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News / Die Renaissance der Leitbilder
Volker Klenk
14.10.2014   News
Die Renaissance der Leitbilder
 
Kein anderer Satz von Helmut Schmidt war jemals so falsch wie dieser: "Wer Visionen hat sollte zum Arzt gehen." Und doch wird kaum ein Spruch über Visionen so häufig zitiert. Weil er so lustig klingt? Oder weil er ganz prima für all diejenigen passt, die keine kraftentfaltenden Visionen zustande bringen?

Visionen im unternehmerischen Kontext sollten nie isoliert, sondern immer im bewährten Dreiklang von Vision, Unternehmenszweck und Werten gedacht werden. Solche Konstrukte heißen bei Fredmund Malik Business Mission, bei Peter Drucker schon immer Leitbilder. Ich mag diesen alten Leitbild-Begriff, weil er zwei wesentliche Dinge betont. Erstens: Vision, Zweck, Werte sind ein "Leitungs"-Instrument. Sie strukturieren und vereinfachen Führung und leisten einen unschätzbaren Beitrag für Effizienz in Organisationen, wenn allen Beteiligten Richtung und Prioritäten klar sind.

Leitbilder müssen Bilder erzeugen

Zweitens: Leitbilder müssen Bilder erzeugen. Früher mag es dabei genügt haben, die Leitbildentwürfe in Pyramiden und Würfeln zu packen und schicke Icons für die Werte in den Besprechungsräumen aufzuhängen. Heute geht es insbesondere darum, über ein zeitgemäßes Storytelling in den Köpfen der Mitarbeiter merk- und aussagefähige Bilder und Vorstellungen über die strategische Zielrichtung des Unternehmens zu erzeugen.

Die Bedeutung von Leitbildern scheint Modeströmungen zu unterliegen. In den 1980er Jahren war das Thema ganz groß. Anfang des Jahrhunderts auch. Derzeit scheinen sie auf der Managementagenda nicht mehr so weit oben zu stehen. Zu Unrecht.

Was ist die Konstante, wenn sich alles ändert?

Gerade in Zeiten großer Umbrüche und Veränderungen bekommen Leitbilder eine noch größere Bedeutung für nachhaltige Unternehmensentwicklung. Wenn sich Software und IT-Gadgets, Kundenwünsche, Abteilungsgrenzen, CEOs, Standorte, Märkte, Technologien und so weiter in immer kürzerer Taktfolge verändern und von Mitarbeitern gleichzeitig eine immer höhere permanente Veränderungsbereitschaft abverlangt wird, braucht es auch Konstanten. Sonst fliegen ganze Organisationseinheiten aus der Kurve. Leitbilder liefern diese Orientierung. Sie geben die nötige Sicherheit in Zeiten der Verunsicherung. Sie bilden ein verbindliches, verlässliches Fundament, auf dem selbst stürmische Phasen gemeistert werden können.

Daher sind Visionen und Leitbilder heute wichtiger denn je. Egal, was Schmidt dazu meint.

Dr. Volker Klenk ist Vorstand der Klenk & Hoursch AG, Agentur für Corporate & Brand Communications in Frankfurt am Main.
 

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