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17.04.2015   News
Beschwerde-Rekordzahl beim Presserat
 
Beim Deutschen Presserat sind rund 430 Beschwerden gegen Medienberichte über den Absturz des Germanwings-Flugs 4U9525 eingegangen. "Noch nie gab es so viele Beschwerden zu einem einzelnen Themenkomplex", sagte der Sprecher des Presserats Tilmann Kruse. Zum Vergleich: Zur Berichterstattung über die Loveparade in Duisburg im Jahr 2010 gab es 241 Beschwerden, im gesamten Jahr 2014 gingen beim Deutschen Presserat rund 2000 Beschwerden ein.

Zum Germanwings-Unglück haben sich überwiegend Privatpersonen gemeldet, deren Kritik viele Teilaspekte der Berichterstattung betrifft. Die Frage, ob über den Co-Piloten identifizierend berichtet werden darf, sei ebenso ein Thema wie die Veröffentlichung von Opferfotos und Opfergalerien, die Frage des Schutzes der Angehörigen von Co-Pilot und Opfern, eine möglicherweise unangemessen sensationelle Berichterstattung, die Frage der Vorverurteilung oder das Ansehen der Presse, erläuterte Presserats-Sprecher Tilmann Kruse.

Die betroffenen Medien würden in Kürze von den gegen sie vorliegenden Beschwerden in Kenntnis gesetzt und um Stellungnahme gebeten, gab der Presserat bekannt. Wegen der Menge der Beschwerden bittet der Rat die Beschwerdeführer, sich zunächst über die Medien oder via www.presserat.de über den Verlauf der Sitzungen am 2. und 3. Juni zu informieren, bis die Entscheidungen zugestellt werden können.

Alle Beschwerden durchlaufen einen mehrstufigen Prüfungsprozess. Zunächst muss feststehen, dass der Presserat für das kritisierte Medium zuständig ist. Eine Beschwerde gegen den Rundfunk etwa kann nicht behandelt werden. Die Beschwerde muss sich gegen eine bestimmte Veröffentlichung richten. Betreffen mehrere Beschwerden einen einzelnen Bericht, so werden diese zu einem Fall zusammengefasst.

Wird das Verfahren eröffnet, so erhalten die betroffenen Medien Gelegenheit, binnen drei Wochen Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen. Schließlich entscheiden die Beschwerdeausschüsse per Abstimmung darüber, ob die Beschwerde begründet ist und welche Maßnahme der Presserat ausspricht.
 

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