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Michael Hauger, Head of Corporate Communications der Kion Group
27.10.2014   News
Chinesen in Deutschland: der Investor
 
Seit Mai 2012 hatte Kion-Chef Gordon Riske für den traditionsreichen und milliardenschweren Hersteller von Gabelstaplern, Lagertechnikgeräten und Flurförderzeugen mit Sitz in Wiesbaden einen zusätzlichen Großinvestor gesucht. Das strategische Ziel dahinter: nach der europäischen Marktführerschaft auch die Weltspitze zu erobern. Dieser lange Marsch, war Riske klar, müsse über China führen, wo Kion unter den ausländischen Anbietern bereits die Nummer 1 war.


Im Sommer 2012 schließlich fand er in Weichai Power den passenden Partner. Das chinesische Maschinenbauunternehmen übernahm zunächst 25 Prozent der Anteile an der Kion Group und in der Folge 70 Prozent der Kion-Sparte Linde Hydraulics. Mit rund 738 Millionen Euro war es die bis dahin größte Direktinvestition von Chinesen in Deutschland. Nach dem Börsengang der Gruppe im Juni vergangenen Jahres ist Weichai heute mit 33,3 Prozent größter Einzelaktionär. „Die Kion Group wird selbstverständlich nach den Regeln des deutschen Aktienrechts geführt – Corporate Governance und Prozesse im Unternehmen werden nicht durch die einzelnen Aktionäre beeinflusst“, betont Michael Hauger, Head of Corporate Communications. Kultur und Kommunikationswege seien „die eines global tätigen Unternehmens mit starken Wurzeln in Deutschland“. Das Reich der Mitte sei seit langem Teil der DNA der Gruppe, der Einstieg von Weichai habe den Marktzugang in China „nochmals deutlich verbessert“. „Wir sind seit über 20 Jahren mit eigener Produktion, Entwicklung, Vertrieb und Service in China vertreten. Gemessen an der Zahl der Beschäftigten ist China nach Deutschland das zweitgrößte Kion-Land“, erklärt Hauger.

Für Weichai habe sich im Zuge der strategischen Partnerschaft die Möglichkeit ergeben, ein Randgeschäft der Kion Group mehrheitlich zu übernehmen und so für seine Aktivitäten im Baumaschinengeschäft Zugang zur Hydraulik-Technologie zu erhalten und in diese zu investieren. Chefsprecher Hauger: „Im Mittelpunkt unserer Kommunikationsaktivitäten stand zunächst, die Win-Win-Situation der Transaktion für beide Seiten darzustellen. Unser strategisches Rational war und ist ausgesprochen überzeugend – das haben schon die Reaktionen unserer Wettbewerber gezeigt.“ In der Tat galt Kions Schulterschluss mit Weichai von Beginn an als Musterbeispiel für eine gelungene deutsch-chinesische Zusammenarbeit.

Doch im Alltag können die Potenziale einer solchen Partnerschaft zur Herausforderung werden: Wie schreibt man eine E-Mail an die Kollegin von Linde in Xiamen? Wie wird das Geschäftsessen mit Baoli-Mitarbeitern in Jingjiang ablaufen? Und was denken eigentlich die Chinesen von uns Deutschen? „Bereits in einer sehr frühen Phase der Zusammenarbeit mit Weichai wurde uns bewusst, dass sich die Gepflogenheiten im Geschäftsalltag in China und Deutschland sehr stark unterscheiden“, sagt Christine Peglow, Leiterin Personalentwicklung der Kion Group.

So beschloss man, ab Ende 2012 intern interkulturelle Kurse anzubieten, die spezifisch auf die beiden Unternehmen ausgerichtet waren. Das half Missverständnisse zu vermeiden, die auf landläufigen Vorurteilen beruht hätten. Rund 400 Mitarbeiter haben bisher an insgesamt mehr als 40 Trainings teilgenommen. „Ein wesentlicher Aspekt im interkulturellen Austausch ist, dass sich beide Seiten ihrer Identität bewusst sind“, betont Georg Seiller, der die Seminare als Trainer für Kion durchgeführt hat, „es geht darum, ein Grundverständnis für die andere Kultur zu entwickeln, ohne dabei die eigene Identität zu verlieren.“

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