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News / Die Abkehr vom reinen Sanktionsmodell
Thomas A. Bauer ist emeritierter Professor und ehemaliger Vorstand des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien
26.02.2015   News
Die Abkehr vom reinen Sanktionsmodell
 
Österreichischer PR-Ethik-Rat Statt sich mit ethischen Fragen zu beschäftigen, habe sich der österreichische Ethik-Rat für PR in den vergangenen Jahren zuvorderst mit Verstößen gegen die Trennung von Werbung und PR beschäftigt, bedauerte Wolfgang R. Langenbucher Anfang des Jahres bei seinem Abschied vom Ratsvorsitz. Der PR Report sprach mit dem neuen Ratschef Thomas A. Bauer, der in dem Organ weniger einen Kontrolleur, als vielmehr einen „Wegweiser“ sieht.

Herr Bauer, inwiefern hat die Qualitätsoffensive des Public Relations Verbands Austria und von PR Quality die Debatte um ethische Prinzipien in Österreichs PR weitergebracht?
Es geht bei der PRVA-Qualitätsoffensive und bei PR Quality Austria um Vorzeigegesten, um die Aufmerksamkeit für situationsgerechte Verhaltensweisen, die aber erst durch Haltungen nachhaltige Verhältnisse begründen. Erste Erfolge des Gütezeichens machen vermutlich erst einen Frühling, noch lange keinen Sommer. Für den möglichen Winter und entsprechende eisige Winde ist man nur gerüstet, wenn die Ausrichtung der PR-Arbeit an deren kommunikativer Qualität zu einem unternehmerischen Habitus geworden ist. Der wird in erster Linie durch Öffentlichkeit belohnt und sicher gestellt. In diesem Sinne sind solche Initiativen unverzichtbar.

Und wie steht es diesbezüglich speziell auf Unternehmensseite in Anbetracht der Anzeigenstornos bei „Datum“ im Zuge der Mhoch3-Postings-Story?
Der Rat ist mit der Ausarbeitung der Mhoch3-Fälle beschäftigt und kann noch keine gültige Wertung der Affäre abgeben. Der Fall ist paradigmatisch für die Kontingenz der kommunikativen Kompetenz von Unternehmungen: Die komplexeren Bedingungen des Wirtschaftens unter zunehmend medialisierten und mediatisierten Bedingungen der Beobachtung und des Handelns von und in Markzusammenhängen machen ein komplexeres und theoretisch deutlicher elaboriertes Modell von ethisch definierter Qualität notwendig. Generell kann man dazu anmerken, dass sich mit dem Wandel der medialen Kommunikationsstrukturen mögliche neue Deutungen der Ordnungsmodelle zu Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Transparenz strukturell entweder anders als bisher erschließen oder anders als bisher erschlossen werden müssen. Das wäre zum Teil dann auch die Arbeit des Ethikrats beziehungsweise auch anderer mit der Selbstkontrolle der Medienlandschaft befassten Institute, etwa des Werberats und des Presserats.
Sie starten eine Studie zu Product Placement: Warum ausgerechnet dazu?
Für den Ethik-Rat ist es ein Thema, mit dem er seine neue Auslegung von Selbstkontrolle - im Sinne selbstverantworteten und wechselseitig einsichtigen Controllings - unterstreichen kann. Das bisherige Modell, in dem über Rügen eine Haltet-den-Dieb!-Mentalität bedient wird, führt nicht unbedingt zur Einbettung eines intrinsisch motivierten Ethikprogramms in Unternehmensetagen.
Foto: Österreichischer Ethik-Rat für PR/APA-Fotoservice/Hutter

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