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Daniel Neuen (Foto: Hojabr Riahi)
07.08.2026   Kolumne
Live is life
Ein Rock-Konzert, eine Mahnung und der Wert des Zwischenmenschlichen. Daniel Neuen, Chefredakteur des PR Reports, über altbekannte Rollen und neue Chancen.
Kurz bevor unsere neue Ausgabe in den Druck ging, war ich seit Ewigkeiten mal wieder auf einem Konzert. Die Punkrock-Band Broilers spielte im Düsseldorfer Stadion. Es war ein lauter, heißer, fröhlicher Juliabend mit mehr als 40.000 Menschen. Und eine, wie ich finde, nicht ganz billige Angelegenheit: Knapp 84 Euro habe ich für die Karte bezahlt. Was im Vergleich mit den Eintrittsgeldern, die manche globale Megastars aufrufen, allerdings fast ein Schnäppchen war.
 
Klar, alles wird teurer. Aber bei Konzerten haben die Preise in den vergangenen Jahren mächtig angezogen. Ein Grund: Das Internet hat die einst wesentliche Säule des Geschäfts der Musikbranche zerstört. Statt Tonträger zu kaufen, streamen die meisten Menschen heute ihre Lieblingslieder über Spotify oder andere Dienste. Das beschert vielen Künstlerinnen und Künstlern weniger Einnahmen als früher, wobei die Superstars trotzdem ziemlich gutes Geld verdienen und sogar begünstigt sind. Dennoch sind Live-Auftritte zu einer sehr wichtigen Erlösquelle geworden.
 
Denken, erleben, fühlen
Was das Streaming für die Musikindustrie ist, ist KI für die Kommunikationsbranche. Sie hat das Kerngeschäft vieler Marktakteure disruptiert: Durch Chat GPT und Co. haben sie ihr Monopol auf die Produktion von Inhalten verloren, wie die Autoren unserer PR-Werkstatt „Smarte KI-Workflows für PR-Profis“ treffend formuliert haben.
 
Die Branche verändert sich, der Beruf verändert sich, da muss sich auch die Ausbildung verändern, wie ­Monika Schaller in dieser Ausgabe mahnt. KI sei Teil des Arbeitsalltags, „aber wir dürfen nicht alles an die Technologie delegieren. Wenn wir den Nachwuchs nicht mehr zum Selberdenken zwingen, verdammen wir ihn zur Bedeutungslosigkeit“, sagt die SAP-Kommunikationschefin. „Ich bin überzeugt, dass im KI-Zeitalter menschliches Urteilsvermögen und zwischenmenschliche Beziehungen noch mal wertvoller werden. Momentan bilden wir in der Kommunikation noch zu oft fürs Ausführen und zu wenig für die Beratung und das Beziehungsmanagement aus.“
 
Angesichts der Umwälzungen durch KI und der wirtschaftlichen Flaute in Deutschland stellt sich allerdings leider auch die Frage, ob Agenturen und Unternehmen die Nachwuchsförderung aus dem Blick verlieren. Zumindest war der Nominierungs-Pool für unsere #30u30-Liste schon mal größer. Was die Qualität der diesjährigen Auswahl aber nicht schmälert. Von den Vorschlägen, die wir bekamen, waren viele richtig stark. Wir gratulieren allen herzlich, die es diesmal in unsere #30u30 geschafft haben.
 
Das Broilers-Konzert war mir übrigens jeden Cent der 84 Euro wert. Denn es war ein Erlebnis. Die These, dass wir Menschen in einer durchdigitalisierten, zunehmend von artifiziell erstellten Inhalten geprägten Welt noch stärker die direkte Begegnung, das Gemeinschaftsgefühl, die unmittelbare Emotion suchen, hat dieser Abend bestätigt.
 
Schon immer waren gute Kommunikationsprofis nicht allein Berater und Beziehungsmanager im Sinne Schallers, sondern auch Bühnenbauer, Dirigenten, Regisseure, Dramaturgen, Pyrotechniker und Feuerwehrleute. Alles Rollen und Aufgaben, die gefragt bleiben dürften. Vielleicht schlummert in ihnen gar neues Potenzial. Ein Rock-Konzert ist zwar kein Mitarbeiter-Event und keine Kundenveranstaltung, das ändert aber nichts an grundlegenden menschlichen Bedürfnissen.
 
Noch ein Hinweis: Weil wir fest an den Nachwuchs und an den Wert von Live-Erlebnissen und persönlichen Begegnungen glauben, gibt es auch in diesem Jahr das PR Report Camp. Unser Talente-Festival findet am 11. November online und am 12. November in Berlin statt. Viele bekannte Agenturen und Unternehmen sind als Partner dabei. Sehen wir uns? 
 

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