Please wait...
News / Am Anfang war die Saugpost
Bei den PR Report Awards 2014 ehrte die Jury Gerhard Pfeffer (Mitte) mit einem Sonderpreis für 50 Jahre Wirken in der PR-Branche. Pfeffer ist Gründer des „PR-Journals“ und amtierte früher als Geschäftsführer von DPRG, GPRA und DAPR./Foto: Claudia Dillmann
08.12.2014   News
Am Anfang war die Saugpost
 
Der Wandel der professionellen PR-Beobachter Es ist gut, dass der Berufsverband der PR-Menschen kritisch von Branchenbeobachtern in den Kommunikationsmedien „begleitet“ wird. Angefangen hat damit einst Dieter Zimpel in München. Seither hat sich einiges geändert. Von Gerhard Pfeffer

In den Grundzügen hat sich der PR-Beruf in den letzten Jahrzehnten wenig geändert. 1970 postulierte zum Beispiel Sabine Schürer-Wagner, Pressereferentin in der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Köln: „Alles in allem: der PR-Beruf ist vielseitiger als der journalistische Beruf. Er umfasst eine ständige unterrichtende, beratende, forschende und erzieherische Tätigkeit – wobei Gewandtheit in Wort und Schrift natürlich nicht fehlen dürfen.“ Könnte man fast auch heute noch so sagen…

Auch die 1958 definierten Ziele der DPRG Deutsche Public Relations Gesellschaft könnte man noch heute so formulieren:
Zusammenschluss der Fachleute auf dem Gebiet der Public Relations innerhalb der Bundesrepublik Deutschland. Pflege des Public Relations-Gedankens und gegenseitige berufliche Förderung durch Erfahrungsaustausch. Förderung des Nachwuchses auf dem Gebiet der Public Relations.
Es ist natürlich eine Menge an neuen Aufgaben und praktischen Umsetzungen und vor allem an theoretischem Wissen hinzu gekommen. Und in den letzten Jahren gab es eine rasante Weiterentwicklung: der Quantensprung durch die Onlinekommunikation, das Internet und Social Media. Dadurch wird natürlich auch das Bild der und über die Public Relations unschärfer.

Und auch deshalb war und ist es gut, dass der Berufsverband der PR-Menschen kritisch von Branchenbeobachtern in den Kommunikationsmedien „begleitet“ wird. Angefangen hat damit Dieter Zimpel in München. Der war bekannt geworden durch seine Loseblattsammlung mit Medienadressen und deren Ansprechpartnern sowie einem Redaktions-Themendienst.

Schon in den Jahren 1964/1965 hielt er es für notwendig, den PR-Aktivisten auf die Finger zu schauen und startete deshalb seinen „PR Report“ – auf gelbem Papier gedruckt. Und er war immer kritisch, erzielte große Aufmerksamkeit mit leidenschaftlichen, vielfach kontroversen Diskussionen. Erst 1970 folgte übrigens mit dem heutigen „prmagazin“ (damals noch „PR information“) der Verlag Rommerskirchen in Remagen mit einem Fach-Magazin für die Branche. Und 2004 schließlich als letztes wichtiges, gedrucktes Branchenmedium der „pressesprecher“. Dieser allerdings in einer Sonderrolle, weil er vor allem das Mitgliedermagazin für den BdP Bundesverband deutscher Pressesprecher ist, der sich zu der Zeit als Konkurrenzverband zur DPRG in Berlin etablierte und heute über 4.500 Mitglieder hat.

Ende der 70er Jahre verkaufte dann Zimpel den Informationsdienst an Lutz Böhme, einen Grandseigneur der PR mit eigener Agentur in Hamburg und Macher des Mediendienstes „text intern“. Sebastian Lorff-Kossow wurde sein Chefredakteur, der die kritische Branchenbeobachtung nach Zimpel-Art erfolgreich fortsetzte und ausbaute.

Tja, und dann kam meine gemeinsame Zeit mit dem „PR Report“. Ich selbst konnte in diesem Jahr meine 50-jährige Arbeit in der Public Relations/Öffentlichkeitsarbeit feiern und seit rund 25 Jahren bin ich nun mit den Kollegen in Hamburg „verbandelt“. Als Autor, Bonner Korrespondent, Ratgeber, Macher des PR-Rankings, Unterstützer und (konstruktiver) Kritiker. Daraus entwickelt sich nicht nur eine berufliche, sondern auch eine persönliche gute Freundschaft mit Sebastian Lorff-Kossow. Diese wurde dann nahtlos auf Sebastian Vesper übertragen. Dieser war als Lüneburger Student zunächst freier „PRR“-Mitarbeiter, stieg dann Ende der 90er Jahre als fester Redakteur ein und gestaltete dann vor allem den Wandel des „PR Report“ vom Branchendienst zum Branchenmagazin entscheidend mit. Ausschlaggebend dafür war sicher die Übernahme des „PRR“ durch den britischen Haymarket Verlag, der mit seinem Titel „PR Week“ das führende internationale Branchenmedium in Großbritannien, den USA und in Asien ist.

Vesper prägte mit seinem Wirken als Chefredakteur und seinen Auftritten bei unzähligen Branchenveranstaltungen Ansehen und Reputation des Mediums, das nun auf ein halbes Jahrhundert PR-Arbeit und journalistische „Begleitung“ zurück blicken kann. Und heute wirkt Nico Kunkel als Chefredakteur und „PRR“-Macher. Ich freue mich, auch mit ihm befreundet zu sein. Er hat neue Ideen umgesetzt, bereitet Neues vor. Vor allem hat er den „PRR“-Award zum bedeutendsten Branchenevent weiterentwickelt. Nicht zuletzt durch die Einbeziehung der Nachwuchsinitiative „#30u30“. Denn die gut ausgebildeten Nachwuchskräfte gestalten immer besser die Zukunft der Public Relations.

Die Bezeichnung „gelbe Saugpost“ in der Überschrift soll natürlich nicht unerklärt bleiben. Als die DPRG wegen finanzieller Manipulationen ihres Geschäftsführers zu Beginn der 80er Jahre in schwere Turbulenzen geriet, wurde dies natürlich von Lorff-Kossow im „PRR“ kommentiert. Dies gefiel dem damaligen Präsidenten Siegfried Tausch überhaupt nicht. Vor der versammelten DPRG-Landesgruppe NRW blaffte er den anwesenden „Lo-Ko“ an und bezeichnete den PRR als die „unwichtige, gelbe Saugpost aus Hamburg.“

Nun, der „PR Report“ hat’s überlebt – er schreibt heute noch über die Branche und den schönsten Beruf der Welt. Ob in zehn oder 20 Jahren auch noch – man wird sehen. Es wäre zu wünschen, wenn auch weiterhin kritische Zeitzeugen die PR-Branche beobachten.
 

Newsletter

Sie wollen immer auf dem Laufenden sein?

Magazin & Werkstatt