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Giulia Bachmann
07.10.2021   30u30
"Öfter mal die Klappe halten"
Neunte Runde unserer Nachwuchsinitiative #30u30. In diesem Jahr mit dabei: Giulia Bachmann von Merck.
Giulia Bachmann arbeitet seit knapp vier Jahren beim Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck. Vor allem, aber nicht nur als Social-Media-Fachfrau: So startete sie den globalen Instagram-Kanal des Dax-Konzerns, unterstützte beim Linkedin-Profil von Ex-CEO Stefan Oschmann und half beim Aufbau des Newsrooms. Mit ihrer Beförderung zur Sprecherin für CR-Themen nahm sie die Verantwortung für Social Media mit in die Pressestelle.

Bachmann ist eine der ersten Working-Out-Loud-Mentorinnen bei Merck. Seit Mitte 2020 verantwortete sie im Rahmen einer Elternzeitvertretung die strategische Kommunikation von Innovationsprojekten des Merck Innovation Centers. Mut hat sie auch. Den Mut, einen geraden Karriereweg zu verlassen: Aktuell legt die 29-Jährige ein Sabbatical ein, um Freiwilligenprojekte im Ausland zu unterstützen.
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Giulia Bachmann im #30u30-Fragebogen

Stolz bin ich auf ... jeden, der mutig für andere einsteht und die Welt zu einem besseren Ort machen möchte. Die Toleranz in der Welt wächst zum Glück stetig weiter, aber es gibt noch viel zu tun bis wirklich alle gleichberechtigt sind. Jeden, der hier mutig voranschreitet, möchte ich unterstützen und feiern.

Im Jahr 2030 werde ich ... mit inklusiver, mutiger und transparenter Kommunikation spannende Projekte vorantreiben und für mehr Verständnis sorgen. Mehr Verständnis untereinander, mehr Verständnis für den Mehrwert von Produkten und Services oder auch im Krisenfall. Kommunikation ist im Kern immer das Senden einer Nachricht an einen bestimmten Empfänger. Aber genau dieser Empfänger steht im kommunikativen Berufsalltag der Unternehmenskommunikation noch nicht immer im Fokus, sondern es zählen die Wünsche des Senders und deren Ziele. Ich möchte mich dafür einsetzen, die Bedeutung von Zielgruppen (Empfängern) und deren (sprachlichen) Wünschen zum Maß aller Dinge zu machen. Egal ob es Kunden, Journalisten, Politiker oder Investoren sind. Die Unternehmenskommunikation sucht dabei stets nach der Messbarkeit ihrer Arbeit. Und obwohl man hier keine Verkäufe zählen kann, sollte die Zufriedenheit der Zielgruppen immer ausschlaggebend sein. Ich möchte bis zum Jahr 2030 herausfinden, wie man genau diese ohne aufwendige Studien regelmäßig und verlässlich messen kann.
 
Der wichtigste Trend in der Kommunikationsbranche ist ... offene, ehrliche und mutige Kommunikation, die perfekt auf ihre Zielgruppe angepasst ist. Hierfür ist es wichtig, den Sinn und Zweck des eigenen Unternehmens beziehungsweise Produkts gänzlich zu verstehen und welchen nachhaltigen Mehrwert dieses für die Gesellschaft hat. Man sollte sich, sein Unternehmen und die Produkte beziehungsweise Services stets hinterfragen und verbessern. Wenn man in der Kommunikation merkt, dass es schwerfällt den Mehrwert zu beschreiben, könnte es daran liegen, dass der Mehrwert nicht eindeutig oder nicht wichtig genug ist. Kommunikation kann solche Lücken aufzeigen, damit die Produktmanager entsprechend nachbessern können. Solch eine starke Partnerschaft macht aus Einzelspielern im Unternehmen eine starke Mannschaft und führt letztendlich zum Erfolg. Die Zeiten sollten endgültig vorbei sein, in denen man in der Kommunikation krampfhaft versucht, Mist für Gold zu verkaufen. Ehrlichkeit bringt nachhaltig weiter. 
 
Völlig überbewertet sind ... hierarchische Prozesse und politische Machtspielchen. Mit Transparenz, gegenseitigem Respekt und Ehrlichkeit kommt man viel weiter. Auch das Bedürfnis, im Beruf immer als unfehlbar wahrgenommen zu werden und Informationen nicht zu teilen, damit man selbst als einziges das gesamte Wissen hat, bringt uns nicht weiter. Solches Verhalten vergiftet die Teamkultur, und immer mehr Menschen lassen sich das (zum Glück!) nicht mehr gefallen.
 
Ein Top-Arbeitgeber muss ... seine Mitarbeiter wertschätzen, sie fördern und eine Umgebung schaffen, in der sie ganz sie selbst sein und ihr Potenzial voll ausschöpfen können. Jeder Einzelne bringt eine ganz besondere Kombination an Charakter, Erfahrung und Expertise mit. Genau dafür wurden sie ja auch eingestellt. Aber nur wenn sie ihr Bestes geben und frei von starren Prozessen denken können, entsteht Neues und Großartiges. 
 
Meine Mentorinnen/Förderer sind ... meine Kollegen, Vorgesetzte, Familie und Freunde. Ich hatte nie eine/n offizielle/n Mentor/in, aber ich habe so viel von anderen Menschen in meinem Umfeld gelernt. Viele Vorgesetzte und Kollegen teilen regelmäßig ihre eigenen Erfahrungen mit mir und wie sie aus Herausforderungen gelernt haben. Für diese Offenheit und ihr ehrliches Feedback mir gegenüber bin ich sehr dankbar. 
 
Ein guter Rat war ... öfter mal die Klappe zu halten. Das klingt nicht sehr feministisch, aber ist für Extrovertierte trotzdem ein sehr guter Rat. Als neugierige, gesprächige und selbstbewusste Frau antworte ich gerne auf jede Frage und teile gerne meine Ideen und Gedanken. Ich kann wirklich reden wie ein Wasserfall. Das ist etwas, worauf ich durchaus stolz bin, aber es hat auch Nachteile. Zum einen neige ich dazu, erste Ideen direkt auszusprechen, ohne sie gänzlich durchdacht und geprüft zu haben. Das ist grandios bei Brainstormings, aber nicht für alle Meetings geeignet. Zum anderen möchte ich introvertierten Kollegen damit mehr Gelegenheiten geben, ihre Meinung einzubringen. Anschließend kann ich immer noch meine Ideen ergänzen. Aber wenn ich immer als erstes oder einziges sprechen würde, entgingen uns viele tolle Ideen von stilleren Kollegen. Deshalb stoppe ich mich heutzutage bewusst, höre erst allen anderen zu und ergänze dann meine Punkte.
 
Ein Vorbild in der Kommunikation ist ... Greta Thunberg, da sie es geschafft hat, sich als junges Mädchen bei international führenden Wirtschaftsexperten, Politikern, und Journalisten Gehör zu verschaffen. Als junge Frau im Berufsleben ernst genommen zu werden, ist leider immer noch nicht selbstverständlich. Und Greta steht zudem vollkommen hinter ihrem Ziel und kämpft mit Überzeugung für eine bessere Welt.
 
Karriere bedeutet für mich … über sich selbst hinauswachsen, von anderen zu lernen und einen Mehrwert für andere zu kreieren. Mit wachsender Expertise und Erfahrung möchte ich auch mehr Verantwortung übernehmen und andere in ihrem Weg zu unterstützen. So wächst man gemeinsam und erreicht zusammen Großes.
 
Meine Lehre aus der Corona-Krise ist, dass wir alle Herausforderungen meistern können, wenn wir Verständnis füreinander haben und uns gegenseitig unterstützen. Noch nie war es so normal, sich im Kollegenkreis über berufliche wie private Herausforderungen zu unterhalten. Schwächen einzugestehen und um Hilfe zu bitten, wurde viel selbstverständlicher und teils sogar gefeiert. Dieser Mut zur Imperfektion kann heutzutage immer häufiger beobachtet werden und ist zum Beispiel auch bei Social-Media-Influencern sehr erfolgreich. Wenn Vorbilder – berühmte Persönlichkeiten, Vorgesetzte oder die eigenen Eltern – Schwächen zugeben, gibt einem das mehr Selbstvertrauen und stärkt das eigene Selbstwertgefühl. Daraus entsteht wieder mehr Mut – ein toller Kreislauf.
 
Alle Porträts des aktuellen #30u30-Jahrgangs lesen Sie im PR Report.


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