. Manchmal muss man einfach ins kalte Wasser springen und darauf vertrauen, dass sich Lösungen finden. Rückblickend habe ich mir darüber viel zu viele Gedanken gemacht.

Was war Ihre wichtigste berufliche Entscheidung und warum?
Ins Ausland zu gehen. Kommunikation in einer anderen Sprache als der eigenen Muttersprache zu gestalten, zunächst auf Englisch, später auch auf Spanisch, hat mich enorm weitergebracht. Plötzlich funktionieren vertraute Muster nicht mehr. Man muss andere kulturelle Perspektiven verstehen, sprachliche Feinheiten meistern, neu denken und sich auf ungewohnte Situationen einlassen. Meine Lernkurve war damals unglaublich steil. Diese Erfahrung hat mich beruflich und persönlich nachhaltig geprägt.

Welcher Mensch hat Sie beruflich am meisten geprägt und warum?
Ein CEO, für den ich zu Beginn meiner Karriere gearbeitet habe. Ich sollte ein Kommunikationspaket für den Launch eines neuen Handys auf der CeBIT erstellen. Doch selbst zwei Tage vor Messebeginn hatte ich weder technische Spezifikationen noch Fotos des Geräts. Völlig frustriert ging ich zum CEO. Seine Antwort: „Komm mir nicht mit Problemen, sondern mit Lösungen.“ Das saß! Aber es war eine der wertvollsten Lektionen meiner Karriere. Verantwortung übernehmen, selbst Lösungen entwickeln und das Ergebnis im Blick behalten. Diese Haltung versuche ich heute auch meinen Teams mitzugeben. Und ja, das Kommunikationspaket wurde rechtzeitig fertig.
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Tipp: Jacqueline Casini wird zu Gast sein beim PR Report Camp 2026. Auch in diesem Jahr gibt es die wichtigste Groß-Veranstaltung für den Nachwuchs und für Young Professionals: am 11. November digital und am 12. November vor Ort in Berlin. Mit dabei als Partner des Camps sind viele renommierte Agenturen und Unternehmen, darunter auch Rolls-Royce Power Systems. Kostenlos für Studierende, Volos und Trainees! Jetzt anmelden!
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Welcher Branchen-Hype nervt Sie?
Der Glaube, dass das nächste große Tool schon alle Probleme lösen wird. Ich bin eine große Befürworterin von CommTech und KI. Aber Technologie allein macht noch keine bessere Kommunikationsorganisation. Entscheidend ist, wie wir sie einsetzen, welche Prozesse wir verändern und welche Kompetenzen wir dafür aufbauen. Wer nur neue Tools einführt, ohne das eigene Operating Model zu hinterfragen, verschenkt einen Großteil des Potenzials.

Ein junges Talent begeistert Sie, wenn …
… es mit einer eigenen Idee kommt, dafür einsteht und den Mut hat, bestehende Vorgehensweisen zu hinterfragen. Ich mag Menschen, die nicht nur Aufgaben abarbeiten, sondern mitdenken, Verantwortung übernehmen und etwas verändern wollen. Und die auch dann dranbleiben, wenn ihre erste Idee nicht sofort auf Begeisterung stößt.

KI wälzt die Kommunikationsbranche um: Sind junge Menschen die Verlierer der KI-Revolution?
Sie können zu den größten Gewinnern gehören. Gerade junge Kolleginnen und Kollegen sind oft wichtige Impulsgeber, weil sie mit KI völlig selbstverständlich umgehen. Davon können auch erfahrene Führungskräfte enorm profitieren. Gleichzeitig sehe ich eine echte Gefahr: Wenn Unternehmen klassische Junior-Aufgaben vollständig an KI auslagern, sparen sie kurzfristig Zeit und Kosten, nehmen jungen Menschen aber den Einstieg in den Beruf. Und langfristig schaden sie sich selbst. Denn wo sollen die erfahrenen Kommunikationsprofis von morgen herkommen, wenn heute niemand mehr ausgebildet wird? Bei Rolls-Royce setzen wir deshalb weiterhin bewusst auf zwei Volontariatsstellen und mehrere Werkstudierende. Sie bringen neue Perspektiven ins Team und sind gleichzeitig ein wichtiger Bestandteil unserer eigenen Talententwicklung.

Welche menschlichen Fähigkeiten bleiben im KI-Zeitalter unverzichtbar?
Vor allem kritisches Denken, Urteilsvermögen, strategisches Verständnis und Empathie. KI kann Informationen analysieren und Inhalte produzieren. Aber Ergebnisse einordnen, Interessen unterschiedlicher Stakeholder verstehen, schwierige Entscheidungen treffen und Verantwortung für deren Konsequenzen übernehmen, das bleibt unsere Aufgabe. Hinzu kommen Neugier, Lernfähigkeit und die Bereitschaft, bisherige Arbeitsweisen immer wieder zu hinterfragen. Technologische Kompetenz wird zur Grundvoraussetzung. Den Unterschied machen Urteilskraft und die Fähigkeit, daraus wirksames Handeln abzuleiten.

Eine mit KI verfasste Job-Bewerbung finde ich …
… grundsätzlich völlig in Ordnung. Warum sollte man ein gutes Werkzeug nicht nutzen? Allerdings habe ich allein letzte Woche sechs Bewerbungen erhalten, die alle mit demselben Canva-Template gestaltet waren und sich auch sprachlich kaum unterschieden. Da frage ich mich schon, wo die Persönlichkeit geblieben ist. Für mich ist eine Bewerbung sogar ein interessanter erster KI-Anwendungsfall: Hat jemand das Tool klug genutzt, die Ergebnisse kritisch hinterfragt und daraus etwas Eigenes gemacht? Oder einfach den ersten Vorschlag übernommen? Das sagt durchaus etwas darüber aus, wie reflektiert jemand mit KI umgeht.

Diesen Prompt nutze ich beinahe täglich:
Eines meiner häufig genutzten Prompt-Templates lautet ungefähr so: „Übernimm die Rolle eines kritischen Sparringspartners. Analysiere meinen Vorschlag hinsichtlich strategischer Relevanz, Umsetzbarkeit und messbarem Nutzen. Hinterfrage meine Annahmen, identifiziere blinde Flecken und mögliche Zielkonflikte. Welche Einwände könnten unterschiedliche Stakeholder vorbringen? Wo ist meine Argumentation noch nicht überzeugend? Formuliere abschließend die drei kritischsten Fragen, auf die ich vor einer Entscheidung eine gute Antwort haben sollte. Sei dabei bewusst kritisch und vermeide es, mir einfach zuzustimmen.“ Ich nutze KI gerne als Sparringspartner, gerade bei strategischen Themen. Besonders wertvoll wird sie für mich, wenn sie nicht einfach bestätigt, sondern Argumentationen auf den Prüfstand stellt, Schwachstellen offenlegt und neue Perspektiven eröffnet.

Welches Klischee über die PR- und Kommunikationsbranche ist keines?
Dass wir es mit KPIs und Wirkungsmessung nicht so genau nehmen wie das Marketing. Ich erinnere mich noch gut an Sätze in Vorstandsvorlagen wie: „Reputation ist wichtig, lässt sich aber nicht messen.“ Das war lange eine bequeme Haltung, und manchmal begegnet sie mir heute noch. Dabei hat sich gerade bei der Messung unserer Kommunikationswirkung enorm viel getan. Die Möglichkeiten sind da. Wir müssen sie nur konsequent nutzen und uns auch an Ergebnissen messen lassen.
 

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