Please wait...
News / Sonderfall Social Media
Gina Hardebeck, Director China der Tübinger Agentur Storymaker
27.10.2014   News
Sonderfall Social Media
 
Der Einstieg Chinas ins Internetzeitalter erfolgte bereits Mitte der 1990er Jahre. Dennoch liegt die Durchdringung in der sozialistischen Marktwirtschaft mit geschätzten 40 Prozent gerade einmal halb so hoch wie der OECD-Durchschnitt. Die Staatsführung hat kein allzu großes Interesse daran, ihr Volk von gut 1,3 Milliarden Chinesen rasch und ungefiltert an die Welt anzuschließen.

Vielmehr sorgen angeblich rund zwei Millionen Spezialisten dafür, dass das von China aus zugängliche Internet „sauber“ bleibt und allein ideologiekonforme Inhalte gefunden beziehungsweise verbreitet werden. In der Konsequenz sind die global populären Web-Dienste und Social Networks – von Twitter über Facebook, Youtube und Linkedin bis Instagram – blockiert oder funktionieren nur eingeschränkt. Dennoch spielt Social Media auch in China eine wichtige Rolle, „zumal diese den Freiraum zur Diskussion kritischer Themen bietet“, betont Claudia Wittwer, Senior-PR-Consultant bei Globalcom PR-Network, einer internationalen Beratungsagentur mit Sitz in Garching/München. Basis dafür sind chinesische Pendants wie die Suchmaschine Baidu, Papa und Meipai analog zu Instagram, Weibo (Chinas Twitter) oder die Messenger-App Wechat als Alternative zu Whatsapp, das (obwohl nicht gesperrt) im Reich der Mitte kaum verwendet wird. „In der Vergangenheit häufig noch als Kopie der blockierten westlichen Social Networks gestartet, sind viele chinesische Web-Dienste technisch und funktional inzwischen deutlich weiter entwickelt als die international genutzten Standards“, sagt Gina Hardebeck, Director China der Tübinger Agentur Storymaker. Und sie sind nicht nur privat selbstverständlicher Teil des Alltags, sondern ebenso in Chinas Wirtschaft. Das gelte auch für das B2B-Geschäft, so Hardebeck: „Chinesische Vertreter in Deutschland sind oft überrascht, wie wenig die sozialen Kanäle hierzulande vertriebsunterstützend eingesetzt werden.“ Zudem sei es in China durchaus üblich, dass Mitarbeiter werbliche Firmeninformationen privat streuen. Dahinter steht die Überzeugung, dass sich in den persönlichen Netzwerken interessante Kontakte für neue Produkte, Stellenanzeigen und Geschäftsverbindungen verbergen.

Magazin & Werkstatt