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28.06.2026   Wissen & Praxis
GEO: Der große Paradigmenwechsel in der PR
In den vergangenen zwei Jahrzehnten gab es eine unumstößliche Wahrheit: Jede Suche beginnt bei Google – Suchmaske öffnen, Suchbegriff eintippen, Link anklicken. Aber plötzlich ist alles anders.
Wer sich heute über ein Unternehmen, ein Produkt, ein Thema informieren möchte, fragt nicht mehr zwingend Google, sondern immer öfter KI-Modelle wie Chat GPT, Gemini oder Claude – Chatbot starten, Frage stellen, Antwort lesen.
 
72 Prozent der Deutschen nutzen inzwischen KI für die Recherche. Ein Jahr zuvor waren es erst 48 Prozent. Das ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands vom November 2025. Das Vertrauen in KI-Modelle wächst also. Unsere Prognose: Bis 2028 werden Antwortmaschinen die bisherigen Suchmaschinen komplett ersetzen.
 
Ein Paradigmenwechsel
Derzeit sieht es so aus, als würde Chat GPT zu der Antwort­maschine. Laut der Umfrage nutzen acht von zehn Befragten den Open-AI-Chatbot. Google Gemini kommt bei jedem dritten Nutzer zum Einsatz, Microsofts Copilot bei jedem vierten. Tools wie Perplexity, Deep Seek, Claude AI oder Grok spielen bislang nur eine geringe Rolle.
 
Ein Blick auf die Nutzungsmuster bestätigt den Vorsprung von Chat GPT. Die KI von Open AI dominiert laut Stat Counter mit 82 Prozent des Chatbot-Traffics in Deutschland (Stand: November 2025), gefolgt von Perplexity (10,5 Prozent), Copilot (5 Prozent), Gemini (2 Prozent) und Claude (1 Prozent). Spannende Erkenntnis daraus: Auch wenn nur wenige Perplexity nutzen, scheinen diese besonders aktiv. Wie wir aus Gesprächen wissen, sind diese Nutzerinnen und Nutzer oft Journalisten. Auch die klassische Google-Suche wandelt sich: Immer häufiger ersetzen KI-gestützte „AI Overviews“ die gewohnten Trefferlisten oder stehen ihnen zumindest voran. Die Grenze zwischen Such- und Antwortmaschine beginnt damit zu verschwimmen.
 
Diese Veränderungen sind kein marginaler Trend. Wir erleben einen Paradigmenwechsel. KI-Modelle werden zu Gatekeepern: Journalisten und politische Akteure recherchieren Themen mit Perplexity, Investoren bewerten Unternehmen mithilfe von Chat GPT, Kunden fragen Gemini nach den besten Produkten und Bewerber lassen sich Rankings mit den Top-Arbeitgebern von Copilot erstellen. Kurz gesagt: Während Sie diese PR-Werkstatt lesen, fragen Ihre Zielgruppen die KI über Sie aus.
 
Von der Information zur Interpretation
Ihre Zielgruppen sehen keine Trefferlisten, sondern fertige Narrative. Sprachmodelle recherchieren nicht nur, sie interpretieren. Sie filtern, gewichten und rekonstruieren ein konsistentes Bild aus verstreuten Datenpunkten. Dabei können sie Komplexität drastisch reduzieren. Vielschichtige Informationslagen (etwa bei Krisen) werden zu einfachen, oft schwarz-weiß wirkenden Narrativen oder gar falschen „Wahrheiten“.
 
Hinzu kommt: Die Grundlage für diesen Interpretationsprozess sind neben Quellen wie Medien und Webseiten von Unternehmen auch Inhalte aus Kommentarspalten, User-Generated Content und offene Datenbanken. Ein Wikipedia-Eintrag oder ein Reddit-Kommentar kann das Narrativ in Chat GPT stärker prägen als jeder aktuelle Unternehmensbericht. KI-generierte Antworten sind kein neutrales Spiegelbild der Realität, sondern eine algorithmisch erzeugte Bewertung. Dadurch entsteht ein neuer, bislang wenig kontrollierter Öffentlichkeitsraum, den Kommunikationsprofis bedienen müssen.
 
Chat GPT „spricht“ bereits über Sie, Ihr Unternehmen und Ihre Führungsriege. Ob Sie wollen oder nicht. Und was die KI sagt, hat Einfluss auf Vertrauen und Entscheidungen von Investoren, Politik, Bewerbern, Journalisten und anderen Stakeholdern. Das führt zu der entscheidenden Frage, die wir in dieser PR-Werkstatt beantworten möchten: Wie können Sie beeinflussen, was Chat GPT, Perplexity, Gemini und Co. sagen?
 
Die neue Disziplin für Kommunikationsprofis
Genau da setzt GEO an. Der Begriff steht für Generative Engine Optimization. Er beschreibt die strategische Optimierung von Inhalten und Technik, um KI-Modellen „zu helfen“, Ihre Inhalte korrekt zu erkennen, richtig einzuordnen und zuverlässig in Antworten zu berücksichtigen. Vielleicht sind Ihnen auch andere Begriffe begegnet: GAIO (Generative AI Optimization), LLMO (Large Language Model Optimization), AI Content Optimization oder AI Reputation Management. Alle meinen im Kern dasselbe. Wir sprechen auf den nächsten Seiten von GEO, weil der Begriff die neue Realität am prägnantesten beschreibt.
 
Was leistet GEO? Erstens: Sichtbarkeit. GEO sorgt dafür, dass Ihre Inhalte im KI-Ökosystem präsent sind. Nicht irgendwo, sondern dort, wo Antworten entstehen: in den Quellen der KI. Zweitens: Risikominimierung. In der KI-Welt potenzieren sich Fehler rasant. Eine falsche oder veraltete Information kann sich in Sekunden in tausenden Antworten vervielfältigen.
 
Sie mögen jetzt fragen: „Wir machen doch schon SEO. Reicht das nicht?“ Nein. SEO optimiert für Suchmaschinen, die Trefferlisten ausspielen. Keywords, Meta-Tags und Ranking-Faktoren sind dabei entscheidend. GEO hingegen optimiert für Antwortmaschinen. Es ist weniger „Keyword-getrieben“ als SEO. Es geht vielmehr um Kontext. Ziel ist nicht, auf Platz 1 zu stehen, sondern ein konsistentes, vertrauenswürdiges Bild zu schaffen, das Chat GPT und Co. in ihre Antworten integrieren. Gute SEO-Arbeit ist eine Basis, aber kein Ersatz.
 
In dieser PR-Werkstatt zeigen wir, wie Unternehmen ihre Sichtbarkeit in KI-Antworten strategisch aufbauen und welche Schritte für ein systematisches GEO-Vorgehen erforderlich sind.

 


Tipp: Dieser Artikel stammt aus der PR-Werkstatt "GEO-Leitfaden für PR-Profis".

 

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