Die großen deutschen börsennotierten Unternehmen schneiden bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung im internationalen Vergleich gut ab. Symrise, Deutsche Bank und Vonovia belegen vordere Plätze. Das ist ein Ergebnis des Global ESG Monitor 2022.
Der Global ESG Monitor (GEM) mit Hauptsitz in Wiesbaden ist eine Forschungsinitiative zur Untersuchung der Transparenz in der nichtfinanziellen Berichterstattung der größten Unternehmen der Welt. Die Operationalisierung der Transparenz, die dem Forschungsinstrument "GEM Assay" zugrunde liegt, basiert auf den Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI), der ISO-Norm 26000, des Weltwirtschaftsforums (WEF) und Accountability. Für den GEM 2022 wurden 625 ESG-Berichte (ESG: Environment Social Governance) von 350 Unternehmen auf vier Kontinenten analysiert, die in zehn nationalen oder kontinentalen Börsenindizes enthalten sind.
Die im Dax40 gelisteten Unternehmen kommen dabei im Durchschnitt auf 68 von 100 möglichen Punkten. Auf Indexebene betrachtet liegt der deutschen Auswahlindex damit an der Spitze aller zehn internationalen Indizes aus Nordamerika, Europa, Asien und Australien, die im Rahmen des GEM betrachtet wurden. Er rangiert noch vor dem Gewinner unter den kontinentalen Indizes, dem Eurostoxx 50, der auf einen Durchschnittswert von 66 Punkten kommt.
Von den einzelnen Unternehmen im Dax belegt der Duft- und Geschmackstoffhersteller Symrise mit 86 Punkten Platz eins. Dicht dahinter folgen die Deutsche Bank (85 Punkte) und das Wohnungsunternehmen Vonovia (84). Letzteres ist gleichzeitig das bestplatzierte Dax-Unternehmen im Eurostoxx 50. Auf globaler Gesamtebene liegen der italienische Energiekonzern Enel mit 90 Punkten und das spanische Stromerzeugungs- und -vertriebsunternehmen Iberdrola mit 87 Punkten vorn, beide aus dem Eurostoxx 50.
Die Konzerne am Ende des Dax-Feldes fallen laut GEM durch zum Teil deutliche Transparenzlücken auf. Als Drittletzter erreicht der Spezialchemiehersteller Covestro exakt die Hälfte der möglichen Punktzahl (50). Der Biotech-Konzern Qiagen und der Betreiber von Essenslieferplattformen Delivery Hero liegen mit 46 beziehungsweise 42 Punkten deutlich unterhalb dieser Schwelle, obwohl diese Werte im internationalen Vergleich nicht zu den schlechtesten zählen.
"Beim Vergleich aller zehn Indizes untereinander gibt der Dax in Sachen ESG-Berichte den Takt vor", stellt Michael Diegelmann, GEM-Mitbegründer und Vorstand der IR- und ESG-Beratungsfirma Cometis, fest. "Dennoch gibt es Luft nach oben. Denn nach absoluten Maßstäben gesehen bewegen sich die deutschen Top-Unternehmen mit einem Durchschnittswert von rund zwei Drittel der maximal erreichbaren Punktzahl lediglich im gehobenen Mittelfeld. Dabei wäre in vielen Bereichen mehr möglich – und auch angezeigt."
So nehmen beispielsweise nur etwas mehr als die Hälfte der Dax-Unternehmen (56%) in ihren Berichten Stellung zu Strategien und Maßnahmen, um das Risiko von Zwangs- und Kinderarbeit auszuschließen. Bei den Unternehmen im Eurostoxx 50 liegt dieser Wert bei 60 Prozent.
Mehr Transparenz herrscht beim Thema Klimaschutz. Die weit überwiegende Mehrheit der Dax-Unternehmen (95%) haben für sich die wichtigsten CO2-Emissionsquellen identifiziert und die größten Herausforderungen im Hinblick auf klimarelevante Emissionen skizziert. Im Umgang mit der Ressource Wasser fallen demgegenüber die Reporting-Quoten jedoch deutlich ab: Jedes vierte Dax-Unternehmen macht keine belastbaren Aussagen zu seinem Wasser-Management und seinen Anstrengungen, den Verbrauch zu senken.
Exklusive und aktuelle Nachrichten aus der Kommunikationsszene gibt es jeden Mittwoch und Freitag in unserem Newsletter. Kostenlos abonnieren unter http://www.prreport.de/newsletter/