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Ben Rubin, CEO von Life On Air, der Firma hinter Meerkat
13.03.2015   News
Wie Meerkat den Journalismus revolutionieren will
 
Sind Erdmännchen die Zukunft des Journalismus? Meerkat ist momentan die neueste Sensation im Netz. Auf Twitter posten tausende Nutzer täglich hunderte Links zu Livestream-Sessions. Im Interview mit kress.de erklärte Firmenchef Ben Rubin die App, und sagt, warum Journalisten viel experimentieren sollten.

Wer ist auf den Namen Meerkat (deutsch: Erdmännchen) gekommen?

Ben Rubin: Mein Mitgründer Roi Tirosh hatte diese Idee.

Und warum Erdmännchen - und nicht zum Beispiel Pinguin?

Ben Rubin: Weil Erdmännchen die sozialsten Tiere auf der Welt sind. Sie leben in Kolonien und stehen immer herum und schauen zu. Es ist wie bei der App. Wir stehen auch alle und sehen zu.

Wer hatte die Idee zu Meerkat?

Ben Rubin: Das war ich. Ich wollte etwas bauen, das einfach und schnell zu verstehen ist und auf Twitter aufbaut. Wir hatten ja schon durch frühere Projekte Erfahrung mit Livestreaming gesammelt. Mit Meerkat wollten wir den Leuten die Möglichkeit geben, mit einfachen Mitteln Inhalte an mehrere Menschen zu übertragen. Wir dachten, dass Twitter dafür die perfekte Lösung sein könnte. Darum haben wir dieses sehr präzise Produkt entwickelt.

Momentan scheint es auf Twitter kaum ein anderes Thema als Meerkat zu geben. Wie erklären Sie sich diesen großen Erfolg?

Ben Rubin: Ich glaube, dass die App einfach leicht zu verstehen ist. Man muss sich nicht groß einarbeiten. Der Aha-Moment stellt sich sehr schnell ein.

[An dieser Stelle musste Rubin das Interview kurzzeitig unterbrechen, weil die Meerkat-Server nicht mehr das taten, was sie normalerweise tun sollen.]

Das kommt vermutlich gerade häufiger vor...?

Ben Rubin: Eigentlich verkraften die Server alles recht gut. Aber wir wollen sicherstellen, dass sie Tag für Tag leistungsfähiger werden. Also gibt es ständig Updates und neue Server. Bei diesen Übergängen kommt es manchmal zu kurzzeitigen Ausfällen.

Und was ist wichtiger für Sie: mehr Stabilität für die iOS-App oder die Entwicklung einer Version für Googles Android-Plattform?

Ben Rubin: Wir haben Anfang der Woche eine kleine Android-Version vorgestellt, mit der man zuschauen, aber nicht übertragen kann. Das wollen wir zunächst erst mal beibehalten, bis wir grundsätzliche Probleme behoben haben und die App stabil läuft. Dann werden wir uns wieder Android zuwenden. Bis es soweit ist, können die Android-Nutzer jetzt zumindest schon einmal experimentieren und sehen, worum es bei dem Hype geht.

Wie viele Meerkat-Nutzer gibt es mittlerweile? Haben Sie ein paar Zahlen?

Ben Rubin: Ich habe kürzlich einige Daten auf Twitter veröffentlicht. Einfach dort reinschauen.

Auch in Deutschland wird Meerkat immer häufiger genutzt. Allerdings sind wir hierzulande sehr vorsichtig, wenn es um US-Firmen geht, die Zugang zu persönlichen Daten haben. Speichert Meerkat tatsächlich keine Videostreams auf seinen Servern?

Ben Rubin: Sobald ein Stream vorbei ist, werden die Videoinhalte gelöscht. In der Cloud bleiben allerdings die letzten drei Sekunden einer Übertragung für ein paar Minuten gespeichert. Sollte also tatsächlich jemand Interesse daran haben, dann könnte er theoretisch an diese Aufnahmen herankommen. Allerdings nur in den fünf Minuten, nachdem ein Stream beendet wurde.

Haben Sie sich schon Gedanken darüber gemacht, wie Sie mit Meerkat Geld verdienen wollen?

Ben Rubin: Nein. Keine Ahnung. Ich weiß es nicht.

Wer wird Meerkat in Zukunft hauptsächlich nutzen? Werden es Teenager sein? Journalisten? Celebrities?

Ben Rubin: Wir wünschen uns möglichst viele unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten. Es geht nicht darum, dass jemand einen Stream startet, weil ihm gerade langweilig ist. Vielmehr sollen Übertragungen dann stattfinden, wenn jemand glaubt, dass etwas Interessantes zu sehen ist. Dass er eine spannende Geschichte zu erzählen hat. Es geht also nicht darum, wer Meerkat nutzt, sondern warum er es tut.

Bei Meerkat lassen sich Livestreams im Vorfeld auch ankündigen. Wie wichtig ist diese Option?

Ben Rubin: Unglaublich wichtig. Durchs Planen von Streams müssen sich die Nutzer im Vorfeld Gedanken darüber machen, wann sie live gehen wollen und was sie dann sagen.

Am Thema Meerkat kommt man in den Medien derzeit kaum vorbei. Vor allem Tech-Journalisten scheinen die App zu lieben. Woran liegt das?

Ben Rubin: Tech-Journalisten kennen sich natürlich damit aus. Sie haben einen entsprechenden Hintergrund und sind bereit, neue Sachen auszuprobieren. Journalisten haben in der Regel auch relativ viele Twitter-Follower. Wenn sie zum ersten Mal einen Stream starten, dann schalten vergleichsweise viele Zuschauer ein. Der Aha-Moment wird früher erreicht. Es ist gut und richtig, dass Journalisten viel herumexperimentieren. Es ist ihre Aufgabe, etwas zu kritisieren und ein Publikum anzusprechen. Sie müssen provozieren und die Menschen zum Nachdenken bringen. Mit Meerkat ist das möglich. Hier findet Kommunikation in Echtzeit statt. Jeder Journalist sollte mit unterschiedlichen Medien und Kommunikationsmöglichkeiten umgehen können. Dafür muss er sie testen. Und ich rede jetzt nicht nur von Live-Videos.

Sie glauben also, dass Meerkat zu einem wichtigen journalistischen Instrument werden könnte?

Ben Rubin: Das hoffe ich sehr.

Mit Ben Rubin, CEO von Life On Air, der Firma hinter Meerkat, sprach Jörgen Camrath.

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