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News / Ziemlich beste Freunde
27.10.2014   News
Ziemlich beste Freunde
 
Chinesisch-Deutsche Partnerschaft Galt China lange als Werkbank der Welt, so fordert das Land international längst seinen Platz in der ersten Wirtschaftsreihe ein. Innerhalb Europas ist Deutschland ein Schlüsselmarkt, die Volksrepublik inzwischen drittgrößter Investor hierzulande – für die betroffenen Unternehmen und ihre Kommunikationsabteilungen im Alltag eine Herausforderung. Von Bijan Peymani

Waren es im Jahr 2012 erst 46 deutsche Unternehmen, so haben Investoren aus China im vergangenen Jahr bereits in 68 Projekte hierzulande ihr Geld gesteckt, Tendenz steigend. Die Zahlen sind dem aktuellen „EY European Investment Monitor“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young entnommen und lassen Übernahmen noch unberücksichtigt. Zählt man diese hinzu, so hatten Ende 2013 knapp 100 Unternehmen hierzulande – vorwiegend technologieintensive Mittelständler aus dem Maschinen- und Anlagenbau sowie aus dem Sektor der Kraftfahrzeuge – chinesische (Mit-)Eigner.

Das Hauptmotiv des Expansionsdrangs aus dem Reich der Mitte heraus ist, an der globalen Wertschöpfungskette rasch nach oben zu klettern. Angetrieben werden Chinas Firmen dabei von einem Imperativ der Regierung. „Zouchuqu!“ postuliert sie in ihrem im Fünf-Jahres-Plan, „Schwärmt aus!“. Wigan Salazar, CEO der deutschen MSL Group in Berlin, nennt dafür drei Triebfedern: „kritische Masse, Übernahme einer starken Marke oder Vertriebsplattform und Erwerb technologischen Know-hows“. Auf letzteres vor allem schielt man in Deutschland.


Langfristige Engagements gesucht
Der Einstieg bei einem deutschen Mittelständler kann dessen Bestand sichern, die Finanzkraft erhöhen, neue Wachstumsperspektiven eröffnen und Arbeitsplätze sichern. „Dabei kommt im Allgemeinen die Mentalität chinesischer Investoren solchen Kooperationen entgegen“, erklärt Claudia Wittwer, Senior-PR-Consultant bei Globalcom PR-Network in Garching/München, „sie denken langfristig und investieren strategisch.“ In der Regel ließen sie funktionierende Strukturen bestehen und nähmen kaum bis gar keine personellen Veränderungen vor.

Und die Herren aus Fernost zahlen gut, wenn auch nicht so freiwillig. In Deutschland treffen chinesische Unternehmen nach wie vor auf extreme Skepsis bei allen Stakeholdergruppen – von den Mitarbeitern bis in die politische Klasse. Salazar: „Dies wirkt sich auf den Kaufpreis aus.“ Eine Umfrage seiner Agenturgruppe unter Investmentbankern habe ergeben, „dass dieses Reputationsproblem chinesische Käufer dazu zwingt, einen bis zu 20 Prozent höheren Preis als marktüblich zu bezahlen“. Doch nicht Geld, erst Kommunikation schafft Vertrauen.

Die aber gestaltet sich zur Herausforderung, nicht nur bei der Anbahnung eines chinesisch-deutschen Deals, sondern erst recht für die Zeit nach der „Honeymoon“-Phase. Die größte Verunsicherung herrscht unter den Mitarbeitern des deutschen Unternehmens, deren Skepsis durch stereotype Schlagzeilen in der Presse oft noch genährt wird. Grundsätzlich rät Wittwer Kommunikationsverantwortlichen, einen guten Draht zur chinesischen Unternehmensleitung, aber auch zu Personen im Unternehmen mit „informellem“ Einfluss herzustellen.

Letzteres „allein schon, um für einen regelmäßigen Informationsfluss zwischen Headquarter und deutscher Repräsentanz zu sorgen, ohne den jegliche Kommunikationsaktivitäten von vornherein zu Scheitern verurteilt sind“. Hier liege „noch viel Neuland“ vor allen Beteiligten – den chinesischen Investoren und ihren deutschen Partnern sowie den Prozess begleitenden Beratern und Agenturen. Die Herausforderungen sind allerdings nicht nur auf der Ebene der Kommunikations-Chefs zu finden – sie ziehen sich durch alle Ebenen und Abteilungen.

„Am besten ist es für alle Beteiligten, das gemeinsame Ziel bereits am Anfang ganz klar zu formulieren und zu verankern“, empfiehlt Marianne Friese, die seit zehn Jahren in China eine Beratungsfirma unter ihrem Namen betreibt. Zudem sei es „ratsam, im Fall von Shareholder-Verbindungen mit chinesischen Unternehmen die Verantwortlichkeiten klar zu darzustellen“. Idealtypisch scheint dies dem Gespann Kion-Weichai gelungen zu sein (siehe auch den Beitrag auf Seite 12); insbesondere die Vermittlung des Deals nach innen und außen könnte anderen deutschen Mittelständlern als Blaupause dienen.
Der nächste Investor aus China steht bei vielen Firmen schon vor der Tür.
 

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