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News / Wie Sprache Geschichte prägt
Jill Meiburg, Head of Group Communications and Brand bei GEA (Foto: Mike Henning)
06.02.2026   Wissen & Praxis
Wie Sprache Geschichte prägt
Zum 60. Geburtstag des PR Reports haben wir renommierte PR-Profis nach Meisterleistungen der Kommunikation gefragt. Jill Meiburg schreibt über eine ergreifende Rede.
Es ist 1982. Ich bin in der 6. Klasse an der Roosevelt Elementary School in Mesa, Arizona, USA. Im Fach „Social Studies“ sprechen wir über die amerikanische Bürgerrechtsbewegung. Wir sehen uns altes TV-Material aus dem Jahr 1963 an und dabei höre ich zum ersten Mal die „I have a ­dream“-Rede von Dr. Martin ­Luther King. Ich bin überwältigt; Gänsehaut pur.
 
Diese ergreifende Rede vom 28. August 1963 gilt als kommunikative Meisterleistung aufgrund ihrer einzigartigen Verbindung von rhetorischer Brillanz und emotionaler Kraft. King nutzte eine perfekte Balance aus biblischen Metaphern, die sein Publikum tief berührten, und konkreten politischen Forderungen. Die repetitive Struktur „I have a dream“ schuf einen hypnotischen Rhythmus, der die Botschaft unvergesslich machte.
 
Besonders meisterhaft war Kings Fähigkeit, verschiedene Zielgruppen gleichzeitig anzusprechen: Er verwendete christliche Symbolik für gläubige Amerikaner, verfassungsrechtliche Argumente für Politiker und emotionale Bilder für alle Bürger. Die Metapher vom „unbezahlten Scheck“ machte Ungerechtigkeit greifbar, während seine Vision einer gemeinsamen Zukunft Hoffnung weckte.
 
Die Rede transformierte abstrakte Bürgerrechte in eine persönliche, universelle Vision. King sprach nicht nur über Politik, sondern malte ein Bild von Amerikas Seele. Seine Stimme, sein Timing und seine körperliche Präsenz verstärkten die Worte zusätzlich. Besonders die Kombination aus intellektueller Schärfe, moralischer Autorität und emotionaler Resonanz machte die Rede zu einem Wendepunkt der Bürgerrechtsbewegung. Sie zeigt bis heute, wie Sprache Geschichte prägen kann.
 
Was können wir heute davon lernen? In unserer polarisierten und dynamischen Welt brauchen wir – Kommunikatorinnen und Kommunikatoren – Kings Fähigkeit, komplexe Themen emotional zugänglich zu machen und dabei verschiedene Zielgruppen zu erreichen, ohne die Kernbotschaft zu verwässern. Und wir brauchen auch Mut, inspirierende Visionen aufzuzeigen. Denn nur Probleme zu benennen, bringt uns nicht weiter. Sprache bleibt dabei entscheidend.
 

 


Tipp: Legendäre Kampagnen, ikonische Marken, mächtige Narrative und Worte, die die Welt bewegten: Unser Special zu den größten Meisterleistungen der Kommunikation lesen Sie im PR Report 5/2025. Wir zeigen darin auch, welche zeitlosen Lehren sich daraus für die Praxis ableiten lassen.

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