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02.12.2014   News
"Die Lippen sind versiegelt und die Finger verkrampft"
 
Die Juryarbeit beim Eurobest-Kreativfestival ist geschafft. Eine interessante und lehrreiche Erfahrung geht zu Ende, und nun ist noch ein bißchen Zeit übrig, das Festival zu genießen und Alvar Aaltos kreatives Masterpiece, die Finlandia-Hall, ab jetzt durch den Haupteingang zu betreten.

In der PR-Jury hat sich ein sehr nettes Team aus 10 Ländern, in der Zusammensetzung sorgsam die unterschiedlichen Agenturnetzwerke und -typen quotierend, mit viel Verve und einiger Freude durch Europas kreativste PR-Cases des letzten Jahres gearbeitet.

Die erste Aufgabe bestand darin, alle 277 Arbeiten, welche die Vorjurierung im Vorfeld des Events überlebt haben, auf ihre Tauglichkeit für die finale Shortlist zu überprüfen. Übrig blieben nach dem ersten Jurytag gestern rund 50 Arbeiten, die hier veröffentlicht werden.

Ich verrate: Nichts!

Im zweiten Schritt hat sich die Jury heute auf die Gewinner von Bronze, Silber und Gold geeinigt sowie aus der Mitte der goldenen Kandidaten auch den würdigen Grand Prix-Winner gekürt - das alles ist aber Verschlusssache bis zur Preisverleihung Mittwoch abend und bis dahin sind die Lippen versiegelt und die Finger verkrampft.
Nicht vom Schweigegelübte betroffen ist das Kontemplieren über Trends und Learnings - #createdebate eben, wie von Eurobest erbeten. Aus den Diskussionen in der PR-Jury lässt sich hierfür einiges entnehmen.

Wie mir ähnlich aus eigentlich allen PR-Jurys in Cannes oder @Eurobest in der Vergangenheit zu Ohren gekommen ist, benötigt die Selbstbestimmung von PR im Lichte der Einreichungen viel Gesprächsanteil. #createdebate: Was ist (noch) PR und schon Branded Content oder Digital oder Media? Obwohl Paid von allen als selbstverständliches Element von PR akzeptiert wird, gibt es (noch undefinierte) Grenzen "out of bounds". Welchen Stellenwert hat die Schönheit der Idee vis à vis der medialen Reichweite? Was ist digital und was ist social?

Problem: Die Kategorisierung

Es zeigt sich meiner Ansicht nach, dass ein Geburtsfehler der PR-Kategorie in der Welt von Cannes (und übrigens vermutlich auch des ADC) die Übernahme etablierter Unterkategorien aus den PR-Wettbewerben Sabre, PR-Report Award etc. ist. Während diese innerhalb der Insider-PR-Community Bedeutung besitzen, wird ihre objektive Unschärfe dann deutlich, wo sich in multidisziplinären Wettbewerben Schnittmengen bilden. #createdebate: Muss nicht "brand voice" Teil von "Corporate Reputation" sein? Welchen Stellenwert haben Branchenkategorien wie "FMCG"? Ist Sponsoring auch Media Relation?

Eine weitere Herausforderung zeigt sich im Bereich Evaluation. Das Durcheinander von Kronen-Euro-Pfund-Dollar und Visits-Mentions-Impressions-Kontakte-Reichweite ist unvergleichlich anstrengend, zumal in ambitionierten Kategorien wie "Costs/Creative Performance PR Campaign". #createdebate: Könnte die PR-Kategorie (so wie Media oder Online) standardisierte KPIs haben, in denen der Erfolg von Kampagnen branchenweit einheitlich beurteilt wird? Und auch noch in/mit der gleichen Währung agieren?

Ein Zwischenfazit: Die PR ist angekommen in den Festivals und hat tolle Arbeiten gezeigt, aber auch noch immer Aufholarbeit vor sich im Vergleich zum reiferen Selbstverständnis anderer Kreativitätsdisziplinen. Gut zu wissen, dass man Debatten kreieren kann.

Jan Dirk Kemming ist Kreativchef bei Weber Shandwick in Deutschland
 und vertritt Deutschland in der PR-Jury des Eurobest Kreativ-Festivals 2014 vom 1. bis 3. Dezember in Helsinki.

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