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Stefan Hencke (Foto: zVg)
27.11.2020   Karriere
"Der Nachwuchs will zu schnell zu viel"
Ist der PR-Nachwuchs der Verlierer der Corona-Krise? Welche Fähigkeiten sind jetzt gefragt? Woran erkennt man miese Chefs? Stefan Hencke, CEO der Convensis Group, antwortet in unserem Karriere-Fragebogen.
Verändert die Corona-Krise den Arbeitsmarkt in PR und Kommunikation?
Hencke: Ja. Es wird Gewinner und Verlierer geben. Die Event- und Veranstaltungsagenturen haben größtenteils nur eine Überlebensfähigkeit, wenn sie sich digital aufgerüstet haben. Vom Leistungsportfolio breit aufgestellte Agenturen haben zumindest aus meiner Sicht bessere Marktchancen. Die Laufzeiten bei Verträgen werden sich verkürzen, da auch bei vielen Unternehmen die Planungssicherheit sinkt. Und letztlich wird die Kombination aus mobilen und Vor-Ort-Arbeiten das neue Normal. Praktika sind in der Corona-Zeit nur noch schwierig zu betreuen, weil deutlich weniger MitarbeiterInnen im Büro sind.
 
Tipp: Heute um 9:30 Uhr ist Stefan Hencke mit seiner Kollegin Laura Matz Gast bei einer "Ask-me-anything"-Session beim PR Report Camp. Die Teilnahme ist kostenlos.

Sind Berufs-Einsteigerinnen und -Einsteiger sowie Young Professionals in der Kommunikation die Verlierer der Corona-Krise?
Ja und nein. Junge MitarbeiterInnen sind flexibel, weil sie in der Regel noch keine Familie haben. Gleichzeitig sind sie in der Regel durch einen extrem hohen Digitalisierungsgrad gekennzeichnet. Nachteilig ist, dass das Lernen und persönliche Vermitteln von Inhalten deutlich erschwert wird. Bei MitarbeiterInnen mit mehr als zwei Jahren Berufserfahrung ist mobiles Arbeiten einfacher, da sie über praktische Erfahrungen verfügen.

Welche Fähigkeiten/Qualifikationen sind wegen oder in Folge von Corona in der Kommunikation besonders gefragt?
Selbstorganisation und Selbstmotivation im mobilen Arbeiten; sehr gute Kommunikationsfähigkeiten über technische und räumliche Distanz; hohe Empathie und Perspektivübernahme; Agilität im Denken und Handeln; technisches Verständnis.

Mit Blick auf den Nachwuchs/Young Professionals: Wo sehen Sie die größten Defizite?
Selbsteinschätzung am Anfang einer Karriere und die Geduld und wirkliche Bereitschaft, Erfahrungen zu sammeln. Sie wollen zu schnell zu viel.

Eine Fähigkeit, die ein moderner Kommunikationsprofi unbedingt braucht, aber an der Universität nicht lernt: Beratungskompetenz, die mit Erfahrung, Branchenkenntnis und gelebtem Krisenmanagement einhergeht. Agilität im Denken und Handeln. Und ganz wichtig: Zuhören und Fragen stellen.

Ihre wichtigste Lehre aus der bisherigen Corona-Zeit ist: Agilität und Flexibilität sind nicht nur Modewörter, sondern zunehmend wichtige Kompetenzen in der Zukunft.

Unabhängig von Corona: Der schlechteste Rat, den Sie je bekommen haben, war: "Kauf keine SAP-Aktien, die sind überbewertet." Vor zwanzig Jahren.

Ihr lehrreichster Fehler in Ihrer bisherigen Laufbahn war: Vor vielen Jahren habe ich zu offen, auch in der Öffentlichkeit, über das Thema BSE (Bovine Spongioforme Enzephalopathie) gesprochen, weil ich damals auch wissenschaftlich etwas damit beschäftigt war. Damals habe ich gelernt, dass es unterschiedliche Wege gibt, um auf ein Thema aufmerksam zu machen, und nicht nur einen einzigen Weg.

Die wichtigste Mentorin/der wichtigste Förderer in Ihrer Laufbahn war: Nicht eine Person. Meine Frau, meine Familie, meine Freunde, meine Kollegen und die Menschen. Dadurch lerne ich jeden Tag.

Die wichtigste Frage, die Sie in jedem Bewerbungsgespräch stellen, lautet: "Welche berufliche Krise haben Sie bisher erlebt und wie haben Sie sie gemeistert?"

Dieser Satz von Bewerberinnen/Bewerbern und/oder Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern nervt Sie am meisten: "Meine größte Stärke und zugleich Schwäche ist, dass ich sehr perfektionistisch bin."

Einen miesen Chef/eine miese Chefin erkennt man an: Hire & Fire-Mentalität, keine Empathie, keine Zukunftsvision.

Welches Buch sollten Kommunikationsprofis unbedingt gelesen haben und warum?
Edward Bernays' "Propaganda", weil er vieles auf den Punkt beschreibt, was auch heute noch funktioniert.

Welchen Film sollten Kommunikationsprofis unbedingt gesehen haben und warum?

"Wag the Dog", weil er Mechanismen der Manipulation - auch übertragbar auf Neue Medien - anschaulich zeigt. Und die politischen Hintergründe.
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Tipp: PR Report Camp 2020 online - jetzt kostenlos anmelden!


Dieses Jahr ist alles anders – auch das PR Report Camp. Die wichtigste Groß-Veranstaltung für den Nachwuchs und für Young Professionals findet vom 23. bis 27. November 2020 digital statt. 
Mit dabei sind Top-Profis von Siemens, Deutsche Post, FischerAppelt, Adidas, Microsoft, Fink & Fuchs, VW, 365 Sherpas, Otto, Komm.passion, Coca Cola, Hill+Knowlton, Vodafone, Deutsche Bahn, Bosch, Deutsche Bank, Convensis, Claas, Roland Berger, Montua Partner und Loesch Hund Liepold.

Das Programm 2020:

Ask Me Anything: Alles rund um Karriere und Einstieg. Stellt Eure Fragen und erfahrt mehr über die Arbeit von Top-Profis der Branche.

Masterclasses: Was hat moderne PR zu leisten? Kommunikationsprofis geben in 60-minütigen Sessions wertvolle Tipps und Tricks.

Panel: Wie hat Corona die Kommunikation verändert? Wie wirkt sich die Krise auf Karrierewege aus? PR-Report-Chefredakteur Daniel Neuen diskutiert mit renommierten Köpfen der Branche. Natürlich könnt auch Ihr Eure Fragen stellen.

Networking-Area:
Knüpft Kontakte und tausche Euch mit Gesprächspartnern spannender Unternehmen und Agenturen aus.

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