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News / Covid-19: Reaktionstypen parallel ansprechen
Ortwin Renn (Foto: David Ausserhofer)
21.05.2020   News
Covid-19: Reaktionstypen parallel ansprechen
Die Proteste gegen die Auflagen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zeigen, dass vielen Menschen die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen zuletzt nicht mehr vermittelt werden konnte. Was Politik, Wissenschaft und Wirtschaft gerade jetzt bei ihrer Kommunikation in der Krise beachten sollten, erläutert Ortwin Renn, Direktor des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) in Potsdam.

In einem Beitrag für die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) mit dem Titel "Gute Kommunikation in der Krise" benennt Renn drei Zielgruppen der Kommunikation mit verschiedenen Verhaltensmustern. Sie reagieren unterschiedlich auf Bedrohungslagen:

Totstell-Muster
("Mir wird schon nichts passieren", "Ich mache weiter mit meinen gewohnten Routinen")
Flucht-Muster
("Ich muss mich von allem fernhalten, was mich bedroht")
Kampf-Muster
("Ich muss aktiv gegen das aggressive Virus handeln", Fokussierung auf Ersatzobjekte wie vermeintliche Sündenböcke (etwa Chinesen) oder Personen, die die Auflagen nicht ernst genug oder zu ernst nehmen).

Botschaften zur Corona-Pandemie in Richtung der gesamten Öffentlichkeit würden, so Renn, immer von Vertretern aller drei Muster (zum Teil sogar in einer Person) gleichzeitig gehört. "Informationen, die für das eine Muster passend sind, sind für die anderen beiden Muster mitunter geradezu kontraproduktiv." Deshalb müssten die Protagonisten folgendes beachten, damit ihre Krisenkommunikation erfolgreich ist:

- Diejenigen, die zum Totstellmuster, also eher zur Verharmlosung des Risikos neigen, kann man am besten dadurch erreichen, dass man entweder an ihren Altruismus appelliert, dass sie damit auch andere schützen, oder aber deutlich macht, dass auch sie in Zukunft betroffen sein können, wenn das exponentielle Wachstum anhält.
- Diejenigen, die zum Fluchtmuster neigen, müssen in ihrem Verhalten bestärkt werden. Gleichzeitig ist es wichtig zu verdeutlichen, dass eine zu starke Abkapselung im eigenen Heim andere Risiken verstärkt, wie etwa die Zunahme häuslicher Gewalt, die Dehydrierung, Mangelernährung, Bewegungsmangel oder der Verlust von sozialen Kontakten. Wichtig ist es, dass hier zu Nachbarschaftshilfe, aber auch der Zugang zu IT-basierten Kommunikationskanälen an diese Gruppe ermöglicht und dazu ermutigt wird.
- Menschen, die zum Kampfmuster neigen, benötigen Ersatzobjekte oder Ersatzhandlungen, um ihren Tatendrang und zum Teil ihre Aggressionen auszuleben. Hier kann man versuchen, konstruktive und zur Krisenbewältigung sinnhafte Handlungen zu initiieren, etwa freiwillige Einkaufsdienste, Herstellung von einfachen Atemmasken, IT-Beratungen für darin wenig Geübte oder logistische Hilfestellungen.

Alle drei Muster gezielt anzusprechen, lässt sich nach Aussage Renns nur schwer in eine allgemeine flächendeckende Krisenkommunikation einbinden. Vielmehr können dafür dezentrale Hotlines durch Kommunen und freiwillige Dienste eingerichtet oder ausgebaut werden, deren Personal für diese Fragestellungen kurzfristig geschult werden muss.

Der gesamte Beitrag in voller Länge ist auf acatech.de zu finden.

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