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News / Das ultimative PR-Buzzword-Wiki
Wer ältere PR-Kollegen verstehen will, sollte einige vergessene Begriffe kennen. (c) Angelina Ströbel / pixelio.de
15.12.2014   News
Das ultimative PR-Buzzword-Wiki
 
Die Geschichte der Public Relations ist auch eine Geschichte versunkener Begriffe. Ein Streifzug durch 50 Jahre. Wir wünschen viel Spaß beim Erinnern!

Kommunikationsmanagement. Alternativer Begriff für aufgewertete Pressesprecherei im Direktoren-Rang. Ging seit den 80ern einher mit dem Postulat, die Kommunikation gehöre in Unternehmen "an den Vorstandstisch". Trotz Nadelstreifenkostüm schafften es aber nur wenige dorthin.

Multi-Channel-PR. Dieser etwas in die Jahre gekommene Begriff markierte zu seiner Blütezeit die Abkehr von der Dominanz der Medienarbeit, war aber noch absenderorientiert in bester altbundesrepublikanischer Tradition.

New Economy. Versunkene Form des weitgehend virtuellen Wirtschaftens in den 90-ern mit vielen Ideen, die durch noch mehr Kapital unterstützt wurden, welches dadurch vernichtet wurde. Für ein paar Jahre bescherte die N.E. der PR-Branche sehr viele Arbeitsplätze und Aufträge - zu lasten von Qualität und Reflexion.

Online-PR. Früher Begriff für digitale Kommunikation, als so genannte EDV-Geräte noch Röhrenbildschirme hatten und Websites mit Frames arbeiteten.

Partnergeführte Agentur. Noch heute eine prima Organisationsform bis zu einer gewissen Größe. Der Versuch, in Deutschland ein solches Gebilde im größeren Stil als Alternative zu den internationalen Konzernen aufzubauen, hieß Kohtes & Klewes. Diese Agentur dominierte die Wachstumsphase der 90er, gab wichtige inhaltliche Impulse und brachte einige fähige Beratertypen hervor. Auf Partner-Ebene stritt man zuletzt heftig in bester multizentristisch-europäischer Manier - weshalb das Projekt letztlich scheiterte und heute eine Filiale der US-Kette Ketchum ist. Die profilierten Berater aus der goldenen Zeit sind heute wieder selbstständig unterwegs.

Presseverteiler. Zwischen 1950 und schätzungsweise 2007 das eigentliche Kapital von PR-Agenturen und PR-Abteilungen, das mittels unterschiedlich ausgereifter Technisierung verwaltet und gehütet wurde. Grundlage war die Existenz einer vielfältigen Presselandschaft, in der so genannte Redakteure journalistischer Arbeit nachgingen, anstatt von Google News abzuschreiben. 1976 beschwerten sich 50 vom PR Report befragte Wirtschaftsredakteure über die unglaubliche Masse von bis zu 100 Pressemeldungen pro Woche. Auf Podiumsdiskussionen präsentierten die heute weitgehend ausgestorbenen Journalisten den verdutzten PR-Leuten gern meterlange Papierschlangen mit Tickermeldungen aus dem Nadeldrucker.

Sozialbilanz. Versuch gesellschaftsbezogener Berichterstattung und Gesamtrechnung aller Unternehmensaktivitäten, der den mitarbeiterbezogenen Sozialbereich und das gesellschaftlich adäquate Verhalten eines Unternehmens umfasste. Die Begeisterung für S.n versandete in der zweiten Hälfte der 1970-er Jahre. Eine ähnliche Blüte erlebte später die Umweltberichterstattung.

Vertriebsunterstützende PR. Credo und Denkrichtung als rationalistisch wirkende Gegenbewegung zu abgehobenen PR-Definitionen wie ->Exzellenz oder ->CEO-Branding. Wurde später von der Begeisterung für Social Media und Content Marketing verschüttet.

Werkszeitschrift. Noch heute in Firmenmuseen und im produzierenden Gewerbe ohne Terminal-Zugänge anzutreffendes mediales Artefakt, bei dem die Geschäftsleitung ihre Sicht der Dinge an Mitarbeiter, Familien und Pensionäre verlautbart. Hierfür werden Seiten mit so genannter Druckerschwärze bedruckt. Nachteil: Technisch bedingt gibt es keine Nutzerprofile, und man kann Inhalte nicht teilen. Vorteil: Die Zielgruppe rezipiert.

Werte-Kompass. Tool aus einer Zeit, als Unternehmen viel Geld für Leitbildprozesse ausgaben und Corporate Change ein neues Phänomen war, bevor man begriff, dass der Wandel die Konstante ist.

Wertschöpfung. Aus dem in den frühen 90ern begonnenen Hype um Erfolgskontrolle und Evaluation hervorgegangene Bewegung, die in so genannten Balace Score Cards gipfelte. Es konkurrieren etliche Systeme, deren Autoren den Eindruck erwecken, dass niemand außer ihnen das jeweilige Prinzip versteht. W. bildet bis heute einen zentralen Baustein der strengen Rationalisierung der Unternehmens- und Organisationskommunikation mit standespolitischer Bedeutung im Hinblick auf das seit den Anfängen des Berufes kultivierte Aufwertungsbestreben.

Link zu Teil 1, von "Ausdifferenzieren" bis "Glaubwürdigkeit".

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