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News / „Es geht um Rollen, und zwar in jeder Live-Kommunikation“
Stefan Wachtel bereitet bei ExpertExecutive, Spezialist für Executive Coaching in Frankfurt, Auftritte von Managern vor
26.02.2015   News
„Es geht um Rollen, und zwar in jeder Live-Kommunikation“
 
Herr Wachtel, haben Sie als Berater von Spitzenmanagern bei öffentlichen Auftritten weniger zu tun, wenn es weniger Corporate und dafür mehr Consumer und Public Events gibt?
Ich kenne die Etats nicht, weiß aber, dass beides eher zunimmt. Und weniger Corporate Events, das wäre falsch. Führungskräfte- und Strategietagungen, All Hands Events mit den Mitarbeitern, Town Halls: Gerade hier wird Nähe geschaffen – und Wert. Und gerade hier ist professionelle Live Communication gefragt.

Es heißt, an Veranstaltungen würde zunehmend strategisch mit Blick auf die Marke herangegangen. Wie sehen Sie das?
Egal, ob Sie Auftritt, Kleidung, Setting, Staging oder Soundbites der auftretenden Spitzenmanager nehmen, das wird immer öfter an die Marke angeglichen. Untersuchen Sie allein die Wiederholung der Markenwerte. In den Reden und Antworten, für die wir bei ExertExecutive arbeiten, wiederholt sich die Markenwelt, wie auch in Chart und Grafik.

Wird der rund um Events entstehende „Content“ sinnvoll genutzt – intern wie für die externe Kommunikation?
Bei meinen Klienten fast immer. Ausschnitte gehen ins Intranet. Nach dem Event gibt es Interviews. Im Event selbst wird gevotet. Fragen und Antworten werden ins System gesetzt. Oft wird der Content in Live Events von Anfang an mit anderen Botschafts-Platzierungen zusammen geplant.

In welcher Weise verändert die Nutzung von Social Media die Auftritte von Topmanagern?
Manche sehr sorgfältig ausgewählte Sequenz erscheint inzwischen auf Youtube. Manchmal produzieren wir immer mit Blick auf alle Medien, nicht nur auf das Live Event. Aber nicht immer gibt es dafür ein Bewusstsein. Schlagen wir so etwas vor, sehen wir, dass nicht daran gedacht wurde. Aber selten herrscht noch die alte Welt des Kommunikators: ein CEO-Auftritt – ein Redetext – paar Charts – ein Q&A, das war’s. Moderne CEOs befreien sich zusehends. Die kommen von Beratungsgesellschaften, die denken in Frameworks, nicht in Texten, und sie sind angelsächsischer erzogen: CEO-Communication ist Action, nicht Text.

Was halten Sie vor diesem Hintergrund von der Kommunikation der Manager und Politiker in Chats und Blogs in Hinblick auf Inszenierung und Authentizität?
Authentisch, was sollte das sein? Entweder habituell: So sein wie man ist? Die meisten Klienten wissen selbst, dass das nicht hilfreich wäre. Sie wollen mehr. Sie wissen: Es geht um Rollen, und zwar in jeder „Live“-Kommunikation, nicht nur auf Bühnen und vor Kameras. Oder situativ authentisch sein? Jemandem mal so richtig de Meinung sagen, frei von der Leber weg? Das vernichtet oft Wert, dann ruft der Aufsichtsrat an. Der gute Spitzenmanager ist der Nicht-Nur-Authentische, die oder der auf Wirkung Bedachte. Die oder der Auftritte plant, vorbereitet und probt und am Ende so gut trainiert hat, dass die anderen sagen: „Scheint mir authentisch!“ Tut mir leid. Aber das macht Executive Rhetoric seit 2500 Jahren. Damals gab’s auch schon Live Communication, und zwar ausschließlich.
Foto: Etienne Fuchs

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