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News / „Tina, watt kosten die Kondome?“
Telekom-Kommunikationschef Philipp Schindera (Foto: Thomas Ollendorf)
09.01.2026   Wissen & Praxis
„Tina, watt kosten die Kondome?“
Zum 60. Geburtstag des PR Reports haben wir renommierte PR-Profis nach Meisterleistungen der Kommunikation gefragt. Philipp Schindera schreibt über eine Kampagne, die Leben rettete.
Die Aids-Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in den 80er-Jahren mit Hella von Sinnen und Ingolf Lück („Tina, watt kosten die Kondome?“) war für mich eine der wichtigsten PR-Kampagnen der vergangenen 60 Jahre. Sie schaffte etwas, das bis heute Maßstab ist: ein gesellschaftlich hochsensibles Thema wurde enttabuisiert, in die Wohnzimmer getragen und mit Prominenten emotional aufgeladen, ohne in Panikmache oder Belehrung zu verfallen.
 
Was heute unschuldig und absolut harmlos daherkommt, war damals ein Aufreger und hat damit von Anfang an sein Ziel erreicht: Aufmerksamkeit zu erzeugen für eine tödliche Krankheit, die bis dahin in der Tabuzone verharrte und unheilbar war. Über Aids redete man vielleicht auf medizinischen Fachkongressen, aber nicht in der Öffentlichkeit. Das Wort „Kondom“ wurde bis dahin eher leise ausgesprochen, es gab sie im Automaten auf stinkigen Herrenklos oder gegen Vorlage eines Zettelchens in der Apotheke.
 
Über Jahre omnipräsent
Durch die Kampagne wurde das alles anders. Humor, Nähe und Authentizität machten die Botschaft zugänglich und senkten die Hemmschwelle, über Sexualität und Schutz zu sprechen. Die Kampagne bewirkte nicht nur Bewusstsein, sondern veränderte Verhalten und rettete nachweislich Leben. Dazu trug auch bei, dass in die Kampagne viel Geld investiert und sie über einen sehr langen Zeitraum geführt wurde. Der Ausspruch und der dazugehörige Schriftzug „Gib Aids keine Chance“ war über Jahre omnipräsent.
 
Für die PR von heute und morgen gilt: Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch Pathos, sondern durch die richtige Tonalität, den Mut zur Klarheit und die Wahl von Stimmen, die Zielgruppen wirklich erreichen. Wer gesellschaftliche Wirkung will, muss Relevanz, Kreativität und Haltung verbinden.
 
Tipp: Legendäre Kampagnen, ikonische Marken, mächtige Narrative und Worte, die die Welt bewegten: Unser Special zu den größten Meisterleistungen der Kommunikation lesen Sie im PR Report 5/2025. Wir zeigen darin auch, welche zeitlosen Lehren sich daraus für die Praxis ableiten lassen.

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