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News / Das ultimative Buzzword-Wiki
08.12.2014   News
Das ultimative Buzzword-Wiki
 
Historische Sprachforschung PR-Geschichte ist auch eine Geschichte versunkener Begriffe. Ein Streifzug durch 50 Jahre. Wir wünschen viel Spaß beim Erinnern!

Ausdifferenzieren. Rauschhaft auf den Podien der 2000er Jahre verwendete Bezeichnung der Enkel von Albert Oeckl bzw. Söhne von Jürg Leipziger. Verweist auf zunehmende inhaltliche Spezialisierung und ergo Bedeutungszuwachs des seinerzeit stark wachsenden Agentursektors, dessen Kehrseite Zersplitterung ist.

CEO-Branding. Euphorische Bezeichnung für Personenkult rund um Unternehmenslenker. War wichtig in Zeiten des Aktien-Booms und erlebte seinen Niedergang spätestens nach Joe Ackermanns „Victory-Geste“, in deren Folge Manager nicht mehr auffallen durften.

Corporate Identity. Unterschiedlich weit ausgelegter Begriff, der seit den 90ern Bücherregale füllt. Wurde oft mit Corporate Design verwechselt und taugte nie wirklich als Distinktionskriterium gegenüber den Werbern.

Dialogkommunikation. Zwischending auf dem Weg von hoheitlicher Absenderkommunikation der Adenauer-Republik zur Social-Media-getriebenen Pseudo-Demokratie heutiger Prägung. Die Leistung des Begriffs liegt in der frühen Erkenntnis der eingeschränkten Relevanz journalistischer Medien auf Meinungsbildung für die Bevölkerung. Sichtbarer Ausdruck von hoch dotierten D.-Kampagnen war eine Flut von „Infomobilen“ auf Marktplätzen. Ihre Erfinder entstammten meist dem Lehrer- oder Sozialpädagogen-Milieu nach 1968 und glaubten fest an die gesellschaftliche Relevanz solchen Tuns.

Erfolgsabhängige Honorierung. Skandalbegriff und Hasswort in den 2000er-Jahren, als der Kampf um Aufträge aufgrund von Massenzunahme im Agentursegment härter wurde. Etablierte Player wollten nicht einsehen, dass sie ihren Kunden nicht jeden Monat denselben Betrag in Rechnung stellen sollten.

Exzellenz. Von PR-Beratern alter Schule bis heute immer dann verwendet, wenn der Minderwertigkeitskomplex gegenüber Unternehmensberatungen mal wieder zu arg aufs Gemüt drückt. Praktisch: Der Begriff ist mächtig und schreit im ersten Moment nicht nach Belegen.

Glaubwürdigkeit. Über Jahre das prägende behauptete Differenzierungsmerkmal von PR gegenüber Werbung. Erlebte seine besten Zeiten in der Ära der - Dialogkommunikation.

Kommunikationsmanagement. Synonym für aufgewertete Pressesprecherei im Direktoren-Rang. Ging seit den 80ern einher mit dem Postulat, Kommunikation gehöre in Unternehmen „an den Vorstandstisch“. Trotz Nadelstreifenkostüm schafften es aber nur wenige dorthin.

Multi-Channel-PR. Dieser etwas in die Jahre gekommene Begriff markierte zu seiner Blütezeit die Abkehr von der Dominanz der Medienarbeit, war aber noch absenderorientiert in bester altbundesrepublikanischer Tradition.

Online-PR. Früher Begriff für digitale Kommunikation, als so genannte EDV-Geräte noch Röhrenbildschirme hatten und Websites mit Frames arbeiteten.

Partnergeführte Agentur. Noch heute eine prima Organisationsform bis zu einer gewissen Größe. Der Versuch, in Deutschland ein solches Gebilde im größeren Stil als Alternative zu den internationalen Konzernen aufzubauen, hieß Kohtes & Klewes. Diese Agentur dominierte die Wachstumsphase der 90er, gab wichtige inhaltliche Impulse und brachte einige fähige Beratertypen hervor. Auf Partner-Ebene stritt man zuletzt heftig in bester multizentristisch-europäischer Manier – weshalb das Projekt letztlich scheiterte und heute eine Filiale der US-Kette Ketchum ist.

Presseverteiler. Zwischen 1950 und schätzungsweise 2007 das eigentliche Kapital von PR-Agenturen und PR-Abteilungen, das mittels unterschiedlich ausgereifter Technik verwaltet und gehütet wurde. Sinnstiftende Grundlage für P. war die Existenz einer vielfältigen Presselandschaft, in der so genannte Redakteure journalistischer Arbeit nachgingen, anstatt von Google News abzuschreiben. Bereits 1976 beschwerten sich 50 vom PR Report befragte Wirtschaftsredakteure über die unglaubliche Masse von bis zu 100 Pressemeldungen pro Woche.

Vertriebsunterstützende PR. Credo und Denkrichtung als rationalistisch wirkende Gegenbewegung zu abgehobenen PR-Definitionen wie - Exzellenz oder - CEO-Branding. Wurde von der Begeisterung für Social Media und Content Marketing verschüttet.
 

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