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News / Die Getriebenen
Daniel Neuen
20.04.2022   Wissen & Praxis
Die Getriebenen
Erste Konsequenzen für die Kommunikation aus dem Krieg in der Ukraine. Von Daniel Neuen, Chefredakteur PR Report
Als unverbesserlicher Nachrichten-Junkie habe ich mindestens eine schlechte Angewohnheit: Mein Tag beginnt mit dem Griff zur Fernbedienung und dem Morgenmagazin von ARD oder ZDF. Für gewöhnlich verfolge ich im Halbschlaf die 6:30-Uhr-Nachrichten, bevor mich das zweite Klingeln des Handy-Alarms aus dem Bett treibt.
 
In den vergangenen Jahren passierte es indes mehrfach, dass ich sehr schnell sehr wach war, weil in der Nacht Dinge passiert waren, die ich noch am Abend zuvor in die Kategorie „Wird schon nicht so schlimm kommen“ einsortiert hatte: der Brexit, die Wahl Donald Trumps. Wunschdenken, natürlich.
 
Genauso war es am 24. Februar 2022, als Russland die Ukraine überfiel. Aus Gesprächen in den vergangenen Wochen weiß ich, dass es vielen von Ihnen ähnlich ging.
 
Vielleicht ist es noch zu früh, Lehren für die Kommunikation zu ziehen. Aber die Floskel, dass Corona der große Verstärker bereits bekannter Entwicklungen ist, scheint mir nach den Recherchen für unsere neue Ausgabe, in der wir uns ausführlich mit dem Krieg und den Folgen für die Kommunikation befassen, auch für diesen Krieg zu gelten:

1. Unternehmen müssen noch schneller handlungs- und sprechfähig sein.

2. Sie brauchen noch besser ausgeprägte (geo-)politische Antennen und ein noch feineres Gespür für das Befinden ihrer Zielgruppen. Haltung sollte mitunter auch Zurückhaltung bedeuten.

3. Die Bedeutung der internen Kommunikation wächst weiter, weil politische und gesellschaft­liche Konflikte auch in Unternehmen ausgetragen werden und zu Verwerfungen führen.

4. CEOs sind noch stärker als Orientierungspunkt gefragt, intern wie extern.

5. Handeln und Reden von Unternehmen sind angesichts der Umwälzungen, die wir erleben, eine noch größere Gratwanderung, noch mehr Dilemma-Management.

Kurz gesagt: Unternehmen sind Getriebene der großen, vielleicht existenziellen Krisen unserer Zeit. Und mit ihnen ihre Kommunikatorinnen und Kommunikatoren. Die Anforderungen an die PR steigen weiter.
 
Autor: Daniel Neuen ist Chefredakteur des PR Reports
 
 

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