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News / Chinesen in Deutschland: der Aufkäufer
Erscheint halbjährlich und bietet PR alter Schule: Die „Putzmeister Post“.
27.10.2014   News
Chinesen in Deutschland: der Aufkäufer
 
Die Übernahme des schwäbischen Betonpumpenherstellers Putzmeister durch die Sany Group im Januar 2012 markierte damals den aufsehenerregendsten China-Deal in Deutschland. Kolportierter Kaufpreis: eine halbe Milliarde Euro.

Begleitet von Protesten am Putzmeister-Sitz in Aichtal zeigten vor allem die lokalen Medien zunächst Abwehrreflexe. Doch mit der Zusage, Jobs und Standorte des Mittelständlers zu erhalten, nahm der chinesische Baumaschinenkonzern die Presse für sich ein. Heute erntet Sany viel Lob: Die Chinesen hielten sich an alle Absprachen, überließen die Märkte außerhalb Chinas der starken Marke Putzmeister und träten ausgesprochen professionell auf.

Doch seit dem Besitzerwechsel zeigt sich hier beispielhaft, wie sich auch die Kommunikation verändert. Im kleinen Kreis steht Putzmeister in Hintergrundgesprächen zwar Rede und Antwort. Und auch jede neue Halle oder Produktinnovation wird kommuniziert. Ansonsten bestimmt man in Aichtal inzwischen gern selbst, was wann und wo über das Unternehmen in der Presse erscheint. Die Bitte, über die Erfahrungen seiner fast dreijährigen Partnerschaft mit chinesischen Eigentümern zu sprechen, lehnte Putzmeister-Marketingchef Michael Walder lapidar ab: „Wir haben kein Interesse bezüglich Ihrer Anfrage.“ Einen Pressebereich sucht man auf der Putzmeister-Website daher auch vergeblich – der findet sich über einen Link nur bei Sany. Immerhin kann bei Putzmeister das Magazin der Holding, die „Putzmeister Post“, heruntergeladen werden. Und die trägt Züge von PR-Arbeit, wie man sie eher in chinesischen Unternehmen vermutet: Die aktuelle Ausgabe macht bildstark mit dem Besuch des chinesischen Industrieministers Wei Miao in der Putzmeister-Niederlassung in Berlin Ende März auf. Reichlich Name-dropping, überschwängliches Lob – altbekannte PR-Rituale. Dagegen wird im selben Medium im Jahr 2012 praktisch kein Wort zur Übernahme verloren. Nur in einem Interview, das Walder (!) mit Putzmeister-Chef Gerald Karch geführt hat, nimmt letzterer kurz und überaus selbstbewusst Stellung zu dem Deal („wo Putzmeister drauf steht, ist auch Putzmeister drin“).

Bis 2005 war Putzmeister der weltgrößte Betonpumpen-Hersteller. In der Folge hatte Sany dem Mittelständler den Rang abgelaufen und sich das Unternehmen schließlich einverleibt.

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