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Julia Bönisch (Foto: Tom Kornblum, LPRS e.V.)
12.07.2019   Menschen
"Frauen brauchen ein dickeres Fell"
Über die Herausforderungen und das Management des digitalen Wandels in Zeitungsredaktionen sprach Julia Bönisch, Chefredakteurin von SZ.de und Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, mit den Leipziger Public Relations Studierenden.
Zeitungsredaktionen stehen heute vor großen Herausforderungen. Schwindende Leserzahlen und mangelnde Zahlungsbereitschaft sowie der unbedingte Anspruch auf Schnelligkeit setzt auch Ihre Redaktion unter enormen Druck. Wie gelingt es der SZ heute und künftig, ein funktionierendes Geschäftsmodell aufrechtzuerhalten?

Julia Bönisch: Unser Digitalabo wird sehr gut angenommen. Das war ein Weg, der nur über konsequent gute Inhalte, egal auf welchen Kanälen, gelungen ist. Als SZ haben wir im Gegensatz zu kleineren Häusern Mittel, die uns dabei helfen unser digitales Geschäft auszubauen und zeitgemäßen Journalismus zu betreiben. Wir waren mit unserem Paid-Content-Modell eines der ersten Häuser, die sich mit Digitalabos auf dem Markt etabliert haben und bieten den Menschen Inhalte, für die es sich lohnt zu bezahlen. Dinge, die unsere Leser weiter bringen im Leben, die sie weiterbilden und auch Themen, die sie unterhalten.

Wie sieht denn die Zukunft im Journalismus aus? Wird es schon bald keine gedruckte Zeitung mehr geben?

Wir sollten Print nicht unterschätzen. Wir haben weiterhin eine sehr hohe Auflage und Leser, die wir bedienen müssen. Es wäre fatal, wenn wir das nicht mehr täten. Wir müssen uns daneben aber ein neues Geschäftsmodell aufbauen, das auch trägt, wenn Print nicht mehr so stark ist – und das sind langfristig die Digitalabos. Wir sind da auf einem sehr guten Weg, dürfen jetzt aber keinesfalls nachlassen.

Die Digitalisierung stellt nicht nur das Geschäftsmodell der SZ auf den Kopf, sondern bringt auch starke Veränderungen für Ihre Mitarbeitenden mit. Wie erleben Mitarbeitende den digitalen Wandel im Unternehmen? Sicherlich gibt es auch Widerstände?

Ich glaube, dass Veränderungen für alle Mitarbeiter, egal ob Print oder Online, anstrengend sind. Es wäre schön, den Mitarbeitern mehr Sicherheit geben zu können, aber niemand weiß genau, wie unsere Arbeit in fünf Jahren aussehen wird. Natürlich gibt es manchmal Widerstände und Beharrungskräfte innerhalb der Organisation. Uns ist aber allen klar, dass wir mehr machen müssen in Hinblick auf unser digitale Strategie. Wir müssen mehr ausprobieren und uns gleichzeitig von liebgewonnenen Sachen trennen. Genau das ist die Schwierigkeit: Wir machen aktuell vieles on top, ohne andere Aufgaben wegzulassen. Das ist für Mitarbeiter eine große Belastung, da sie den Eindruck gewinnen ihrer Arbeit nicht mehr nachkommen zu können. Künftig müssen wir als Organisation entscheidungsfreudiger werden und auch den Mut beweisen, bestimmte Prozesse zu überdenken.

Ende 2018 wurden Sie in die Chefredaktion der SZ berufen. Was muss eine Chefredakteurin heute mitbringen, um den Herausforderungen des digitalen Wandels standhalten zu können?

Man braucht vor allem ganz viel Leidenschaft. Wenn man die hat, kann man sich in fast jedes Thema einarbeiten, vieles ist natürlich learning on the job. Ich persönlich habe immer davon profitiert - und das mag banal klingen: Nachfragen! Man darf Dinge auch einmal nicht wissen und sie sich bei anderen abschauen. Die Neugier und Lust Aufgaben zu machen, die man sich früher nie hätte vorstellen können, ist enorm wichtig.

Was muss man als Frau mitbringen, um sich in einer Führungsposition behaupten zu können? 

Ich fürchte, Frauen brauchen ein dickeres Fell, obwohl man das in einer Führungsposition ja generell braucht. Man ist nicht immer „Best-Buddy“ mit allen und ich habe den Eindruck, dass genau das Frauen manchmal schwerer fällt.
Das hängt viel mit Erziehung und Sozialisation zusammen. Während Männer schon immer kompetitiv erzogen wurden, geht es bei Frauen darum „nett“ zu sein. Immer soll man gefallen, lieb sein und bloß nicht auffallen. Wenn man dann als Frau plötzlich in der Position ist, in der es gar nicht darum geht, dass jeder einen mag, ist das manchmal ein Realitätsschock. Am Ende geht es darum, dass du den Laden im Griff hast und dass du ein Team oder eine Firma führen sollst, egal ob Mann oder Frau.

Interview: Jeanne Link, LPRS e.V. 


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