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Ines Juen (Foto: REWE Group / Michael Proeck)
11.09.2026   Karriere
"Wir sprechen häufig nicht die Sprache des Managements"
Sind junge Menschen die Verlierer der KI-Revolution? Welcher Branchen-Hype nervt? Welches Klischee über die PR-Branche stimmt? Rewe-Kommunikationschefin Ines Juen antwortet in unserem Karriere-Fragebogen.
Was hätten Sie in Ihrer Karriere gerne früher gewusst?
Dass Karrieren selten am Reißbrett entstehen. Bei mir ging es vom Kulturbereich über Agentur, Investor Relations, internationale Medienarbeit bis Public Affairs in unterschiedlichen Branchen wie Energie und Lebensmittelhandel. Jeder Wechsel hat mir eine neue Perspektive eröffnet. Entscheidend war weniger der perfekte Plan als die Bereitschaft, neugierig zu bleiben und Chancen zu ergreifen.
 
Was war Ihre wichtigste berufliche Entscheidung und warum?
Der Wechsel von Österreich nach Köln. Er hat meinen Schwerpunkt von der fachlichen Arbeit stärker in Richtung Führung und Management verschoben – mit einem deutlich größeren Spektrum und mehr Möglichkeiten, noch eigenverantwortlicher zu gestalten.
 
Welcher Mensch hat Sie beruflich am meisten geprägt und warum?
Edward Bernays. Nicht als persönliche Begegnung, sondern als intellektueller Impuls. Er hat Kommunikation zu seiner Zeit einfach mal völlig neu gedacht. Die Lektüre seiner Bücher hat mich darin bestärkt, Gewohntes zu hinterfragen und konsequent die Perspektive zu wechseln.
 
Welcher Branchen-Hype nervt Sie?
Mich nervt an manchen Hypes weniger das Thema als der Anspruch, damit werde die Welt gerade völlig neu erfunden. Meist geht es im Kern ja um menschliche Beziehungen und wirksame Kommunikation – nur immer wieder aus einer anderen Perspektive und in einem neuen Kontext. Was dann eben andere Mittel erfordert, die „hypen“, wenn sie funktionieren.
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Tipp: Ines Juen wird zu Gast sein beim PR Report Camp 2026. Auch in diesem Jahr gibt es die wichtigste Groß-Veranstaltung für den Nachwuchs und für Young Professionals: am 11. November digital und am 12. November vor Ort in Berlin. Mit dabei als Partner des Camps sind viele renommierte Agenturen und Unternehmen, darunter auch Rewe. Kostenlos für Studierende, Volos und Trainees! Jetzt anmelden!
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Ein junges Talent begeistert Sie … 
… mit Kreativität, Leistungsmotivation, Pragmatismus und klarer Zielorientierung. Besonders überzeugt mich, wenn daraus nicht nur gute Ideen entstehen, sondern auch der Wille dabei ist, sie umzusetzen und Verantwortung für den Weg und das Ergebnis zu übernehmen.
 
KI wälzt die Kommunikationsbranche um: Sind junge Menschen die Verlierer der KI-Revolution?
Nein. Sie haben sogar den Vorteil, KI von Anfang an selbstverständlich nutzen zu können, statt sie mühsam nachzulernen. Die entscheidende Frage ist aber, wie sie ausreichend praktische Erfahrung und eigenes Urteilsvermögen entwickeln, wenn KI ihnen zu früh zu viel abnimmt.
 
Welche menschlichen Fähigkeiten bleiben im KI-Zeitalter unverzichtbar?
Empathie, Urteilskraft, Kreativität und die Fähigkeit, echte Beziehungen aufzubauen. KI kann Muster erkennen und Vorschläge machen. Menschliche Beziehungen gestalten, Emotionen moderieren, Verantwortung übernehmen, Zwischentöne verstehen und Vertrauen schaffen müssen weiterhin Menschen.
 
Eine mit KI verfasste Job-Bewerbung finde ich … 
… völlig in Ordnung, wenn KI beim Strukturieren, Schärfen und Korrigieren unterstützt. Problematisch wird es, wenn die eigene Stimme verschwindet: Wie bei standardisierten Schönheitsoperationen sehen am Ende alle Ergebnisse ähnlich aus. Und wer sensibel liest, merkt das sofort.
 
Diesen Prompt nutze ich beinahe täglich:
„Übersetze diesen komplex formulierten Text in klare, einfache Sprache, ohne den Inhalt zu verändern, verkürzen oder zu banalisieren. Sei dabei kritisch und hinterfrage textlich schön „gemeißelte“, aber inhaltsleere Stellen“ Das Ergebnis ist für mich eine gute Arbeitsgrundlage. Den „Feenstaub“, also Ton, Persönlichkeit und die entscheidenden Nuancen, füge ich anschließend selbst hinzu.
 
Welches Klischee über die PR- und Kommunikationsbranche ist keines?
Dass wir gern über mangelnde Anerkennung unserer Profession durch das Management klagen, aber häufig nicht dessen Sprache sprechen. Wir verkaufen immer noch häufig Reichweite und Content, obwohl das Management vor allem Wirkung, Wertbeitrag braucht und verstehen will welchen klaren Beitrag Kommunikation zum Geschäft leistet.
 

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