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News / Tschakka!
Daniel Neuen (Foto: Hojabr Riahi)
10.04.2026   Kolumne
Tschakka!
Ein Text mit vielen frohen Botschaften von Daniel Neuen, Chefredakteur des PR Reports. Zumindest, wenn Sie das letzte Drittel nicht lesen.
Krieg im Iran und immer noch in der Ukraine, anhaltende Wirtschaftsflaute in Deutschland, KI als Bedrohung für Arbeitsplätze und angeblich ganze Branchen weltweit: Beim Lesen der Nachrichten- und Social-Media-Feeds konnte man sich zuletzt wieder eine hochgiftige Dosis „Doomscrolling“ verabreichen.
 
Im Kontrast dazu fallen positive Meldungen besonders auf. Und wenn sie die Kommunikationsbranche betreffen, begegnen Sie mir in meiner beruflichen Filterblase gerne mal öfter. Hier drei frohe Botschaften aus den vergangenen Monaten.
 
Budgets für PR und Medienarbeit verdoppeln sich
Das prophezeit Gartner für das Jahr 2027. Die Marktforschungsfirma geht davon aus, dass sich das Mediennutzungsverhalten weiter verschiebt: weg vom klassischen Googlen und hin zur Suche über KI-Modelle wie Chat GPT. Letztere würden Earned, Shared und Owned Media als Quellen bevorzugen. Entsprechend sollten Unternehmen ihre Etats umschichten, um Medienarbeit und Beziehungspflege zu stärken.
 
Auch Äußerungen des Google-Managers Robby Stein waren als Relevanzbeweis der Profession verstanden worden. Er hatte in einem Podcast erklärt, wie die KI-Suche funktioniert – und dass PR sich positiv darauf auswirken könne.
 
Unternehmen suchen verzweifelt „Storyteller“
So lautete eine Schlagzeile des Wall Street Journals im Dezember. Angesichts eines stark veränderten Kommunikationsumfelds würden Unternehmen versuchen, Narrative stärker zu kontrollieren. Laut dem Artikel, der Beispiele wie Google und Microsoft aufführte, habe sich in den USA im vergangenen Jahr die Zahl der via Linkedin ausgeschriebenen Stellen mit dem Begriff „Storyteller“ verdoppelt. 50.000 davon seien im Bereich Marketing und 20.000 in Medien und Kommunikation gelistet worden. Wobei die jeweiligen Rollen und Aufgaben mitunter variieren würden.
 
KI- und Tech-Riesen brauchen PR
„The hottest job in tech: Writing words“, überschrieb Business Insider im Februar einen Artikel, der einen „überraschenden Hiring Boom“ konstatierte. Demnach habe die KI-Schmiede Anthropic ihr Kommunikationsteam auf 80 Personen verdreifacht, Open AI habe mehrere Stellen zu besetzen gehabt, mit Gehältern von teils mehr als 400.000 Dollar. Noch höher seien die Verdienstmöglichkeiten bei offenen PR-Jobs von Netflix gewesen. Gute Kommunikation sei ein Wettbewerbsvorteil, so die Erklärung von Business Insider: „Inmitten all der Diskussionen darüber, dass generative KI Arbeitsplätze wegnehmen könnte, hat die Leichtigkeit, mit der sie Inhalte produziert, ironischerweise die Nachfrage nach menschlichen Kommunikatoren angekurbelt.“
 
Womöglich steckt mehr dahinter. Das US-Medium Axios schrieb Mitte März über die Furcht der Tech-Riesen vor einem KI-Backlash. Die CEOs von Open AI, Anthropic und Palantir beschwören die Macht ihrer Produkte, die Welt zu verändern – was gut ankomme bei Investoren, aber zunehmend für Ängste in der Bevölkerung sorge.
 
Bitte nicht zu früh freuen
Falls sich bis hierhin ein wohliges „Tschakka“-Gefühl in Ihnen ausgebreitet hat, wären wir nun leider beim Partycrasher-Teil dieses Textes angelangt. Die Gartner-Prognose mag zur „Goldgräberstimmung“ in puncto GEO passen, die Ketchum-Chef Matthias Wesselmann in unserer vorigen Ausgabe feststellte. Aber der Spardruck auf die Kommunikation in vielen Unternehmen hierzulande, die akute Bedrohung des Geschäftsmodells vieler Agenturen sowie die anhaltende Strukturkrise der Medienhäuser sind kein Anlass für Enthusiasmus.
 
Dass KI alle Kommunikationsprofis arbeitslos macht, ist zwar eine wenig wahrscheinliche Dystopie. Vor allem Spitzenkräfte dürften kaum wegautomatisiert werden. Aber dass KI gar keine Jobs in der Branche kostet, ist Wunschdenken.
 
In unserer aktuellen Ausgabe berichtet beispielsweise Christian Underwood davon, wie er sich als Unternehmensberater neu erfunden hat: mit mehr als 100 KI-Agenten, einem Millionenumsatz, aber nur einer Handvoll Mitarbeitern. Der frühere PR-Profi (unter anderem war er bei Deekeling Arndt Advisors) ist überzeugt, dass sein Ansatz auch in der Kommunikation funktioniert: Aus Agenturen und Beratungen werden Software-Firmen. Und er sagt: KI wird alte Geschäftsmodelle nicht retten.
 
Am sichersten scheinen mir aktuell jene, die mehr Zeit für die Arbeit mit Menschen aufwenden als vor Bildschirmen zu sitzen. Wenn Sie also bislang darüber gestöhnt haben, dass Sie ständig in Meetings hocken, könnten Sie das auch einmal aus dieser Perspektive betrachten. Und vielleicht als weitere frohe Botschaft aus diesem Editorial mitnehmen.
 
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