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News / "Der Arbeitsmarkt hat sich nachhaltig verändert"
Anja Guckenberger (Foto: Steffen Höft)
19.10.2021   Karriere
"Der Arbeitsmarkt hat sich nachhaltig verändert"
Was war Ihr lehrreichster Fehler? Welcher Satz von Bewerberinnen und/oder Mitarbeitern nervt am meisten? Wo hat der Nachwuchs Defizite? Anja Guckenberger, Client Service Officer bei Edelman, antwortet in unserem Karriere-Fragebogen.
Verändert die Corona-Krise den Arbeitsmarkt in PR und Kommunikation?
Guckenberger:
Die Pandemie war sicherlich ein Katalysator für viele Entwicklungen – von Mobile Work beziehungsweise Homeoffice und digitaler/ internationaler Zusammenarbeit bis hin zur Digitalisierung/Virtualisierung von Kommunikationsformaten aller Art. Viele dieser Entwicklungen werden bleiben und haben so bereits den Arbeitsmarkt in PR und Kommunikation nachhaltig geprägt und verändert.

Sind Berufs-Einsteigerinnen und -Einsteiger sowie Young Professionals in der Kommunikation die Verlierer der Corona-Krise?

Einerseits war die Corona-Krise sicherlich gerade für junge Menschen schwierig, zum Beispiel durch den Ausfall von Praktika oder Auslandssemestern, die nicht stattfinden konnten. Andererseits haben wir zum Beispiel ganz konkret bei Edelman seit Pandemiebeginn im Frühjahr 2020 viele neue Kolleg:innen virtuell/digital ongeboarded, darunter auch 25 Young Professionals. Und auch wenn wir sehr froh sind, gerade diese neuen Mitarbeitenden seit anderthalb Jahren zum ersten Mal "live" in den Offices zu sehen, muss ich sagen, dass der rein virtuelle Einstieg unfassbar gut funktioniert hat. Und nach wie vor ist die Nachfrage nach Young Talents in der Kommunikation hoch.

Welche Fähigkeiten/Qualifikationen sind wegen oder in Folge von Corona in der Kommunikation besonders gefragt?

Noch wichtiger als vor der Pandemie sind Flexibilität und Agilität, ebenso die Fähigkeit im internationalen Kontext und mit den unterschiedlichsten Kulturen zusammenzuarbeiten. Kommunikation ist mehr denn je ein Team-Effort.
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Tipp: Anja Guckenberger ist zu Gast beim PR Report Camp 2021. Auch in diesem Jahr findet die wichtigste Groß-Veranstaltung für den Nachwuchs und für Young Professionals komplett digital statt: vom 2. bis 5. November. Mit dabei sind viele renommierte Top-Profis aus Agenturen und Unternehmen, die in Ask-me-Anything-Sessions gelöchert werden können. Auch Anja Guckenberger. Jetzt kostenlos anmelden!
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Mit Blick auf den Nachwuchs/Young Professionals: Wo sehen Sie die größten Defizite?

Defizite finde ich ein schwieriges Wort im Zusammenhang mit Young Professionals, die ja gerade in den Beruf einsteigen. Ich erlebe vor allem sehr viel Engagement und Begeisterung für kreative und innovative Lösungen. Und das gesamte Potential eines Young Talents entfaltet sich durch die konkreten Erfahrungen des Agenturalltags, durch systematische Unterstützung (was Prozesse und Tools anlangt) einerseits und "learning by doing" andererseits.

Eine Fähigkeit, die ein moderner Kommunikationsprofi unbedingt braucht, aber an der Universität nicht lernt,
ist emotionale Intelligenz und Empathie, konkret: in den unterschiedlichsten Konstellationen und mit den unterschiedlichsten Menschen kollaborativ zusammen zu arbeiten und dabei immer die jeweilige Zielgruppe (intern oder extern) im Blick zu haben, sprich: sich in diese einfühlen zu können.

Ihre wichtigste Lehre aus der bisherigen Corona-Zeit ist,
dass die Pandemie viele positive Aspekte der Zusammenarbeit ermöglicht hat (zum Beispiel dass internationale Teams für Kund:innen digital/virtuell noch leichter zusammenarbeiten konnten). Dass es aber bei aller "Connectedness" elementar ist, die persönliche Connection zueinander nicht zu verlieren.

Unabhängig von Corona: Der schlechteste Rat, den Sie je bekommen haben, war:
"Mit einer Flasche Rotwein schreibt sich ein kreatives Konzept gleich viel einfacher." Mag sein, dass das für manche Menschen funktioniert. Ich brauche für Strategic und Creative Excellence einen klaren Kopf. Deshalb habe ich diesem Rat auch nie angenommen.

Ihr lehrreichster Fehler in Ihrer bisherigen Laufbahn war, bei einem Großprojekt zu Beginn meiner Karriere zu glauben, dass ich alle Workstreams allein im Blick haben könnte. In der Folge habe ich verantwortungsvolles Delegieren gelernt. Nur so kann man skalieren und wachsen.

Die wichtigste Mentorin/der wichtigste Förderer in Ihrer Laufbahn war ...
meine erste CEO bei Edelman, Cornelia Kunze. Sie hat mich gefördert und gefordert, und hat manchmal Entwicklungsmöglichkeiten und Karriereperspektiven für mich gesehen, bevor sie mir selbst klar wurden. Einfach weil sie meine Stärken (und Schwächen) sehr gut kannte und immer mein Potenzial gesehen hat.

Die wichtigste Frage, die Sie in jedem Bewerbungsgespräch stellen, lautet:

Aus welchem Fehler hast Du am meisten gelernt und warum. "Embrace failure" beziehungsweise "fail forward" ist gerade in der deutschen Kultur noch viel zu wenig verankert.

Dieser Satz von Bewerberinnen/Bewerbern und/oder Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern nervt Sie am meisten:

Ehrlicherweise gibt es nicht DEN einen Satz. Generell "nerven" mich aber Menschen, die immer nur erwarten, dass man Lösungen für sie herstellt, dabei aber keine eigenen Lösungsansätze entwickeln beziehungsweise miteinbringen.

Einen miesen Chef/eine miese Chefin erkennt man daran, dass er oder sie nur über sich redet und nicht genügend zuhört. Listening Skills sind meines Erachtens innerhalb der Leadership Skills unterschätzt.

Welches Buch sollten Kommunikationsprofis unbedingt gelesen haben und warum?

"The Culture Map" von Erin Meyer – unerlässlich für Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Nationalitäten – oder wie der Untertitel sagt: "Breaking through the invisible boundaries of global business".

Welchen Film sollten Kommunikationsprofis unbedingt gesehen haben und warum?
"Wag the Dog", eine Politsatire aus dem Jahr 1997 (!) mit Dustin Hoffman, Robert De Niro und Anne Heche. Einer meiner "all time favourites", da dieser Film fast hellseherisch – und sehr lustig – die politische Macht von Fake News beschreibt (und das schon sehr lange bevor es den Begriff "Fake News" gab).
 
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