Zur Bundestagswahl haben Kommunikationswissenschaftler der Uni Hohenheim unter Leitung von Frank Brettschneider die Programme von CDU/CSU, SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke, AfD und BSW auf formale Verständlichkeit untersucht.
Ein Ergebnis: Die knappere Zeit für den Wahlkampf und seine Vorbereitung macht sich in den Programmen bemerkbar. Mit durchschnittlich 25.544 Wörtern sind sie etwas kürzer als 2021. Damals setzten sie sich im Schnitt aus etwa 43.500 Wörtern zusammen und waren damit so umfangreich wie noch nie seit 1949. Bei der ersten Bundestagswahl 1949 waren es im Schnitt 5496 Wörter.
Traditionell haben die Grünen das längste Wahlprogramm. So auch in diesem Jahr: Mit 30.693 Wörtern ist das Programm der Grünen gut dreitausend Wörter länger als das der SPD. Die kürzesten Programme haben in diesem Jahr das Bündnis Sahra Wagenknecht und die FDP vorgelegt: 17.011 respektive 19.466 Wörter.
Insgesamt sind die Wahlprogramme der Auswertung zufolge etwas verständlicher als 2021, aber immer noch schwer verständlich. Die formale Verständlichkeit der Programme hat das Forschungs-Team mit Hilfe einer Analyse-Software gemessen. Die Software zählt unter anderem überlange Sätze, Fachbegriffe und zusammengesetzte Wörter. Anhand solcher Merkmale bildet sie den "Hohenheimer Verständlichkeitsindex" (HIX). Er reicht von 0 (schwer verständlich) bis 20 (leicht verständlich).
Demnach liefert die CDU/CSU das formal verständlichste Wahlprogramm mit 10,5 Punkten. Den letzten Platz belegt die AfD mit 5,1 Punkten. Auf dem vorletzten Platz liegt das Programm des BSW mit 6,6 Punkten.
Die Wahlprogramme 2025 erreichen im Schnitt 7,3 Punkte. 2021 lag der Schnitt bei 5,6 Punkten. "Das ist enttäuschend", urteilt Brettschneider. "Denn alle Parteien haben sich in den letzten Jahren Transparenz und Bürgernähe auf ihre Fahne geschrieben. Mit ihren teilweise schwer verdaulichen Wahlprogrammen schließen sie jedoch einen erheblichen Teil der Wählerinnen und Wähler aus und verpassen damit eine kommunikative Chance."
In allen Wahlprogrammen finden sich laut der Studie Verstöße gegen Verständlichkeits-Regeln. Dazu gehören außer Fremdwörtern, Anglizismen und Fachbegriffen auch Bandwurmsätze. In allen Wahlprogrammen finden sich Sätze mit teilweise mehr als 40 Wörtern. Der längste besteht aus 69 Wörtern und steht im BSW-Programm.
Zu der Studie "Bundestagswahl 2025: Wahlprogramme im Vergleich" geht es
hier.
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