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News / Langatmiger Umbruch für einen Aufbruch
DBV-Präsident Joachim Rukwied muss Rede und Antwort stehen
05.02.2015   News
Langatmiger Umbruch für einen Aufbruch
 
Forum Moderne Landwirtschaft Als „einzigartige internationale Ausstellung der Ernährungs- und Landwirtschaft“ bezeichnet die Messe Berlin ihre „Grüne Woche“. Die Freude an der Leistungsschau mit Erlebnisbauernhof und Blumenhalle ist allerdings nicht ungeteilt. Seinen Ärger über ein paar zehntausend Menschen, die die Messe zum Anlass nahmen, unter anderem gegen Massentierhaltung und Gentechnik zu demonstrieren, konnte Joachim Rukwied nicht verhehlen. Schon im Vorfeld stempelte der Chef des Deutschen Bauernverbands (DBV) und Vorstandsvorsitzende der Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft (FNL) die Organisatoren des Protests „Wir haben es satt“ in der „FAZ“ als „Ideologen“ ab. „Unanständig“ nannte er „top agrar“ zufolge deren Attacken auf die Landwirtschaft - Steilvorlagen für Kritiker der Agrarindusrie und ein Widerspruch zu seinem Statement, das er zur Umbenennung der FNL abgab.
„Zukünftig wollen wir alle gemeinsam noch erfolgreicher kommunizieren. Dabei wollen wir, besonders kommunikativ, noch mehr den Ansprüchen, die die Gesellschaft, Politik und Medien an uns haben, gerecht werden können“, ließ Rukwied im Oktober verbreiten, als die FNL ihre Namensänderung in „Forum Moderne Landwirtschaft (FML)“ bekanntgab. Dieses Postulat hat er vielleicht noch nicht verinnerlicht. Allerdings hat auch der angestrebte Veränderungsprozess der FNL, in der Verbände und Unternehmen der Landwirtschaft - von den Gartenbauern bis hin zu Monsanto und Syngenta - organisiert sind, trotz einem Jahr Vorbereitung noch ein Stück des Weges zurückzulegen. „Der Wagen rollt langsam“, gibt FNL-Sprecher Ingo Willoh zu. Im Frühjahr werde man aber die Resultate präsentieren.
Losgehen konnte es auch deshalb nicht, weil das in der Satzungsänderung vom Herbst vorgesehene geschäftsführende Vorstandsmitglied noch nicht gefunden war. Das Amt übernimmt jetzt, ohne dass die FNL für die Personalie großartig trommelte, Christoph Amberger, ehemals Vorstand beim Pflanzenzüchter KWS Saat. Er wird die strategische Ausrichtung des FML verantworten.
“Moderner, offensiver und sichtbarer“ will der Verein die Branche in der Öffentlichkeit darstellen, heißt es. Die Dialogkommunikation werde künftig ein wichtiges Thema sein, sagt Willoh. Dazu gehöre beispielsweise, die Landwirtschaft in die Stadt zu bringen und vor Ort zu zeigen, wo die Produkte herkommen.
In der bisherigen FNL-Struktur ohne Aufsichtsrat ist diese kommunikative Ausrichtung offenbar nicht möglich gewesen. Vielleicht fehlte es auch am Geld. „Wir wollen uns breiter aufstellen“, sagt Willoh. Ein Ziel: Neue Mitglieder mit Jahresbeiträgen von mehr als 300.000 Euro für das FML zu gewinnen. Dazu muss der Verein aufs Gaspedal treten.
Foto: IGW 2015

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