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News / Angstzustände im Vergleich
13.11.2009   News
Angstzustände im Vergleich
 

Anfangs schien der H1N1-Virus ein Erreger wie jeder andere zu sein – zumindest medial. Nach überstandener BSE-Gefahr zwischen 2000 und 2001 und gebändigter Vogelgrippe fünf Jahre später folgte im April dieses Jahres eben die Berichterstattung über die „Neue Grippe“.

Erste Verwirrung entstand, als die mexikanische Regierung die Zahlen ihrer zunächst gemeldeten Todesfälle von 20 auf sieben Personen korrigieren musste. Das sollte bekanntlich nicht die einzige kommunikative Irritation während der weiteren Ausbreitung dieser Influenza-Variante bleiben. Spätestens als die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 11. Juli die Schweinegrippe zur Pandemie ausrief, mutierte die Krankheit hierzulande zum Pümpel des medialen Sommerlochs. Parallel dazu beklagte auch Europa erste Todesfälle.
Als die ständige Impfkommission am 12. Oktober die Impfung gegen die Schweinegrippe für ganz Deutschland empfahl und zugleich bekannt wurde, dass Politikern ein anderer Impfstoff verabreicht werden sollte als der übrigen Bevölkerung, erreichte die mediale Beschallung mit dem Thema einen weiteren gefühlten Höhepunkt. Doch was tut der mündige Bürger, während Wissenschaftler, Politiker und Journalisten gleichermaßen verunsichert scheinen, welcher Weg der sicherste durch die Pandemie ist? Er lässt sich von den sich zum Teil widersprechenden Meldungen nicht irritieren – zumindest, wenn man einer Umfrage von Infratest dimap vom 13. und 14. Oktober folgt. Demnach fühlten sich 82 Prozent der Deutschen über 18 Jahren durch die Diskussionen in den Medien über die Schweinegrippe wenig bis gar nicht verunsichert. Und impfen lassen wollten sich zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 21 Prozent. Das dürfte sich mit der auf 13 Schweinegrippe-Toten gestiegenen Zahl in Deutschland zwar geändert haben, erstaunlich sind diese Reaktionen dennoch.
Eine Erklärung für dieses Phänomen liefert jetzt eine Analyse des Medienbeobachtungsdienstes Ausschnitt: Die Schweinegrippe biete im Gegensatz zu BSE und Vogelgrippe nur wenige Möglichkeiten für eine bildgewaltige Berichterstattung. Da es keine verendeten Rinder oder tote Vögel zu zeigen gebe, beschäftigten sich die Medien längst nicht so intensiv mit der Schweinegrippe wie mit den anderen beiden Pandemien. So seien innerhalb von acht Monaten in zwölf meinungsführenden deutschen Zeitungen und Zeitschriften 5.000 Artikel zu BSE und 3.000 zur Vogelgrippe entstanden. Über die Schweinegrippe sollen bislang nur 2.000 Artikel verfasst worden sein. Allerdings: Zwischen dem ersten Auftreten des für den Menschen gefährlichen BSE-Erregers im Jahr 2000 und dem Spuk von H1N1 heute liegen technisch und medial gesehen Jahrhunderte.  (bb)

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