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News / Öfter mal den Chruschtschow machen!
Volker Klenk
18.11.2014   News
Öfter mal den Chruschtschow machen!
 
Noch habe ich ein Kundenkonto bei Amazon. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich Ende 2015 noch dabei bin, sinkt von Tag zu Tag. Denn die aktuellen Enthüllungen rund um Luxemburg-Leaks zeigen, mit welchen legalen Steuertricks unzählige Konzerne ihren finanziellen Beitrag zum Gemeinwesen vermeiden. Amazon ist dafür nur ein Beispiel unter Vielen: erfolgreich, global, smart - aber eben auch sehr widersprüchlich.

Die bester Steuerberater vs. die besten Kommunikationschefs

Um bei den Steuern möglichst viel "rauszuholen", werden die besten Anwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer angeheuert. Ergebnis: kleine, mittelständische, nationale Unternehmer Zahlen 40 Prozent Steuern. Weltkonzerne 4 Prozent. So zumindest bringen es aufgeregte Politiker dieser Tage auf den Punkt.

Am Tisch der CEOs sollten aber auch die besten Kommunikationsberater sitzen. Die Geldgeier sind für den kurzfristigen Profit, Zufriedenheit der Aktionäre zuständig. Wir Kommunikatoren für Reputation, Licence to operate, belastbare Beziehungen zu allen wichtigen Stakeholdergruppen.

Jedem mit gesundem Menschenverstand, Weitblick und einem Mindestmaß an Verantwortung muss einleuchten, wer mehr Gewicht haben sollte. Leider sind in der Realität die Machtverhältnisse allzu oft umgekehrt.

Müssen mehr Kommunikationschefs wie einst Nikita Sergejewitsch Chruschtschow in der UN-Vollversammlung mit dem Schuh auf den Tisch hauen, um sich Gehör zu verschaffen? Vielleicht. Auf jeden Fall dürfen sie nicht schweigen. Sondern müssen aufzeigen, welche verheerenden Auswirkungen solche Strategien im Zeitalter von Social Media, Transparenz, Empörungsjournalismus und wachsender sozialer Ungleichheit haben können.

Bärendienst an der Gesellschaft

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Nicht alles was legal ist, ist legitim. Unternehmen, die von der Gesellschaft nur nehmen, aber nicht geben wollen, stehen zu Recht am Pranger. Sie leisten sich und uns allen im Übrigen einen Bärendienst: Denn sie verstärken den ohnehin schon besorgniserregenden Vertrauensverlust in Wirtschaft und Politik.

Hätte Robert Bosch solche Steuertricks angewendet? Wohl nicht. Sein Kredo war: "Lieber Geld verlieren als Vertrauen." Mein Vertrauen in die Amazons dieser Tage erodiert.

Dr. Volker Klenk ist Vorstand der Klenk & Hoursch AG, Agentur für Corporate & Brand Communications in Frankfurt am Main.

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