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News / Fünf Thesen zum PR-Arbeitsmarkt 2026
Thomas Lüdeke (l.) und Philip Müller (Foto: Susanne Kurz)
07.01.2026   Karriere
Fünf Thesen zum PR-Arbeitsmarkt 2026
Die Personalberater Thomas Lüdeke und Philip Müller über Kommunikationsabteilungen unter Effizienzdruck, die Sorge vor Jobverlust und die größte Herausforderung bei KI.
1. Der Effizienzdruck steigt 
„Ihr Bereich ist zu groß, das Budget zu üppig – Sie müssen effizienter werden“. Wer als Chief Communication Officer (CCO) diesen Satz bisher nicht zu hören bekam, kann sich in den nächsten Monaten darauf einstellen. Unternehmensberatungen halten Einzug in die Kommunikationsabteilungen, sie benchmarken und zeigen Einsparpotenziale auf.
 
Die Gefahr: Wenn Äpfel mit Birnen verglichen werden (etwa Kommunikation mit ganz anderen Funktionen oder Kommunikationsabteilungen unterschiedlicher Branchen und Unternehmensarten), wenn das Verständnis für den kommunikativen Arbeitsalltag fehlt, wenn nur Messbares einen Wert hat, wenn weniger per se besser ist – dann drohen Kürzungen, die es CCOs zunehmend erschweren, ihr Mandat zu erfüllen.
 
Kommunikationsverantwortliche tun gut daran, sich argumentativ zu rüsten: Was wird konkret von mir erwartet, welche Ressourcen benötige ich dafür, wie wird das in vergleichbaren Unternehmen gehandhabt, welche Erfolge konnte und kann ich mit meinem Set-up erzielen?
 
2. Die größte Herausforderung beim Thema KI? Akzeptanz! 
Die Einsparpotentiale, die sich Unternehmensberatungen und auch manche CCOs erhoffen, resultieren häufig aus der Annahme, mit KI lasse sich alles schneller und günstiger und besser erledigen. Doch diese Kombination gleicht auch im Jahr 2026 häufig noch der Quadratur des Kreises. Denn schnell und günstig heißt fast nie: besonders gut. Und erst recht nicht: authentisch.
 
Wohl auch deshalb ist die Begeisterung für KI-generierten Content bei Rezipienten einem gewissen Überdruss gewichen. Statt auf Akzeptanz stoßen Unternehmen damit vermehrt auf Ablehnung. Kommunikationsverantwortliche stehen nicht nur vor der Aufgabe, mit der technologischen Entwicklung Schritt zu halten. Vor allem müssen sie mit Augenmaß entscheiden und selbstbewusst argumentieren, wo Chat GPT, Gemini und Co. tatsächlich einen Mehrwert bieten – und wo sie mit deren Einsatz sich und ihrem Unternehmen unterm Strich einen Bärendienst erweisen.
 
3. Ein Jobverlust ist nicht das Ende der Welt
Viele Kommunikationsprofis sorgen sich derzeit um ihre Karriere, bangen um ihren Job, manche haben eine Kündigung erhalten. Die angespannte Marktlage kann bedeuten, dass Jobsuchende aus ihrer bisherigen Komfortzone heraustreten müssen. Manchmal geht es nicht ohne Zugeständnisse bei Gehalt, Arbeitsort und Verantwortungsbereich.
 
Doch ein Jobverlust ist nicht das Ende der Welt: Wir kennen viele Kommunikationsprofis, die auf Phasen der monatelangen Jobsuche, der Unsicherheit, der Selbstzweifel und der Existenzängste zurückblicken – und die jetzt wieder in verantwortungsvollen Positionen sind. Deren zentraler Tipp: Auch diese Zeit ist wertvoll. Sie kann und sollte genutzt werden, um beruflich wieder Fuß zu fassen – aber auch, um den Kopf freizubekommen und ohne schlechtes Gewissen Kraft für die nächste Herausforderung zu tanken.
 
4. Finanzkommunikation wird immer wichtiger
Wer in den vergangenen Monaten eine umfassende CCO-Rolle übernommen hat, brachte nicht selten einschlägige Finanz-Erfahrung mit. Dafür gibt es in den jeweiligen Unternehmen individuelle Gründe – etwa, um Leistungsträgern und Leistungsträgerinnen eine Perspektive zu bieten oder schlicht, um durch die Zusammenlegung von Bereichen Kosten einzusparen und/oder die Schlagkraft zu erhöhen.
 
Grundlegend lässt sich feststellen, dass der Shareholder-Value noch stärker in den Mittelpunkt rückt. Dazu passt, was uns ein CEO kürzlich mit auf den Weg gegeben hat: „Reputation ist schön und gut. Aber ich bin nicht zuletzt dafür da, den Analysten und Investoren glücklich zu machen. Das erwarte ich auch von meiner Kommunikationsabteilung.“
 
5. Kommunikation kommt in den Familienunternehmen an
Immer mehr Unternehmen in Familienhand erkennen den Wert professioneller Kommunikation und legen ihre oft seit vielen Jahrzehnten selbst auferlegten Schweigegelübde gegenüber der Öffentlichkeit ab. In den vergangenen Jahren kam es vielerorts zu einem starken Professionalisierungsschub, so dass manche Familienunternehmen heute kommunikativ moderner und wirkmächtiger aufgestellt sind als der eine oder andere Konzern.
 
Doch es gibt noch Luft nach oben, wie man im vergangenen Jahr am Umgang mit politischen Aufregern gesehen hat. Familienunternehmen haben oft ein stabiles Wertegerüst. 2026 ist nicht der schlechteste Zeitpunkt, um daraus eine klare Haltung abzuleiten, eine kommunikative Strategie zu entwickeln und qualifiziertes Personal einzustellen, um diese umzusetzen – aktiv, nicht nur reaktiv.


Autoren: Thomas Lüdeke und Philip Müller sind Managing Partner der PRCC Personalberatung
 
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