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Christof Ehrhart (Foto: Bosch)
05.11.2020   Karriere
"Stille ist manchmal das beste Mittel der Kommunikation"
Ist der PR-Nachwuchs der Verlierer der Corona-Krise? Welche Fähigkeiten sind jetzt gefragt? Woran erkennt man miese Chefs? Bosch-Kommunikationschef Christof Ehrhart antwortet in unserem Karriere-Fragebogen.
Verändert die Corona-Krise den Arbeitsmarkt in PR und Kommunikation?
Ehrhart: Nicht fundamental: Qualität wird sich weiter durchsetzen. Angesichts steigender Anforderungen und sinkender Budgets – das wird in einigen Branchen die Folge von Corona sein – erwarte ich aber in unserem Berufsfeld eine Interessenverlagerung von den Management-Skills auf die Kommunikationsfähigkeiten.

Sind Berufs-Einsteigerinnen und -Einsteiger sowie Young Professionals in der Kommunikation die Verlierer der Corona-Krise?

Für den PR-Nachwuchs werden sich Chancen und Herausforderungen die Waage halten. Wo Corona wirtschaftlich besonders hart zugeschlagen hat, ist der Einstieg natürlich schwierig. Aber an anderen Stellen sind die kommunikativen Fähigkeiten der Digital Natives-Generation mehr gefragt denn je.

Welche Fähigkeiten/Qualifikationen sind wegen oder in Folge von Corona in der Kommunikation besonders gefragt?

Kurzfristig sind sicher handwerkliche Fähigkeiten im Umgang mit den Tools der virtuellen Kommunikation besonders gesucht. Mittelfristig erwarte ich aber insbesondere eine höhere Nachfrage nach kreativen und inhaltlichen Fähigkeiten, die rasche Lösungen aus dem Team heraus ermöglichen.

Mit Blick auf den Nachwuchs/Young Professionals: Wo sehen Sie die größten Defizite?

Zunächst einmal hat der aktuelle Nachwuchs die größten Defizite dort, wo der Nachwuchs immer seine Defizite hat: bei der mangelnden Erfahrung, die man aber durch Flexibilität und Leistungsbereitschaft ausgleichen kann. So entstanden schon immer Karrieren und so wird das auch weiter sein. Wenn man sich von den jungen Kolleginnen und Kollegen etwas wünschen sollte, dann etwas weniger Fokus auf die digitale Verpackung und etwas mehr Leidenschaft für hochwertigen Inhalt.

Eine Fähigkeit, die ein moderner Kommunikationsprofi unbedingt braucht, aber an der Universität nicht lernt,
ist die Fähigkeit zur Reduktion von Komplexität, ohne dabei das Wesentliche außer Acht zu lassen. An der Universität besteht die Aufgabe meist darin, eine übersichtliche Fragestellung mit ausreichendem Vorlauf ausführlich zu behandeln. Im Kommunikationsmanagement ist die Anforderung regelmäßig, in einer eher unübersichtlichen Situation sofort eine klare Lageeinschätzung inklusive eines eindeutigen Rats zu geben.

Ihre wichtigste Lehre aus der bisherigen Corona-Zeit ist,
dass Stille manchmal das beste Mittel der Kommunikation ist – wenn man sie erträgt.

Unabhängig von Corona: Der schlechteste Rat, den Sie je bekommen haben, war,
keine schlafenden Hunde zu wecken. Die schlafen nie!

Ihr lehrreichster Fehler in Ihrer bisherigen Laufbahn war ... der Wechsel ins falsche Unternehmen. Ich sage nicht welches, aber so viel sei verraten: Es war sehr früh auf meinem Berufsweg, und ich habe das rasch korrigiert.

Die wichtigste Mentorin/der wichtigste Förderer in Ihrer Laufbahn war ...
akademisch mein Doktorvater Jürgen Domes, beruflich Manfred Harnischfeger, mein erster Chef bei Bertelsmann.

Die wichtigste Frage, die Sie in jedem Bewerbungsgespräch stellen, lautet:
Wollen Sie lieber zum Drehen großer Räder kleine Beiträge leisten oder eher zum Drehen kleiner Räder große Beiträge erbringen? Diese Frage sollte jeder für sich möglichst früh im Berufsleben entscheiden, weil davon die Passung in das berufliche Umfeld und seine jeweiligen Besonderheiten maßgeblich abhängt.

Dieser Satz von Bewerberinnen/Bewerbern und/oder Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern nervt Sie am meisten:
"Meine größte Schwäche ist meine Ungeduld."

Einen miesen Chef/eine miese Chefin erkennt man an ... der mangelnden Bereitschaft, die eigenen Fehler einzugestehen.

Welches Buch sollten Kommunikationsprofis unbedingt gelesen haben und warum?

"Der Mythos von Sisyphos" von Albert Camus, weil man so lernt, dass auch das tägliche Rollen des Steins glücklich machen kann, wenn man die richtige Einstellung findet.

Welchen Film sollten Kommunikationsprofis unbedingt gesehen haben und warum?
"The Century of the Self" von Adam Curtis. Eine britische Dokumentation, die zeigt, welchen Einfluss Sigmund Freud auf die Entwicklung des modernen Kommunikationsmanagements in Wirtschaft und Politik hatte.
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Tipp: PR Report Camp 2020 - Wir sehen uns online!


Dieses Jahr ist alles anders – auch das PR Report Camp. Die wichtigste Groß-Veranstaltung für den Nachwuchs und für Young Professionals findet vom 23. bis 27. November 2020 digital statt. Jetzt kostenlos anmelden!
 
Mit dabei sind Top-Profis von Siemens, Deutsche Post, FischerAppelt, Adidas, Microsoft, Fink & Fuchs, VW, 365 Sherpas, Otto, Komm.passion, Coca Cola, Hill+Knowlton, Vodafone, Deutsche Bahn, Bosch, Deutsche Bank, Convensis, Claas, Roland Berger, Montua Partner, Zalando und Loesch Hund Liepold.

Das Programm 2020:

Ask Me Anything: Alles rund um Karriere und Einstieg. Stellt Eure Fragen und erfahrt mehr über die Arbeit von Top-Profis der Branche.

Masterclasses: Was hat moderne PR zu leisten? Kommunikationsprofis geben in 60-minütigen Sessions wertvolle Tipps und Tricks.

Panel: Wie hat Corona die Kommunikation verändert? Wie wirkt sich die Krise auf Karrierewege aus? PR-Report-Chefredakteur Daniel Neuen diskutiert mit renommierten Köpfen der Branche. Natürlich könnt auch Ihr Eure Fragen stellen.

Networking-Area:
Knüpft Kontakte und tausche Euch mit Gesprächspartnern spannender Unternehmen und Agenturen aus.
 
Alle Porträts des aktuellen #30u30-Jahrgangs lesen Sie im PR Report.


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