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Linda Schipp (c) privat
11.12.2019   30u30
Tagsüber Beraterin, nachts Buchautorin
Die Nachwuchsinitiative #30u30, unsere jährliche, exklusive Auswahl talentierter Aufsteiger in der Kommunikationsbranche, ging in diesem Jahr in die siebte Runde. Mit am Start: Linda Schipp (25) von Achtung Mary.
Dass Linda Schipp "etwas mit Werbung" machen will, wusste sie schon im Alter von 14 Jahren. "Der Unterschied zur PR war mir damals noch nicht so klar", räumt sie heute ein. Noch früher, mit drei Jahren, "schrieb" sie ihr erstes Buch. Das heißt: Schipp malte Schlangenlinien in ein Notizheft und las ihrer Mutter daraus vor. Aus ihrer Leidenschaft wurde mehr: die Romane "Verdammt nah am Himmel" und "Memories To Do". Ein dritter ist in Arbeit.

Möglich macht das ihre Vier-Tage-Woche bei Achtung Mary in Düsseldorf. Dass ihr Job dort "zu ihrem Leben passt und nicht umgekehrt", ist der Account Managerin wichtig. Ihr erster Kontakt zu Achtung- Mary-Gründerin Babette Kemper war ein Praktikum bei Ketchum Pleon in Düsseldorf. Kemper leitete damals den Standort. Später wechselte Kemper zu Ogilvy und holte Schipps Praktikumsbetreuerin Vanessa Schmidtke nach. Nach ihrem Kommunikationswissenschaftsstudium in Münster machte die heute 25-Jährige das Trio bei Ogilvy wieder komplett – bis Kemper Anfang 2019 Achtung Mary ins Leben rief und Schipp mit ins Boot nahm. "Linda handelt, nachdem sie vorher gut zugehört hat", heißt es in ihrer Nominierung.
 
Stolz bin ich auf … meine beiden All-Age-Romane. Tagsüber bin ich von ganzem Herzen Kommunikationsberaterin – nachts Buchautorin. Für mich ist das Buch ein unheimlich kraftvolles Medium und ich finde es spannend, Parallelen zwischen der Buchwelt und der Kommunikationsbranche zu ziehen. Beispielsweise können wir von guten (Buch-)Autoren noch immer eine Menge zum Storytelling-Handwerk lernen. Zudem zeigt so manches Sach- oder Jugendbuch, wie man gesellschaftlich relevante Themen so zur Sprache bringt, dass man nachhaltig etwas in den Köpfen der Zielgruppe bewegt.

Im Jahr 2030 werde ich … viel Erfahrung gesammelt haben, die ich dann an den Nachwuchs weitergeben kann. Ich war und bin froh, wenn mir jemand in entscheidenden Momenten Tipps und Hilfestellungen geben kann. Diese Möglichkeit möchte ich gerne auch dem zukünftigen PR-Nachwuchs bieten 

Der wichtigste Trend in der Kommunikationsbranche ist ... Haltung zu zeigen. Als Marke sollte man darüber hinausgehen, eine Meinung zu brancheneigenen Themen zu vertreten. Wer sich in gesellschaftlich relevante – oder sogar politische – Themen involviert, leistet nicht nur einen wertvollen Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs, in dem jede Stimme wertvoll ist. Er oder sie verdient sich damit auch den Respekt der Zielgruppe und vermag es in einer Zeit des Informationsüberflusses nachhaltig Eindruck zu hinterlassen. 

Völlig überbewertet ist … die Pitch-Präsentation als Hauptauswahlkriterium anzusetzen. Oft wird in Agenturauswahlprozessen in erster Linie auf die hübschen Slides geschaut, die vorzugsweise einen Blumenstrauß schlüsselfertiger Ideen enthalten, vielleicht aber von einem ganz anderen Team erstellt wurden, als dem, das den Kunden im Alltag betreut. Viel wichtiger sollte es im ersten Schritt sein, dass die Chemie, die Vision und die Zielsetzung der Menschen übereinstimmen, die im Alltagsgeschäft zusammenarbeiten sollen. Manchmal ergibt es daher vielleicht Sinn, als Kunde die potenziellen Agenturpartner einschließlich der künftigen Ansprechpartner (!) erst mal zum Frühstück einladen. Und niemand darf eine Keynote mitbringen.

Karriere bedeutet für mich ... im heutigen Sprachgebrauch immer noch häufig „Treppchensteigen“. Ich wünsche mir, dass sich das allgemeine Verständnis wandelt: sodass „Karrieremachen“ nicht „höher im Level aufsteigen“ meint, sondern „ein immer besseres Verständnis dafür bekommen, worin man richtig gut ist und wofür man wirklich brennt“. Es sollte dabei um die persönliche – im Sinne von menschliche – Entwicklung gehen.

Ein Top-Arbeitgeber muss … jeden Mitarbeiter einzeln verstehen und sich für das Individuum stark machen. Ich lege – als stereotypes Beispiel für die Generation Y – beispielsweise viel Wert auf eine ausgewogene Work-life-balance und eine flexible Arbeitskultur. Die Arbeit muss zum Leben passen, nicht umgekehrt. achtung! Mary macht das möglich, beispielsweise durch flexible Arbeitszeiten, Home-Office, maximales Vertrauen in die Mitarbeiter oder – in meinem Fall aufgrund der Autorentätigkeit – eine Vier-Tage-Woche. Wenn die persönlichen Eigenschaften und die Lebenssituation perfekt mit dem Job harmonieren: Das macht für mich einen Top-Arbeitgeber aus. 

Von einem einem guten Mentor erwarte ich, dass ... er oder sie erkennt, was ich noch lernen muss und mich genau darin fördert. Wie auch der Mentor in der klassischen Heldenreise muss ein/e gute/r Mentor/in seine/ihre Rolle mit Leidenschaft verfolgen und sich der Verantwortung stets bewusst sein. Für mich ist ein Mentor nicht nur Vorbild in Tun und Handeln, sondern auch in seiner Geisteshaltung und Einstellung. Wichtig sind dabei vor allem kritisches Feedback und Ratschläge für Verbesserungen.

Ein guter Rat war ... meinen Arbeitgeber nie aufgrund des Agentur- oder Unternehmensnamens auf dem Türschildchen auszuwählen, sondern anhand der Führungskraft, die mich leitet. Der Alibaba-Gründer und CEO Jack Ma sagte mal: “When you are 20 to 30 years old, you should follow a good boss (and) join a good company to learn how to do things properly.” Das passt. Unsere Generation möchte immer schneller weiterkommen, bspw. nach jahrelangem Studium am liebsten das Traineeship überspringen. Wichtig finde ich, bei aller Qualifikation und Ausbildung nicht aus den Augen zu verlieren, dass es in den ersten Berufsjahren vor allem verdammt viel zu lernen gibt. Die Kommunikationsberatung ist ein diffiziles Handwerk. 

Ein Vorbild in der Kommunikation ist ... entsprechend dem guten Rat, dem ich folge, die Person, in deren Agentur ich arbeite: Die Gründerin von Achtung Mary, Babette Kemper. Sie hat ein einmaliges Gespür für Kommunikation sowohl in Richtung Kunde als auch in Richtung ihrer Mitarbeiter – und lässt auf Worte immer Taten folgen.
 
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