Der Welt am Sonntag dagegen gelingt es 2019 besser zu gesellschaftlichen Debatten mit ihren Inhalten etwas beizutragen. Sogar deutlich besser als der Tageszeitung aus der Blauen Gruppe. So hat sich die WamS stark positioniert zur Europawahl, allen voran mit dem Gastbeitrag von CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer zu Europa als Reaktion auf die EU-Reformvorschläge des französischen Präsidenten Emmanuel Macron.
Das Handelsblatt bleibt aus deutscher Sicht wichtigstes Medium zu Wirtschafts- und Unternehmensnachrichten und hat sein Standing sogar im zweiten Quartal noch einmal untermauert. Dagegen wird die WirtschaftsWoche aus demselben Verlagshaus deutlich seltener aufgegriffen mit ihren Inhalten, sie rangiert nicht einmal mehr unter den Top 15 meistzitierten Medien im Wirtschaftsteil.
In Zeiten, in denen die Redaktionen Stellen streichen, Ressorts auslagern oder zusammenlegen und Newsrooms einrichten, erleben die Nachrichtenagenturen eine gestiegene Bedeutung: dpa, Reuters und Bloomberg werden unabhängig vom Kürzel immer häufiger ausdrücklich als Quelle zitiert.
Die Top 10 der meistzitierten Medien, Januar bis Juni 2019 (Vorjahresvergleich in Klammern):
1. (1.) Spiegel - Steffen Klusmann (Vorsitz), Barbara Hans, Clemens Höges - 715 Zitate (558 Zitate)
2. (2.) Bild - Julian Reichelt - 472 (492)
3. (4.) New York Times - Dean Bacqet 434 (404)
4. (3.) Bild am Sonntag - Marion Horn - 371 (461)
5. (5.) Süddeutsche - Kurt Kister, Wolfgang Krach - 363 (325)
6. (6.) Handelsblatt - Sven Afhüppe - 352 (313)
7. (neu) Financial Times - Lionel Barber - 322
8. (neu) Welt am Sonntag - Johannes Boie - 282
9. (7.) Wall Street Journal - Matt Muray - 211 (254)
10. (9.) FAZ - Werner D'Inka, Jürgen Kaube, Berthold Kohler, Gerald Braunberger - 196 (216)
Hintergrund: Das Media Tenor Zitate-Ranking, das exklusiv auf kress.de erscheint und hier mit freundlicher Genehmigung der Kollegen, basiert aus Qualitätsgründen nicht auf computerunterstützten Analysen. Die tagesaktuelle Erhebung der Medien-Zitate wird von ausgebildeten Analysten vorgenommen: Jeder Beitrag wird von ihnen gelesen bzw. im Fernsehen geschaut und jedes Zitat auf seine Relevanz geprüft. Die Media Tenor-Analysten untersuchen, ob eine inhaltliche Recherche-Leistung mit dem Zitat verknüpft ist und Nachrichten transportiert werden oder nicht.
Damit ist das Ranking ein Indikator für die investigative Leistung und journalistische Qualität der Redaktionen, die zitiert werden. Zehn Jahre nach Beginn hat Media Tenor dann 2006 weitere qualitative Analyse-Kriterien in die Auswertung aufgenommen, wie die Analyse der Themen, mit denen die Medien zitiert werden. Für Zitate in der Unternehmensberichterstattung wird inzwischen auch die Branche erhoben, auf die sich das Zitat bezieht. Damit gelingt es Media Tenor, die Hintergründe für die Zitate- Häufigkeit detailliert darzulegen.
Insgesamt wurden von den Media Tenor-Analysten zwischen Januar und Juni 2019 in den Politik- und Wirtschaftsteilen der deutschen Meinungsführermedien alle 12.432 Zitate ausgewertet. Untersucht wurden Berliner Zeitung, Bild-Zeitung, Die Welt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau, Leipziger Volkszeitung, Süddeutsche Zeitung, taz, Tagesspiegel, ARD Tagesschau und Tagesthemen, ZDF Heute und Heute Journal, Fakt, Frontal 21, Kontraste, Monitor, Panorama, Report (BR), Report (SWR), Börse im Ersten, Die Zeit, Focus, Spiegel, Stern, Super Illu, Bild am Sonntag, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Welt am Sonntag, Handelsblatt, Wirtschaftswoche, Capital, Manager Magazin sowie die 7-Uhr-Nachrichten des Deutschlandfunks.