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News / Die Unerschrockenen
(Foto: © STAGEVIEW - Pedro Becerra)
08.12.2023   Veranstaltung
Die Unerschrockenen
Eine oft gescholtene Generation zeigt besonderen Einsatzwillen. Von Daniel Neuen, Chefredakteur PR Report
Wenn man ein Jahr lang auf ein Ereignis hinarbeitet, ein ganzes Team viel Arbeit, viel Energie und viel Leidenschaft in Ideen, Pläne und Vorbereitungen für diesen einen Tag investiert, kann man eine Sache überhaupt nicht gebrauchen: einen Bahn-Streik.
 
Angekündigt nicht einmal 40 Stunden, bevor die Türen für unser diesjähriges PR Report Camp in Berlin aufgehen sollten, das Nachwuchs-Festival der deutschen Kommunikationsbranche. Gnadenlos durchgezogen rund um die Zeit, in der sich viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Partner und Speaker nach Berlin aufgemacht und später wieder den Heimweg angetreten hätten. Große Teile davon wohl mit dem Zug.
 
Der Höhepunkt unseres anderen wichtigen Ganzjahres-Projekts, der PR Report Awards, war für denselben Abend angesetzt: die große Winners Night. Zu Hunderten waren Gäste und Nominierte in den vergangenen Jahren dafür in die Hauptstadt gepilgert. Und diesmal?
 
Mir schwante Schlechtes: Absagen-Hagel, Not-Programm, eine halbleere Preisverleihung, vom Bahn-Sinn und dem Verkehrschaos entnervte und frustrierte Menschen, die sich irgendwie nach Berlin durchgeschlagen hatten. Und diese Reise nun bitterlich bereuten.
 
„Noch ist die Stimmung blendend“
Aber jammern und klagen hat noch nie geholfen. Was hilft: ruhig bleiben und weitermachen. Was beim Ruhigbleiben und Weitermachen hilft: Ein Tweet wie der von Lars Rademacher, gesendet aus dem ICE. „Mit 30 Studierenden des Studiengangs @onkomm sind wir auf dem Weg zum #prreportcamp nach Berlin. Noch ist die Stimmung blendend! Aber sind wir mal gespannt, wie wir morgen Abend wieder heim kommen. Spontan gute Ideen @DanielNeuen?“, schrieb der Professor der Hochschule Darmstadt auf X.
 
Halleluja! Die Unerschrockenen hatten sich also doch aufgemacht. Und das waren eine ganze Menge. Tatsächlich entlarvten sich meine Befürchtungen als unbegründet. Natürlich: Nicht alle, die sich angemeldet hatten, kamen – aber beim Camp war mit 450 Leuten trotzdem volles Haus und grandiose Stimmung.
 
Und am Awards-Abend blieb praktisch kein Platz leer. Viele stiegen um aufs eigene Auto oder den Mietwagen. Von Flugscham war nichts zu spüren. Und mancher berichtete gar Sensationelles: Anreise mit der Bahn, keine Probleme.
 
Keinen Bock? Von wegen!
Aufgrund ihres angeblich mangelnden Einsatzwillens wird die junge Generation oft gescholten, ob man sie nun mit einem „Z“ etikettieren mag oder nicht. Die hohe Beteiligung beim PR Report Camp zeigte ein anderes Bild. Wer allen Hiobsbotschaften und Widrigkeiten getrotzt und nach Berlin gefahren ist, dürfte über (mindestens) drei wertvolle Grundeigenschaften verfügen: Optimismus, Flexibilität und – am wichtigsten – Lust auf den Kommunikationsberuf.
 
Vielen Dank an alle, die auf dieser emotionalen Achterbahn mitgefahren sind. Es waren mein siebtes Camp und meine achten Awards als Chefredakteur des PR Reports – und für mich persönlich zwei der schönsten Events in den vergangenen Jahren.
 
Und die 30 Studierenden aus Darmstadt brauchten letztlich glücklicherweise weder Notfall-Unterkunft noch Ersatz-Bus. Alle sind dem Vernehmen nach gut wieder nach Hause gekommen. Noch am selben Abend. Mit einem kleinen Umweg über Hannover. Ohne große Verspätung. Und mit der Deutschen Bahn. Rademacher schrieb am Tag nach dem Camp auf X: „Eine tolle Fahrt war’s!! Wir freuen uns schon aufs nächste Jahr.“
 
Und wir erst! Das PR Report Camp 2024 steigt am 13. und 14. November. Save the date!


Autor: Daniel Neuen, Chefredakteur PR Report

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