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26.03.2015   News
Diplomat im feinen Zwirn
 
von Boss zu Burda Bevor Philipp Wolff Burda-Kommunikationschef wurde, hat er bei Hugo Boss gezeigt, dass er mit einer sich wandelnden Branche umgehen kann. Der Teamplayer scheint gut zum glamourös-bodenständigen Medienhaus zu passen. Von Rupert Sommer Hanseatisch zu sein hilft sicherlich. Neben seiner Verantwortung als Konzernsprecher organisierte er die eleganten Schauen und rauschende Feste vor dem jeweils anspruchsvollsten Publikum der Welt – etwa beim Kunstpreis im New Yorker Guggenheim Museum. Und mit Gästen wie Julianne Moore oder Woody Allen. Ohne die tatkräftige Mithilfe (und das Adressbuch/Bekanntennetzwerk) von Philipp Wolff wäre Hugo Boss möglicherweise weiterhin ein sehr respektabler Männermodemacher aus Metzingen. Aber vermutlich doch keine Marke, die weltweit strahlt – und die neben den vielen tollen Auto- und Technikmarken Deutschland schnittige Coolness verleiht. Gut möglich, dass sich ein anderer als Wolff, der zuletzt 13 Jahre lang Boss als Kommunikationschef in Szene setzte, vom Rampenlicht und vom Blitzlichtgewitter hätte blenden lassen können. Doch genau das ist sein Stil nicht. Und vermutlich ist er exakt deswegen für das so quirlige, oft glamouröse, fortschrittsoffene, dann aber auch wieder sehr bodenständige Haus Burda genau der richtige Mann.
Ein Mann aus guter Familie eben. Einer, der nicht so leicht aus der Ruhe gerät – und einer, der gern andere glänzen lässt. Seit nunmehr einem Jahr und drei Monaten ist Philipp Wolff in München tätig – und man kann sagen, er ist in der neuen Welt, die wohl keine fremde, aber eine andere war, bestens angekommen. Begeistert von der Themenvielfalt in einem Medienkonzern: „Es ist großartig, dass wir hier den Tag mit Meetings über die aktuellste politische Lage der Ukraine-Krise anfangen – und spätabends mit Diskussionen über die Zukunft des Journalismus aufhören“, sagt Philipp Wolff. Sichtlich Freude bereitet es ihm, eng in die unterschiedlichsten Diskurse des Medienkonzerns eingebunden zu sein. In einem Haus, das längst schon kein Verlag mehr ist, sondern ein Vorreiter und Schrittmacher der digitalen Transformation.
Seit über 18 Jahren seines Berufslebens, so Wolff, hat er mit Journalisten zu tun. Er spricht nicht nur ihre Sprache, er versteht, wie sie ticken. Und er fühlt sich wohl im Umgang mit ihnen. Viele bei Burda – zumindest die zahlreichen, die ohnehin regelmäßig mit Modethemen zu tun haben – kannte er schon vor seinem Amtsantritt am Arabellapark gut.


Früher Förderer: Werner Baldessarini

Aus seiner Boss-Zeit ist Wolff weit mehr als nur Stil, Sorgfalt und Detailliebe geblieben – und die Vorliebe für gut sitzende Anzüge. Nach Wirtschaftsstudien in Hamburg und Paris führte Wolffs Weg zunächst nach New York, später nach Mailand zu Massimo Suppancig, der seinerzeit die Frauen-Linie für Boss entwickeln sollte. Dort fiel der Kommunikationsmann, der zuvor für die Agentur Grey in den USA gearbeitet hatte, Werner Baldessarini auf, der ihn nach Metzingen holte. Wolff blieb, wurde Kommunikationsdirektor – auch als später Bruno Sälzer, noch später Claus-Dietrich Lahrs Ober-Bosse wurden.
In dieser Zeit begann die Arbeit, die nach außen hin fast mühelos und heute wie selbstverständlich wirkt, aber einer Kulturrevolution gleichkam. Boss wurde zur Weltmarke – mit eigenen Shop-Strukturen, mit neuen Designs und weltweiter Anerkennung. Kommunikativ galt es, im forschen Expansionskurs die Ziele nicht aus den Augen zu verlieren und viele Fronten zu halten – etwa als sich in Deutschland die Stimmung gegen kauffreudige Finanzinvestoren drehte. Aus dem Hause Boss hörte man wenig Aufregung. Wie viel besser könnte PR wirken?
Wenn man Wolff auf die vermeintliche Leichtigkeit im Umgang mit Mode-Themen angeht, lächelt er nur höflich. Und fügt diplomatisch, aber eben doch bestimmt an: „Es ist kein romantisches Business mehr wie in den Siebziger oder Achtziger Jahren“, blickt er zurück. „Ich hatte große Freude daran, bei der radikalen Transformation der Geschäftsfelder mitzuwirken.“
Keine Überraschung, dass ihn genau diese Themen bei Burda nicht nur wieder einholen, sondern ihn offenbar genau deswegen für seine neuen Dienstherren attraktiv machten und machen. Er berichtet direkt an Vorstand Philipp Welte, der gerade das Verlagsgeschäft im Konzern durch weitreichende Aktionen transformiert. Über seinen genauen Weg zu Burda hält sich Philipp Wolff aus naheliegenden Gründen bedeckt. Nur soviel hört man: Offenbar gab es mehr als nur einen Vermittler, der just dasselbe passgenaue Profil für ihn gefunden haben wollte – Burda.


Einmischen in Berlin und Brüssel

„Wir haben viel vor“, sagt Philipp Wolff nun, der aus seiner Boss-Zeit nicht nur die Mode-, Lifestyle- und Kulturaffinität mitgebracht hat, sondern auch das sichere Gespür, Politisch-Brisantes anzupacken und mitzuprägen. Mit Fingerspitzengefühlschlägt er selbst und seine Abteilung für „Public Affairs“ in Berlin und Brüssel just die Töne an, die etwa in der Diskussion um politische Themen erforderlich sind. Dabei steht die Diskretion in Wolffs Team einem selbstbewussten Auftreten nicht entgegen. „Es ist mir wichtig, dass wir Akzente setzen“, zum Beispiel in der Diskussion um digitale Monopole sagt er. Es geht um gleiche, faire Spielregeln – mit Gesetzen, an die sich alle Marktpartner halten.“
Es muss die Vielfalt der Themen sein, die bei Burda stets aufs Neue fasziniert. Bei einem Treffen mit Wolff in München hätte man ihm eigentlich eben noch die Anspannung eines abwechslungsreichen, kommunikativ fordernden Jahresauftakts ansehen müssen – mit dem alljährlichen Burda-Kongress DLD, zu dem die Mächtigen der digitalen Welt nach München kommen, und den Feierlichkeiten zum 75. Geburtstag von Hubert Burda, der in München und in Offenburg wie ein Staatsempfang gefeiert wurde. Von etwaiger Erschöpfung ist bei Philipp Wolff nichts zu spüren. Im Gegenteil: Er wirkt wie aufs Neue inspiriert. Von der Wachheit und der Visionskraft des Verlegers lassen sich noch immer viele anstecken. Natürlich wirkt Hubert Burda weiterhin stark in sein Unternehmen hinein, auch wenn die operative Führung längst auf anderen Schultern ruht.


Oberstes Gebot: Zurückhaltung

Fast hat man mit der Frage nach dem Verlegereinfluss den Bogen auch schon wieder überspannt, auch wenn dies Wolff höflich in der Schwebe lassen würde. Für ihn gilt jedenfalls, was leider längst nicht mehr jeder in seiner Branche verinnerlicht hat: Gute PR wirkt, ohne von sich selbst Gewese zu machen. Und nicht nur als Exil-Hamburger, der sich in der lebensfrohen, kultivierten Stadt München nach eigenem Bekunden sehr wohl fühlt, gilt ihm der Grundsatz: Man kann über vieles sprechen – über sich selbst am Allerwenigsten.
Deswegen nur noch so viel: Wolff hat seine gut eingespielte Truppe sinnvoll gegliedert und kann sich auf folgende Stützen verlassen: Jonas Grashey verantwortet als Leiter der „Brand PR“ die Kommunikation aller Burda-Marken im Verlags- und Digitalbereich sowie die Koordination der PR-Aktivitäten von Tochterunternehmen und Auslandbeteiligungen. Julia Korn verantwortet als Head of „Corporate PR“ die einheitliche Außen- und Innendarstellung des Gesamtkonzerns bei Hubert Burda Media. Dazu gehört auch die kommunikative Begleitung von medialen Plattformen wie DLD-Konferenzen und Bambi-Verleihung. Sebastian Doedens, Head of „Public Affairs“, ist mit seinen Mitarbeitern zentraler Ansprechpartner für alle medien- und industriepolitischen Fragen. Sabine Schmid leitet die Abteilung „Creative Services“ und ist somit federführend für die Produktion von Veranstaltungen wie den DLD-Events zuständig. Dazu gehören auch Drucksachen und Werbemittel aller Art.
Wie es sich gehört, steht Philipp Wolff stets hinter seinem Team und niemals angeberhaft davor. Dass sein modischer Stil Schule gemacht haben könnte im Team, dürfte er wohl bemerkt haben. Kommentieren würde er das vermutlich nie.
Foto: Burda
Foto: Pascal-Oliver Horn
 

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