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Formale Verständlichkeit der Europawahlprogramme (Grafik: "Wahlprogramm-Check 2019")
20.05.2019   News
Programme zur EU-Wahl sind meist rätselhaft
Die Programme der Parteien zur Europawahl 2019 sind laut einer Studie der Uni Hohenheim im Vergleich zu der Wahl vor fünf Jahren unverständlicher geworden.
Mit Hilfe einer Analyse-Software haben der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim und sein Team nach den für die Verständlichkeit relevanten Lesbarkeitsformeln und Parametern in den Programmen gefahndet, darunter nach überlangen Sätzen, Fachbegriffen und Fremdwörtern. Die Faktoren bilden die Grundlage für den "Hohenheimer Verständlichkeitsindex", der die Verständlichkeit der Programme und Texte auf einer Skala von 0 (schwer verständlich) bis 20 (leicht verständlich) abbildet. Ergebnis des "Wahlprogramm-Check 2019": Im Durchschnitt ist die Verständlichkeit der Programme mit 8,1 Punkten im Vergleich zur EU-Wahl 2014 leicht gesunken. Vor fünf Jahren lag der Mittelwert bei 8,5 Punkten. Auch ist sie niedriger als bei der Bundestagswahl 2017 (9,1 Punkte). Damit seien sie im Durchschnitt nach wie vor für viele Laien unverständlich.

Insgesamt schneidet das Programm von CDU/CSU mit einem Wert von 10,3 am besten ab. Die Linken (9,5) liegen auf Rang zwei, auf dem dritten Platz folgt die SPD mit 8,2. Das Programm der FDP ist Brettschneider zufolge mit einem Wert von 6,2 formal nur wenig verständlicher als eine politikwissenschaftliche Doktorarbeit.

Beispiele für Fremd- und Fachwörter: "Seigniorage-Programme" (AfD), "Flexicurity" (Die Linke), "Think-Small-Frist-Prinzip" (FDP), "Keylogger" (Die Linke), "Friedensfaszilität" (AfD), "Power-to-X" (FDP), "Notice-and-take-down-Verfahren" (Die Grünen) und "Dual-Use-Verordnung" (Die Grünen).

Beispiele für Wortzusammensetzungen oder Nominalisierungen: "Luftschadstoffqualitätsbestimmung" (FDP), "Folgenbeseitigungsverfügungen" (SPD) und "Fingerabdruckidentifizierungssystem" (CDU/CSU).

Die Hohenheimer Forscher haben auch die Tonalität der Sprache in den Wahlprogrammen untersucht. Sie wird durch den Anteil negativer Begriffe im Verhältnis zum Anteil positiver Begriffe bestimmt. Die positivste Sprache verwenden die FDP und die CDU, die negativste die Linke und die AfD. Letztlich zählen die Wahljahre 2014 und 2019 laut der Auswertung zu den Europawahljahren mit der "negativsten" Sprache seit 1979.

Den "Wahlprogramm-Check 2019" der Uni Hohenheim gibt es hier.

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