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News / "Zwischen Emotionen und Daten"
Ina Haldenmayr (Foto: Picture People/Denys Goltvenko)
13.10.2026   30u30
"Zwischen Emotionen und Daten"
Nächste Runde unserer Nachwuchsinitiative #30u30. In diesem Jahr mit dabei: Ina Haldenmayr von Inter Systems.
Ein Gaming-Event an einer inklusiven Schule für einen Technologiekunden? Krisenmonitoring bis spät in den Abend? Ina Haldenmayr brachte sich bereits als Praktikantin bei Hill+Knowlton sehr engagiert ein. "Wir hätten sie gerne als Trainee übernommen“, sagt Miriam Holbe-Finkelnburg, damals Managing Director. Aber Haldenmayr zog es fürs Auslandssemester nach Asien.

Auf Bali arbeitete sie als Management Trainee bei einem Touristikunternehmen. Danach ging sie als Masterandin nach Schweden. Seit rund zwei Jahren ist die 27-Jährige Marketing Coordinator bei der Datenfirma Inter Systems.
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Ina Haldenmayr im #30u30-Fragebogen

Die Arbeit in der Kommunikation reizt mich, weil ... ich bisher kein anderes Berufsfeld kennengelernt habe, das so abwechslungsreich ist. Und das sage ich als jemand, der seit der Jugend durch Nebenjobs und ehrenamtlich schon in wirklich viele verschiedene Bereiche hineingeschnuppert hat. Kommunikation ist das Feld, in dem ich das Gefühl habe, dass wirklich alles zusammenkommt. An ein und demselben Tag arbeite ich an einem Fachtext, plane eine Veranstaltung, spreche mit Partnerfirmen, moderiere ein Webinar oder überlege mir, wie man ein komplexes Thema verständlich in einem Reel erklären kann. Es wird also niemals langweilig. Was mich an Marketing und Kommunikation aber am meisten reizt: sie bewegen sich ständig zwischen scheinbaren Gegensätzen. Zwischen Emotionen und Daten, zwischen Kreativität und Analyse, zwischen Bauchgefühl und Fakten. Das klingt zunächst widersprüchlich, ist es aber eigentlich gar nicht. Eigentlich geht es immer darum, beides sinnvoll zusammenzubringen.

Was sind deine konkreten Aufgaben bei deinem Arbeitgeber? Die Kurzfassung lautet: Ich helfe dabei, Software-Technologie auf verschiedenen Wegen verständlich zu vermarkten.
Die längere Version ist etwas schwieriger, weil mein "Allrounder"-Job als Marketing Coordinator aus so vielen verschiedenen Dingen gleichzeitig besteht: Marketingkampagnen und Lead-Generierung, PR, Social Media Inhalte, Messeauftritte, eigene Events und viel mehr. Mal eigenverantwortlich, mal unterstützend für unser großartiges Team. Mal in Zusammenarbeit mit Partnern und Agenturen, oft aber auch nicht.
Dafür bewege ich mich zwischen unterschiedlichen Ländern, Kanälen und Formaten. Was sich für ein Webinar eignet, muss für eine Messe oder einen Fachartikel völlig anders aufbereitet werden. Und was auf Linkedin funktioniert, funktioniert nicht automatisch auf Instagram. 
Mit diesen Maßnahmen möchte ich auch ganz unterschiedliche Zielgruppen erreichen, also im Falle der Softwarebranche zum Beispiel von Geschäftsführern oder CTOs bis hin zu jungen Entwicklern oder Studierenden und von großen Endkundenunternehmen bis hin zu kleineren Partnerfirmen. Und von den vielen verschiedenen Branchen, um die es geht, fange ich gar nicht erst an... Zudem zielen die verschiedenen Programme mal auf Bestands- sowie mal auf potenzielle Neukunden ab. Eine einzige Technologie, vermarktet an sehr viele Ebenen also. Man könnte daher sagen, dass ein großer Teil meiner Arbeit darin besteht, Themen zu übersetzen. Nicht sprachlich, sondern inhaltlich. Komplexe Themen so aufzubereiten, dass sie der jeweils angestrebten Zielgruppe, dem Zweck der Maßnahme, sowie dem Kanal oder Format gerecht werden, ohne dabei ihren fachlichen Kern zu verlieren.
Wenn mich jemand fragt, was ich eigentlich den ganzen Tag mache, lautet die ehrlichste Antwort wahrscheinlich: ein bisschen von allem. Und genau deshalb macht es mir Spaß!

Mein Vorbild in der Kommunikation ist ... Susanne Marell. Nicht, weil ich sie persönlich besonders gut kenne. Aber sie ist mir über die Jahre immer wieder begegnet und aufgefallen. Ich kann mich mit ihrem Werdegang gut identifizieren und würde sie deshalb durchaus als Vorbild bezeichnen. Zum einen bereits ihr Weg ins Berufsfeld: Susanne kommt ursprünglich ebenfalls aus einem wirtschaftswissenschaftlichen Umfeld. Zum anderen: Weil sie sowohl auf Agentur- als auch auf Unternehmensseite gearbeitet hat und immer wieder zwischen beiden Welten gewechselt ist, in ihrem Umfeld starke Kommunikation entstanden ist, egal ob für bekannte Konsum- und Lifestylemarken oder für deutlich erklärungsbedürftigere Themen und Branchen. Wie BASF oder teilweise auch heute die Schwarz Gruppe. Außerdem finde ich es spannend, wie präsent sie seit Jahren in der Branche ist. Man merkt, dass sie sich gerne einbringt, sei es in Verbänden, Netzwerken oder Diskussionen. Gerade als weibliche Führungskraft ist sie sehr sichtbar und aktiv. Und in genau diesem Punkt der Sichtbarkeit kann man sich definitiv viel von Susanne abschauen. Ich habe sie schon lange nicht mehr persönlich getroffen, und trotzdem komme ich auf Linkedin nicht an ihr vorbei... und das will ich ja auch gar nicht! 

Mein Ziel als Kommunikationsprofi: Ich würde gerne mal an einer Universität Gastdozentin sein! Als jemand, der praktische Erfahrungen zurück in die Lehre bringt. Während meines Masterstudiums in Schweden habe ich erlebt, wie eng Universitäten und Unternehmen dort zusammenarbeiten. Dort kamen regelmäßig Unternehmen in unsere Kurse und brachten echte Herausforderungen mit. Statt am Ende eines Kurses eine rein theoretische Hausarbeit zu schreiben, arbeiteten wir an realen Case Studies. Das Besondere war: Die Ergebnisse verschwanden nicht einfach in einer Schublade, sondern einige Ideen wurden tatsächlich weiterverfolgt. Mich hat dieses Modell beeindruckt. Fast noch mehr "beeindruckt" es mich allerdings, im negativen Sinne, dass so etwas bei uns, trotz der vielen Vorteile, noch unüblich ist:  Studierende lernen an echten Problemen und werden leichter rekrutiert. Unternehmen erhalten neue Perspektiven und kostenlose Strategieberatung. Und die Universitäten bleiben eng mit der Praxis verbunden. Es gewinnen also alle Beteiligten. In Deutschland sehe ich solche Formate bislang deutlich seltener, an Universitäten praktisch gar nicht und auch an FHs nur begrenzt. Ich würde gerne ein Umdenken anstoßen und derartige Maßnahmen vielleicht irgendwann selbst mitgestalten. Außerdem macht mir das Vermitteln von Wissen einfach Spaß. Tatsächlich konnte ich mir früher sogar vorstellen, Lehrerin zu werden. 

Mein Lieblings-KI-Tool: Das ist vermutlich die langweiligste Antwort, die man aktuell geben kann: Chat GPT. Ich könnte jetzt etwas besonders Nischiges nennen, aber die ehrliche Antwort lautet nun einmal Chat GPT, weil es mir beruflich und privat am häufigsten hilft und ich es täglich nutze. Der Moment, der mich endgültig überzeugt hat, war kurz nach meiner Masterarbeit, 2024. Ich hatte wochenlang Datensätze ausgewertet, Regressionsanalysen gerechnet und mich durch Statistiksoftware gekämpft. Kurz darauf wurde eine neues Chat GPT-Modell released, ich glaube es war -4o. Aus Neugier habe ich denselben Datensatz testweise hochgeladen. Die Ergebnisse waren innerhalb weniger Minuten da und stimmten exakt mit meinen eigenen Berechnungen überein. Die erste Reaktion war da natürlich weniger Begeisterung, sondern eher der Ärger, dass ich noch bis vor zwei Wochen einen ganzen Monat meines Lebens für lediglich genau diese Berechnung "geopfert" hatte. Aber beeindruckt hat es mich natürlich schon sehr. Seitdem verfolge ich die Entwicklung mit großem Interesse und nutze das Tool heute täglich. Gleichzeitig halte ich natürlich nichts von blindem Vertrauen und davon, nichts mehr selbst zu machen und dadurch die Fähigkeit zum kritischen Denken und zum "Selbst-Kreieren" zu verlieren. Zwischen Euphorie und Weltuntergangsstimmung liegt wohl die Realität.
 
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