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News / Was kostet die Agentur-Welt?
Daniel Neuen (Foto: Hojabr Riahi)
12.02.2026   Kolumne
Was kostet die Agentur-Welt?
Was viele Agenturen nicht machen. Aber manche eben doch. Eine Beobachtung von Daniel Neuen, Chefredakteur PR Report.
Über Geld spricht man nicht. Zumindest nicht offen. Beim Thema Gehalt gilt sogar in der Kommunikationsbranche der typisch deutsche Diskretionsstandard: Schweigen ist Gold. Vor allem auf der Arbeitgeberseite: Denn Personaler verwerten die herrschende Intransparenz bei Jobverhandlungen natürlich gerne.
 
Allerdings zeigten unsere Recherchen in der Vergangenheit, dass die Entlohnung nicht so ein großes Tabu ist, wie viele denken. Hinter vorgehaltener Hand plaudern viele bereitwillig darüber, was bei ihnen auf dem Konto landet. Bewerberinnen und Bewerber sollten also ihr Netzwerk anzapfen, bevor sie in Gehaltsverhandlungen gehen. Fragen kostet nichts, Nicht-Fragen hingegen schon.
 
Zurückhaltend mit öffentlichen Informationen sind auch Agenturen, wenn es um die Preise für ihre Dienstleistungen geht. Üblicherweise findet man auf deren Webseiten keine Angaben dazu, was Kunden wofür bezahlen. Begründet wird das wie folgt: Vieles hänge vom jeweiligen Auftraggeber, dessen Problem und der konkreten Zusammenarbeit mit ihm ab. Kommunikation sei etwas anderes, nämlich wesentlich komplexer als der Einkauf von Schrauben.
 
Verhandelt werde sowieso immer. Und viele wollen sich zudem gerne eine gewisse Flexibilität bei der Bepreisung erhalten – nach oben wie nach unten. Zu viel Transparenz gilt als schlecht fürs Geschäft.
 
Voll normal
Zwei Agenturen aus Berlin machen es anders. Die eine ist Getpress. Sie veröffentlicht auf ihrer Webseite eine Übersicht von drei PR-Paketen samt Kosten, die in der Aufmachung an Angebote von Streaming-Diensten wie Sky oder DAZN erinnert.
 
Wesentlich detaillierter ist die Liste von Schröder + Schömbs: Stundensätze je nach Position, Preise für beispielsweise Konzepte, Workshops, Events, Kampagnen – das Dokument hat vier Seiten.
 
Telefonat mit Herbert Schmitz: Der Geschäftsführer von Schröder + Schömbs schien sich ein wenig zu wundern, dass ich mich wunderte, dass auf seiner Webseite eine Preisliste abrufbar ist. „Das ist für uns keine besondere Sache. Wir machen das schon seit vielen Jahren“, berichtete er mir. „Denn wir legen in unserer internen und externen Kommunikation großen Wert auf Transparenz, das gilt auch für Preise. Unsere Mitarbeiter und unsere Kunden empfinden das als sehr positiv.“ Nebeneffekt laut Schmitz: Interessierte, die sich Schröder + Schömbs nicht leisten können oder wollen, würden nicht anklopfen.
 
Keine Speisekarte
Allerdings: Weder Schmitz noch Getpress-Chef ­Maximilian Ziche möchten die Preisübersichten auf ihren Webseiten als Speisekarte mit fixen Beträgen verstanden wissen. Schmitz: „Das ist ein Orientierungs-Leitfaden, von dem es in der Regel auch keine großen Abweichungen gibt.“
 
Ein Trend lässt sich aus diesen zwei Fällen nicht ableiten. Zumal beide Agenturen schon länger so vorgehen. Aber in einer Zeit, in der KI viele dazu zwingt, über die Zukunft von Geschäftsmodellen nachzudenken, ist es gut möglich, dass wir so etwas in Zukunft häufiger sehen. So setze Ketchum-Manager Matthias Wesselmann verstärkt auf „produktisierte“ Services, wie er im Interview in unserer neuen Ausgabe sagt. Ein Beispiel dafür sei das GEO-Angebot seiner Agentur. Und dazu kann man auf der Webseite von Ketchum auch Preise finden.
 
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