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News / „Auf ein paar Euro kommt es ja nicht an ...“
Daniel Neuen, Chefredakteur PR Report
13.02.2019   Karriere
„Auf ein paar Euro kommt es ja nicht an ...“
Von wegen! Sechs Mythen der Gehaltsdebatte.
Beim PR Report Camp in Berlin bekam ich Schimpfe. Viel zu sehr sei es bei den Podiumsdiskussionen um Geld gegangen, meckerten einige Agenturmanager. „Die jungen Leute“ sollten doch vor allem auf eine gute Ausbildung achten und ob sie für spannende Kunden arbeiten dürfen. Und auf ein paar Euro komme es ja nicht an. Der erste Satz ist weitgehend richtig, der zweite eine von mehreren Fehlannahmen.
 
1. „Auf ein paar Euro kommt es nicht an“
Wenn es nur ein paar Euro wären. Unser Ranking hat erstmals offengelegt, wie groß die Spanne ist: Wenn man die nach Direkteinsteigern und Trainees getrennten Listen zusammenlegt, würde der Abstand zwischen Platz 1 und 37 mehr als 30.000 Euro betragen. Das ist ein neues Auto. Oder anderthalb Trainees – zumindest in den Agenturen auf den hinteren Plätzen des Rankings.

2. „Auf ein paar Hundert Euro kommt es nicht an“
Die Nase-oben-Version von Mythos eins. Auf Studierende mit Mama und Papa als Sponsoren mag das zutreffen. Aber was ist mit den guten, motivierten Absolventen, deren Eltern es sich nicht leisten können, Miete und was sonst noch alles zu subventionieren, damit ihre Kinder auf den teuren Agenturpflastern wie München oder Hamburg den Berufseinstieg finden? Diese Talente müssen vielleicht nicht auf jeden Euro achten, aber womöglich wird es bei 150 Euro problematisch. Auch hier fängt die viel beschworene Diversität an. Agenturchefs, die so denken, verkleinern von vornherein ihren Talente-Pool. Und: Auf ein paar Hundert Euro mehr oder weniger im Monat dürfte es bei den wenigsten großen Agenturen ankommen. Wetten?!?
 
3. „Die Einstiegsgehälter sind transparent“
Oft gehörter Satz bei der Recherche zu unserem Ranking. Auch von manchem, der mit dieser Bemerkung fest versprach, Zahlen zu liefern – und es dann nicht tat. Kein Interesse an Transparenz? Ein Agenturriese, der mir quasi täglich Pressemitteilungen schickt, war übrigens „aus Zeitgründen“ nicht in der Lage, konkrete Angaben zu machen. Noch öfter gehört haben wir von den teilnehmenden Agenturen diese Sätze: „Wann kommt denn endlich das Ranking? Wir sind so gespannt, wo wir stehen.“

4. „Hering Schuppener ist eine andere Liga“
Das gilt vielleicht für das Geschäft, aber nur bedingt für das Recruiting. Hering Schuppener, CNC und all die anderen, die sich lieber Beratungen als Agenturen nennen, angeln teils in den gleichen Teichen, sprich in den einschlägigen Studiengängen, wie die „normalen“ Agenturen.  

5. „GPRA-Agenturen zahlen nur 1.600 Euro“
Falsch. 1.600 Euro sind der sogenannte Mindeststandard, auf den man sich im Verband verständigt hat. Im Mittel zahlen die GPRA-Agenturen laut einer eigenen Umfrage 1.860 Euro und ein paar Zerquetschte. Manche Mitglieder in unserem Ranking liegen irgendwo dazwischen, einige knapp oberhalb, andere – wie Oliver Schrott, der Spitzenreiter bei den Traineegehältern – weit darüber.
 
6. „Alle Agenturen sind Ausbeuter“
Stimmt natürlich nicht. Neulich hörte ich die Geschichte des Gründers eines kleinen Ladens, der wohl geradeso über die Runden kommt. Ständig laufen ihm die erfahrenen Leute weg, weil sie woanders mehr verdienen. Auf die Frage, warum er nicht einfach mehr bezahle, antwortete der Inhaber traurig: „Dann verdient mancher Mitarbeiter ja mehr als ich.“
 
Autor: Daniel Neuen


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Mit dem Gehaltsranking wollen wir für ein Stück Transparenz im Markt sorgen. Deshalb freuen wir uns über jede Agentur, die noch nachträglich Zahlen nennen möchte und würden diese zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen. E-Mail genügt.

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