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Burkhard Zyber
28.08.2020   Wissen & Praxis
Direkt am Ohr
Warum Haribo mitten in der Corona-Krise einen Podcast für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestartet hat. PR-Chef Burkhard Zyber über Technik, Inhalte und Experimente.
Podcasts sind weiter auf dem Vormarsch. Und das nicht nur in der externen, sondern auch in der internen Kommunikation von Unternehmen (Tipp: Was das Medium in der PR bringt und wie Sie Podcasts selber machen können, zeigen wir Ihnen in unserer PR-Werkstatt)
 
Laut dem Internal Communications Monitor 2020 sind Podcasts zwar erst bei 26 Prozent der Befragten verfügbar (insgesamt nahmen 261 Kommunikatorinnen und Kommunikatoren aus ganz Europa an der Studie teil) und stehen nur bei 12,5 Prozent zur mobilen Nutzung bereit, aber: Mehr als 42 Prozent halten sie bereits für eher wichtig oder sehr wichtig.
 
Zum Vergleich: Bei der gedruckten Mitarbeiterzeitung und bei Rundschreiben sagen das nur rund 25 respektive 27 Prozent. Und: Bei der Frage, welche Kanäle künftig für die Nutzung in der internen Kommunikation geplant sind, rangieren Podcasts mit 15 Prozent sogar auf dem ersten Rang. Ein bekanntes Unternehmen, das bereits Podcasts in ihrer internen Kommunikation einsetzt, ist Haribo.
 
Haribo: Einfach mal machen
Die Corona-Krise war und ist eine Zeit der erzwungenen Experimente. Selten war der Druck akuter, selten die Gelegenheit passender, in der Kommunikation Neues auszuprobieren. So auch bei Haribo. Die Gummibärchen-Firma startete in der Pandemie einen Podcast, um auf die sich überschlagenden Ereignisse und den erhöhten Informationsbedarf der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen viele im Homeoffice waren, schnell und einfach zu reagieren. In diesem Ausnahmezustand sei er sogar ein zentrales Kommunikationsinstrument gewesen, heißt es.
 
„Ein Podcast erschien uns als probates Mittel, auch weil er persönlicher und damit emotionaler anspricht“, sagt Burkhard Zyber, Leiter Unternehmenskommunikation von Haribo Deutschland. „In nur zwei Tagen haben wir die technischen Voraussetzungen geschaffen, das Konzept entwickelt, die erste Folge aufgenommen und online gestellt.“
 
Anfangs drehte sich thematisch viel um Corona: So erläuterte der Betriebsarzt Fragen zum Verhalten bei Symptomen oder zum Schutz vor Ansteckung, es ging um Hygiene- und Präventionsmaßnahmen, Homeoffice-Regelungen und die Auswirkungen der Pandemie auf Logistik und Produktion.
 
Haribo verfolgt einen pragmatischen Podcast-Ansatz. Zeitlich flexibel soll es sein und kurzfristig umsetzbar. Daher richte sich die Redaktionsplanung stark nach dem aktuellen Geschehen, eine feste Erscheinungsweise gebe es nicht. So produzierte der Süßwaren-Hersteller in der Hochphase der Pandemie zwei Folgen pro Woche, derzeit ist es eine. Bei akuten Themen reagiere man aber spontan.
 
Mit Bordmitteln
Der Podcast soll langfristig als Medium der internen Kommunikation etabliert werden, das unterhaltsame und persönliche Einblicke in den Arbeitsalltag und die Projekte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen des Familienunternehmens erlaubt – auch jenseits des Themas Covid-19.
 
Der Haribo-Podcast heißt „Nachgefragt!“ – und der Name ist Programm: Es handelt sich um Interviews und Gesprächsrunden mit internen Expertinnen und Experten wie dem Corona-Präventionsteam, dem Leiter der Rechtsabteilung und dem Kantinen-Chef.
 
In den ersten zehn Folgen wurde mit verschiedenen Längen experimentiert. Nach den Erfahrungen von Zyber funktioniert das Format optimal, wenn es kurz und knapp informiert sowie im Idealfall auch unterhält: „Das Feedback der Hörerinnen und Hörer hat uns schnell gezeigt, dass der Podcast am besten ankommt, wenn er zwischen fünf und zehn Minuten lang ist.“
 
Das Audio-Format richtet sich potenziell an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Haribo: ob im Werk, im Außendienst oder in der Verwaltung. Der Zugang erfolgt über das Intranet. Dort wird eine neue Folge als „Top News“ veröffentlicht und steht eine Woche lang im Header der Startseite. Bei dringenden Themen wird der Link zur jeweiligen Folge zusätzlich per E-Mail verschickt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Produktion können den Podcast über Bildschirme im Pausenraum oder über verschriftlichte Aushänge verfolgen. Den Erfolg misst Haribo anhand der Zugriffszahlen und einer Like-Funktion.
 
Redaktion, Moderation und Produktion erledigt die Unternehmenskommunikation, beim Schnitt und bei der Nachbearbeitung hilft ein Dienstleister. Haribo nutzt vor allem Bordmittel, heißt: Die Ausrüstung besteht aus Smartphones und dafür geeigneten Mikrofonen, ein Studio gibt es bislang nicht. Auch um effizienter zu werden, soll aber „wahrscheinlich“, wie es heißt, in eine professionellere Ausstattung und in bessere Aufnahmebedingungen investiert werden.
 
„Manchmal hilft es, einfach loszulegen, zu lernen und dadurch besser zu werden. Für uns stand der Inhalt im Vordergrund, weniger die Form“, sagt Zyber. „Wenn Sie spannende Geschichten erzählen oder komplexe Themen diskutieren möchten, geht das bei diesem Format zunächst auch ohne Hightech-Ausstattung oder Audio-Profis.“ Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden technische Qualitätsverluste verzeihen, wenn der Inhalt stimme.
 
Tipp: Bei diesem Text handelt es sich um einen Auszug aus der aktuellen Ausgabe. Lesen Sie darin, warum Audi bei seinem internen Podcast einen völlig anderen Ansatz fährt als Haribo, welche Strategie der Autobauer verfolgt und welche Audio-Inhalte am besten funktionieren.
 
Tipp II: So gehen Podcasts in der PR – was das Medium in der PR bringt und wie Sie Podcasts selber machen können, zeigen wir Ihnen in unserer PR-Werkstatt.

 

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