EnBW-Kommunikationschef Sebastian Ackermann hat Bedenken gegenüber der Plattform. Dennoch sieht er, dass sich dort vor allem junges Publikum erreichen lässt. Und er will KI als Zielgruppe mitdenken.
Ackermann sagte im
Interview mit turi2 auf die Frage, wie sein Unternehmen es mit Tiktok halte: „Diese Frage bereitet mir ehrlich gesagt Kopfschmerzen. Aus Corporate-Sicht würde ich gerne mit einem klaren TikTok Nein-Danke antworten.“ Datensicherheit, Intransparenz und problematische Inhalte würden dagegen sprechen.
„Bislang habe ich immer gesagt: Ich habe noch keinen Häuslebauer auf Tiktok getroffen“, sagte Ackermann. Aber auch diese Generation werde älter. Und damit stelle sich die Frage, ob sie mit Tiktok älter werden oder den Kanal wieder verlassen. „Ich habe da eine zugegeben sehr radikale Meinung: Die Hoffnung stirbt zuletzt! Und dennoch stelle ich fachlich nicht in Abrede, dass gerade junge Zielgruppen über Tiktok gut erreichbar sind. Ein Dilemma.“
„KI als eigene Zielgruppe mitdenken”
Mit Blick auf den Wandel der Energieversorgung gab Ackermann an, dass EnBW statt von „Energiewende” lieber von der „Transformation der Energieinfrastruktur“ spreche. Der Begriff Energiewende nutze sich zunehmend ab und werde zuweilen als bedrohlich und präskriptiv verstanden: „Und wer will sich schon gerne belehren lassen?“
Die größte Herausforderung der internen Kommunikation sei es, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in schwierigen Zeiten überzeugt zu halten, dass der Kurs des Unternehmens richtig sei. „Wir brauchen alle Kolleginnen und Kollegen als Botschafter unserer EnBW-Marke. Und müssen uns ehrlich machen: Wir sind eben nicht Adidas oder Nike, sondern ein Energieunternehmen. Da ist der Markenaufbau weitaus komplexer und die Themen, die wir haben, heißen wasserstofffähige Gaskraftwerke, EnBW-Ladesäulen, Solar- und Windparks sowie Netzinfrastruktur. Also eher komplexe Sachverhalte, statt schicker neuer Schuhmodelle.“
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dürften „nicht den Spaß an der erneuerbaren Idee verlieren, auch wenn die öffentliche Debatte gerade hitziger ist“. Deshalb habe EnBW die Zahl der Dialogformate drastisch erhöht: Talkrunden auf Führungsebene, Townhalls mit der Belegschaft, spartenspezifische Formate, Bewegtbild.
Und dabei komme das große Thema Künstliche Intelligenz ins Spiel. Man könne nicht mehr nur in klassischen Zielgruppen denken, sagte Ackermann: „Wir müssen KI als eigene Zielgruppe mitdenken. Die Algorithmen entscheiden darüber, ob und wie wir gefunden werden. Deshalb haben wir eine dritte Unit in meinem Bereich aufgebaut, die sich speziell mit KI, Media-Analyse und Reputationsmessung beschäftigt. Und hier kümmern wir uns auch um neue Wege der Content-Produktion, sei es in Wort, Bild oder Film.“
Zur Person: Sebastian Ackermann leitet seit rund einem Jahr Konzernkommunikation und Marke des Energieversorgers EnBW. Der frühere Journalist arbeitete zuvor unter anderem für RWE und war vor seinem Wechsel zu EnBW bei MVV Energie in Mannheim für Kommunikation, Marke und Investor Relations zuständig. Im vergangenen Jahr wurden er als
Unternehmenssprecher des Jahres in der Kategorie “Energie” ausgezeichnet.
Tipp: Das
vollständige Interview können Sie auf turi2 (gehört wie der PR Report zum Medienhaus Oberauer) lesen. Das Gespräch hat Markus Trantow im Rahmen der
turi2-Themenwoche Zukunft (präsentiert von EnBW) geführt.