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Christiane Schulz
01.11.2019   Karriere
"Nicht jeder Kunde möchte beraten werden"
Schlechte Ratschläge, lehrreiche Fehler, fiese Fangfragen: In einer Serie blicken renommierte PR-Profis auf ihre Laufbahn zurück – und verraten, worauf sie bei Bewerbern achten. Diesmal: Christiane Schulz, neue Deutschland-Chefin von Edelman.
Der schlechteste Rat, den ich je bekommen habe war ...
Ich habe lange überlegt, ich kann mich an keinen schlechten Rat erinnern. Vielleicht habe ich ihn erfolgreich verdrängt – so wie Profigolfer schlechte Schläge verdrängen – oder ich habe nie einen erhalten, ich weiß es nicht.
 
Mein lehrreichster Fehler in meiner bisherigen Laufbahn war ...
Ich, war Anfang dreißig und habe für einen großen Kunden den Geschäftsbericht als Kundenberaterin verantwortet. Der Kunde wollte bestehende Fotos verwenden und ich war bei ihm vor Ort, um die Fotos mit ihm auszuwählen. Der Kunde wählte Fotos aus, die überhaupt nicht zum Geschäftsberichtskonzept passten, welches wir zuvor gemeinsam verabschiedet hatten. Ich fing an – erst sehr vorsichtig – dies zu äußern und als der Kunde nicht drauf einging, wurde ich bestimmter und erklärte, warum diese Bilder nicht funktionieren. Am nächsten Tag wurde ich zu meiner Chefin gerufen, die mich vom Projekt abzog und vom Kunden runter nahm. Der Kunde hatte sich beschwert, dass ich „vorlaut“ sei. Ich hingegen hatte nur die Absicht den Kunden im besten Sinn des Konzeptes zu beraten. Hier habe ich gelernt, dass nicht jeder Kunde beraten werden möchte und es nicht funktioniert „Beraterin sein zu wollen“, wenn der Kunde einen nicht in dieser Rolle akzeptiert. Zu diesem Learning, gibt es bei Frage 11 ein Buchtipp.
 
Der wichtigste Mentor/Förderer in meiner Laufbahn waren ...
... meine Eltern. Ich denke, sie haben den Grundstein für meine Laufbahn gelegt. Sie haben mir immer das Gefühl gegeben ich kann alles werden, was ich will und mich ermutigt Dinge auszuprobieren. Frank Behrendt hat sicherlich auch eine zentrale Rolle als Förderer gespielt, denn er hat mir meine erste größere Führungsaufgabe anvertraut – das war damals die Verantwortung für einen Agenturstandort.
 
Die wichtigste Frage, die Sie in jedem Bewerbungsgespräch stellen, lautet ...
Wichtiger als eine bestimmte Frage ist für mich der erste Eindruck, denn dieser ist auch sehr wichtig beim Aufbau von Kundenbeziehungen. Hier ist für mich z. B. die Begrüßung durch einen festen Handschlag und der Blick in die Augen ein Signal dafür, dass jemand sehr bewusst in diesen Moment auftritt. Wenn jemand zum Gespräch eingeladen wird, ist davon auszugehen, dass die fachliche Qualifikation sehr gut ist und stimmt. Mein Motto ist generell „hire for attitud train for skills“ und daher ist es für mich wichtiger den gesamten Auftritt der Person zu evaluieren, als eine bestimmte Antwort auf eine Frage zu bekommen.
 
Dieser Satz von Mitarbeitern nervt am meisten ...
„Wir haben/hatten keine Zeit für ...“ Der Satz ist für mich eine Ausrede. Ich frage dann immer, ob sie sich denn diese Zeit im Kalender eingeplant haben bzw. hatten. Hier werde ich zu 99,9 % mit großen Augen angeschaut. Wenn ich mir nicht explizit die Zeit im Kalender für egal was einplane, dann werde ich auch nicht die Zeit haben, mich damit zu beschäftigen. Verantwortlich für diese Planung ist jeder selber.
 
Mit Blick auf den Nachwuchs/Young Professionals: Wo sehen Sie die größten Defizite?
Fachlich sind die meisten heute top ausgebildet. Mein Eindruck ist, dass die sachlich kritische Auseinandersetzung mit Themen etwas ist, das nicht so geübt ist und eher als unangenehm empfunden wird. Für unseren Job ist diese Fähigkeit jedoch sehr wichtig.
 
Eine Fähigkeit, die ein moderner Kommunikator unbedingt braucht, aber an der Universität nicht lernt ...
Besonders Softskills rund um Leadership, wie z. B. Problemlösung, Entscheidungsfindung, Moderation oder Mut zur Lücke, sind wichtige Eigenschaften, die ein moderner Berater braucht. Diese Fähigkeiten werden aus meiner Sicht nicht gezielt an der Universität oder Hochschule vermittelt.
 
Einen miesen Chef erkennt man an ...
... dem eigenen Bauchgefühl und man sollte diesem vertrauen.
 
Die größte Chance der Kommunikationsbranche ist ...
... es Dialoge zu gestalten und so einen Beitrag zur Entwicklung, Förderung und zum Schutz von Unternehmen und Marken zu leisten. Diese Maßnahmen bauen Beziehungen und letztendlich Vertrauen auf und ermöglichen, Entwicklungen bzw. die Gesellschaft positiv zu beeinflussen.
 
Das größte Problem der Kommunikationsbranche ist, ...
... dass sie auch „eine Blase“ ist und dies manchmal vergisst.
 
Welches Buch sollten Kommunikationsprofis unbedingt gelesen haben und warum?
Wer im Beratungsgeschäft tätig ist, sollte auf jeden Fall das Buch „The trusted Advisor“ von David Maister gelesen haben – nicht nur einmal. Es ist ein Klassiker, wird von einigen auch „die Bibel der Beratung“ genannt und enthält alles Wissenswerte, was man mitbringen und einbringen muss, um trusted Advisor zu werden.
 
Welchen Film sollten Kommunikationsprofis unbedingt gesehen haben und warum?
Da es in den Fragen und Antworten um miese Chefs, jedoch auch um gute Führung und Förderung ging, würde ich gerne ein altes Youtube-Video empfehlen. Zum Hintergrund: Ein junges Mädchen hatte einen Gesangswettbewerb gewonnen und durfte daher zu einem Basketballspiel die Nationalhymne im TV singen. Sie bekommt mitten beim Singen Panik, ist überfordert und vergisst alles, was sie kann. Maurice Cheeks, ein ehemaliger Profibasketballer und inzwischen Coach, spring ihr zu Hilfe. Er ist nicht der größte Sänger, jedoch er singt mit und er motiviert das Publikum mitzusingen. Das Mädchen findet zu ihrer Stärke bzw. Stimme zurück. Mo Cheeks ist ein tolles Beispiel, was einen Leader ausmacht. Vielleicht inspiriert dieses Video alle mit Mitarbeiterverantwortung. Die Qualität des Videos ist leider nicht sehr gut, das Wesentlich kommt jedoch rüber. 



Tipp: Seien Sie dabei beim großen PR Report Camp in Berlin!
Spannende Top-Cases, kontroverse Debatten und mit rund 1.000 Teilnehmern ein volles Haus: Beim PR Report Camp 2018 war Feuer unterm Dach. So soll es auch bei der dritten Auflage sein: Erneut ist das Camp der Auftakt für die PR Report Awards. Am 14. November 2019 bieten wir im Kosmos in Berlin wieder ein abwechslungsreiches Tagesprogramm, bevor am Abend der renommierte Branchenpreis zum 17. Mal verliehen wird.
 
Beim Karriereforum treffen Young Professionals und Studierende auf potenzielle Arbeitgeber. Namhafte Unternehmen und Agenturen stellen sich dort vor und freuen sich auf den persönlichen Austausch. Mit dabei sind: 365 Sherpas, Bertelsmann Stiftung, Brunswick, Commerzbank, DAPR, Deekeling Arndt, Deutsche Bahn, Deutsche Bank, Deutsche Börse, Edelman, Fink & Fuchs, Fischer-Appelt, Hill + Knowlton, IST, Klenk & Hoursch, Kommpas­sion, Laika, Loesch Hund Liepold, Lufthansa, Montua Partner, Otto Group, Pioneer, Rewe, Scholz & Friends und Siemens.

Auch sonst gibt es an diesem Tag ein abwechslungsreiches Tagesprogramm:
 
25 Top Cases
– das leisten Deutschlands PR-Profis: Eine Auswahl der besten Projekte des Jahres - präsentiert von ihren Machern.
 
PR Report Werkstatt:
Es wird gehämmert, geschraubt und gefeilt - verschiedenen Sessions und Workshops der PR Report Werkstatt zeigen, wie moderne PR-Arbeit funktioniert.
 
Das Finale von #30u30:
Der Jahrgang von 2019 tritt in Zweierteams im Finale des diesjährigen Wettbewerbs gegeneinander an und kämpft um die Trophäen in der Kategorie "Young Professional des Jahres".
 
Tickets und Infos: prreportcamp.de

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