Künstliche Intelligenz kann vieles erleichtern. Zumindest in der Theorie. Außerdem: Eine kleine Nerv-Rangliste der Medienarbeit. Von Daniel Neuen
Im Medienhaus Oberauer erscheinen neben dem PR Report auch diverse andere Fachtitel. Zum Beispiel gibt der Verlag das
Magazin Österreichs Journalist:in heraus, das sich – der Name sagt es – vor allem an Medienschaffende im Nachbarland richtet. Vor einigen Wochen brachte mein Kollege Georg Taitl darin eine Geschichte, die das Spannungsverhältnis zwischen Presse und Pressearbeit beleuchtete. Es ging darum, was Journalistinnen und Journalisten an Kommunikationsprofis nervt und umgekehrt.
Die Nerv-Rangliste, Teil I
In der Geht-mir-ziemlich-auf-den-Wecker-Hitparade der Journalisten landeten folgende Evergreens auf den vorderen Plätzen:
- Wenn sich PR-Leute nicht ausreichend informieren, wer zuständig ist, und wahllos Personen anschreiben oder anrufen
- Unprofessionell gemachte Aussendungen
- Wenn jemand nicht weiß, was zu welchem Medium passt, und unpassende Themenvorschläge macht
Neben dem in Redaktionen ebenfalls ziemlich unbeliebten Nachfassen sind das absolute Klassiker der Störfaktoren. Gute Medienarbeit ist aufwendig. Die richtigen Kontakte zu recherchieren und sich passende Themenangebote zu überlegen beispielsweise, kostet Zeit und Ressourcen. Aber heute gibt es ja Künstliche Intelligenz. Und die kann vieles erleichtern. Oder?
Vor einigen Wochen
berichtete Christof Kerkmann, der Technologie-Korrespondent des Handelsblatts, auf Linkedin über eine Episode „aus der Reihe PR from hell“, wie er es nannte:
"Eine Agentur bietet ein Gespräch an – nach meinem Beitrag „über den wachsenden Druck auf digitale Marktplätze“. Ich frage: Welcher Beitrag? Die Antwort: „Wir arbeiten seit kurzer Zeit mit einem Prompt für KI zur Recherche passender Artikel. Leider hat sich die KI einen angeblichen Artikel ausgedacht und selbst einen Link generiert.“"
Dumm gelaufen, aber wenigstens ehrlich, würde ich sagen. Künstliche Intelligenz hat Teile der Kommunikationsbranche in eine Art Sinnkrise gestürzt. So mancher fragt sich, wofür man noch gebraucht wird.
Antworten gibt Christof Ehrhart im Interview in unserer neuen Ausgabe.
Von Sinnkrise war bei meinem Gespräch mit dem Kommunikationschef von Bosch in jedem Fall nichts zu spüren. Im Kern gehe es bei seiner Arbeit darum, die Verständigung zwischen Menschen zu verbessern, sagt er: „Und dass die Verständigung zwischen Menschen sich dadurch verbessern soll, dass wir Maschinen miteinander sprechen lassen, scheint mir ein Widerspruch in sich.“
Einige Aspekte von Pressearbeit lassen sich wahrscheinlich automatisieren. „Media Relations“ aber wohl kaum. Und wer Kunden im Handelsblatt oder sonstwo „platzieren“ (Dieses Wort hören Journalisten übrigens gar nicht gern ...) möchte, sollte bereit sein, Zeit und Gehirnschmalz zu investieren.
Die Nerv-Rangliste, Teil II
Aber weil auch Journalistinnen und Journalisten nicht perfekt sind, schließen wir an dieser Stelle mit einem Blick auf die Geht-mir-ziemlich-auf-den-Wecker-Hitparade der PR-Profis aus dem Artikel unseres österreichischen Schwesterblatts. Darauf steht unter anderem:
- Vorgefertigte Meinungen noch vor der Recherche, ohne Willen, tiefer zu gehen
- Drohungen, wenn man nicht rasch antwortet
- Zu wenig Vorbereitung und Kenntnis der Sachlage, unkonkrete Anfragen
Ich wette, dass viele von Ihnen davon ein eigenes Lied singen könnten. Und zumindest beim dritten Punkt kann KI helfen. Wenn man sie richtig einsetzt.
Autor: Daniel Neuen ist Chefredakteur des PR Reports