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Martin Frommhold (Foto: Otto)
17.10.2021   Karriere
"Keine Panik!"
Ist der PR-Nachwuchs der Verlierer der Corona-Krise? Welche Fähigkeiten sind jetzt gefragt? Woran erkennt man miese Chefs? Martin Frommhold, PR-Chef bei Otto, antwortet in unserem Karriere-Fragebogen.
Verändert die Corona-Krise den Arbeitsmarkt in PR und Kommunikation?
Frommhold: Die Corona-Pandemie wirkt sich konjunkturell negativ auf die meisten Branchen aus. Entsprechend werden viele Unternehmen Investitionen zurückfahren. Das wird Auswirkungen auf den gesamten Arbeitsmarkt haben, auch für Kommunikationsexpert*innen. Leider ein Paradoxon, denn gerade in Krisenzeiten ist der Bedarf an professioneller Interner Kommunikation elementar. Aber das wird noch in zu vielen Chefetagen nicht gesehen.

Sind Berufs-Einsteigerinnen und -Einsteiger sowie Young Professionals in der Kommunikation die Verlierer der Corona-Krise?
Nicht per se. In den kommenden Monaten werden voraussichtlich weniger Stellen ausgeschrieben. Gesucht werden aber weiter Social-Media- und datenaffine Kräfte, die Ahnung von Kommunikationssteuerung haben. Da bringen Young Professionals als Digital Natives oft viel Expertise mit.
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Tipp: Martin Frommhold ist zu Gast beim PR Report Camp 2021. Auch in diesem Jahr findet die wichtigste Groß-Veranstaltung für den Nachwuchs und für Young Professionals komplett digital statt: vom 2. bis 5. November. Mit dabei sind viele renommierte Top-Profis aus Agenturen und Unternehmen, die in Ask-me-Anything-Sessions gelöchert werden können. Auch Martin Frommhold. Jetzt kostenlos anmelden!
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Welche Fähigkeiten/Qualifikationen sind wegen oder in Folge von Corona in der Kommunikation besonders gefragt?
Keine anderen als vorher. Klar, für die Digitalisierung von Prozessen und Kommunikationsinhalten war Corona ein Mega-Katalysator. Gleiches gilt für moderne Führung und Zusammenarbeit. Aber diese Trends waren allesamt schon da. Wer die trotzdem bis März 2020 verschlafen hatte, wurde natürlich unsanft geweckt.


Mit Blick auf den Nachwuchs/Young Professionals: Wo sehen Sie die größten Defizite?
Von Pauschalbewertungen halte ich nichts. Aber ich wünsche allen jungen Kolleg*innen Zeit und Muße, jenseits von Schule, Studium und Berufseinstieg viele Erfahrungen zu sammeln. Reisen, Jobben oder soziales Engagement - über den eigenen Tellerrand schauen macht schlau, empathisch und schafft Persönlichkeit. Das alles lässt sich im Job gut gebrauchen.

Eine Fähigkeit, die ein moderner Kommunikationsprofi unbedingt braucht, aber an der Universität nicht lernt, wird er/sie dann spätestens in der Praxis erwerben. Keine Panik!

Ihre wichtigste Lehre aus der bisherigen Corona-Zeit ist, beim Essen, Nase putzen und länger anhaltenden Gesichtsentgleisungen die Kamera auszuschalten.

Unabhängig von Corona: Der schlechteste Rat, den Sie je bekommen haben, war: "Nix dran machen. Das muss so."

Ihr lehrreichster Fehler in Ihrer bisherigen Laufbahn war, zu schnell auf "Senden" geklickt zu haben.

Die wichtigste Mentorin/der wichtigste Förderer in Ihrer Laufbahn war ... nie da. Aber von Jasmine Borhan und Michael Schlechtriem habe ich während meiner Zeit bei T-Online viel gelernt. Und eine Diskussion mit Thomas Voigt über fachliche Themen, gesellschaftspolitische Trends oder Gott und die Welt macht auch nicht dümmer.

Die wichtigste Frage, die Sie in jedem Bewerbungsgespräch stellen, lautet: "Was hast Du von Otto zuletzt wahrgenommen?"

Dieser Satz von Bewerberinnen/Bewerbern und/oder Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern nervt Sie am meisten: "Meine größte Schwäche ist es, manchmal zu perfektionistisch zu sein." Vielleicht bin ich auch nur neidisch. Denn meine Schwächen sind profaner: Schokolade, Chips, Weißwein …

Einen miesen Chef/eine miese Chefin erkennt man ... und versucht sich trotzdem zu behaupten und seinen Weg zu finden. Oder eben nicht. Dann sucht man sich besser was anderes.

Welches Buch sollten Kommunikationsprofis unbedingt gelesen haben und warum?
Nicht eins, sondern viele. Sach- und Fachbücher, Belletristik. Lesen eröffnet Horizonte, inspiriert, verändert Perspektiven. Egal ob im beruflichen oder privaten Kontext.

Welchen Film sollten Kommunikationsprofis unbedingt gesehen haben und warum?
Da Kommunikationsprofis im Zweitleben auch nur Menschen sind: Schaut an, was euch gefällt! Und natürlich "Wag the dog", "Unter der Haut", "Schtonk", "Big Manni", "Bombshell", "Contagion", "Familie Jones"...
 
Hinweis der Redaktion: Dieses Interview wurde erstmals im November 2020 veröffentlicht.


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