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Screenshot: https://twitter.com/Wikipedia/
05.06.2019   News
Wie North Face Wikipedia manipulierte
Eine Werbeagentur hat für The North Face Produktbilder in Google-Bildersuchen und auf Wikipedia-Seiten prominent platziert. Nach Wikipedia-Protest und Social-Media-Shitstorm entschuldigte sich die Outdoor-Marke.
Die Idee der Werbeagentur Leo Burnett: Wenn wir Wikipedia Bilder diverser Reiseziele mit unseren North-Face-Werbefotos ersetzen, schafft es die amerikanische Outdoor-marke ganz oben in die Google-Bildersuche. Ohne etwas dafür zu bezahlen oder die Nutzer auf die Werbung hinzuweisen. 

Dafür stellte Leo Burnett eigens dafür angefertigte Fotos bereit, auf denen Wanderer in The-North-Face-Produkten in einer bestimmten Landschaft zu sehen sind. Damit ersetzten sie das jeweilige Wikipedia-Bild der dort abgebildeten Orte, etwa dem Guarita State Park in Brasilien oder Cuillin in Schottland. Damit sollten diese Bilder mitsamt der Produkte in der Google-Bildersuche von Menschen auftauchen, die nach Anregungen für ihre Reise in diese Gebiete suchen. 

Über diese Methode berichtete zuerst die Marketing-Website Ad Age. Sie zeigte auch ein Video der Aktion, das The Drum in der Zwischenzeit auf Youtube hochgeladen hat. Das Kalkül der Werber: In der Google-Bildersuche nach Destinationen werden in der Regel die Wikipedia-Fotos als erste angezeigt. Und diese lassen sich von Wikipedia-Nutzern austauschen. "Wir haben die Resultate gehackt, um einen der schwierigsten Orte der Welt zu erreichen: die Spitze der weltgrößten Suchmaschine", heißt es in dem Video. 

Es folgte ein Shitstorm. Social-Media-Nutzer riefen zum Boykott der Marke auf. Wikipedia-Betreiber Wikimedia sprach von einer "unethischen Manipulation" und davon, dass das Vorgehen der Marke dem Verunstalten von öffentlichem Eigentum ähnele. Freiwillige hätten die Werbefotos wieder entfernt oder die Logos aus den Bildern retuschiert. 

The North Face entschuldigte sich für die mit den Wikipedia-Prinzipien "unvereinbare Aktion", die umgehend gestoppt worden sei. "Wir werden uns dafür einsetzen, dass unsere Teams und beauftragte Unternehmen besser über die Richtlinien der Website informiert werden", schrieb die Firma ebenfalls auf Twitter. 

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