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News / Andere Länder, andere Sitten
Cornelia Kunze, Vice Chairman Asia-Pacific Middle-East & Africa von Edelman
27.10.2014   News
Andere Länder, andere Sitten
 
Die chinesische Kultur kennzeichnen drei Aspekte: ein ausgeprägter Kollektivismus, hohe Machtdistanz, starke Langfristorientierung. Deshalb gestalte sich die Zusammenarbeit in chinesisch-deutschen Teams „oft schwierig, weil man unterschiedliche Erwartungen hat“, erklärt Marianne Friese. Die frühere Ketchum-Geschäftsführerin lebt seit 2001 in China und betreibt dort seit zehn Jahren eine Beratungsfirma unter ihrem Namen. „Chinesische Mitarbeiter vermeiden es, individuelle Verantwortung zu übernehmen“, so Friese.

Während der deutsche Teamleiter davon ausgehe, dass alle in der Gruppe ihre Deadlines einhielten beziehungsweise rechtzeitig signalisierten, wenn ein Termin überschritten werde, sei es „unwahrscheinlich, dass die chinesischen Teamkollegen dies für ,normal’ halten“. Letztere erwarten von ihrem Chef zudem, dass er ihnen genau sagt, was sie in welcher Form zu erledigen haben. „In China sind die hierarchischen Ebenen stärker ausgeprägt, westliche Matrix-Strukturen eher unüblich, Teamarbeit weniger verbreitet“, betont Gina Hardebeck, Director China der Agentur Storymaker in Tübingen. Folglich seien nicht nur Informationen weniger durchlässig, auch würden Entscheidungen seltener im Konsens getroffen. „Bei Deutschen, die von Chinesen geführt werden, kann das für Irritationen sorgen“, so Hardebeck. Ebenso, wie die „Challenger-Mentalität“: „Mir fällt auf, wie schnell chinesische Unternehmen vorgehen“, beobachtet Cornelia Kunze, Vice Chairman Asia-Pacific Middle-East & Africa von Edelman. Dies stehe im Gegensatz zur deutschen Unternehmenskultur, die eher bewahrend und risikovermeidend sei. Deutsche Firmen, die sich in China engagieren, sehen sich zudem häufig mit einem weiteren Problem konfrontiert, wie Expertin Friese ergänzt: Basierend auf den Grundprinzipien des Konfuzianismus, gelte Loyalität nur im engsten Beziehungskreis, in natürlicher Form also innerhalb der Familie. „Außerhalb wird Loyalität nur sehr langsam und im schlechtesten Fall nie aufgebaut“, so Friese. Daher hätten hiesige Unternehmen oft mit hohen Fluktuationsraten in ihren chinesischen Tochterfirmen zu kämpfen. In Deutschland passen sich chinesische Manager – und Mitarbeiter – aber an die hiesige Kultur an.
 

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